Feudenheim

Feudenheim Laut Verkehrsministerium muss die Stadt Mannheim auch tagsüber Tempo 30 auf der Hauptstraße durchsetzen

Bürger mit Petition erfolgreich

Archivartikel

Wolfgang und Heike Reiser haben allen Grund zur Freude: Mitte Februar 2017 starteten sie eine Petition, mit dem Ziel, dass auch tagsüber Tempo 30 auf der Feudenheimer Hauptstraße gilt. Vor kurzem hat der Petitionsausschuss des Stuttgarter Landtages dem Anliegen einstimmig zugestimmt. In einer zweijährigen Testphase soll durchgehend Tempo 30 auf der Hauptstraße eingeführt werden. Bisher gilt die Regelung nur von 22 bis 6 Uhr. „Die Stadt Mannheim muss jetzt zeitnah handeln“, sieht der Mannheimer SPD-Landtagsabgeordnete Boris Weirauch die Verwaltung am Zug.

Weirauch hatte sich als Berichterstatter für die Initiative aus seinem Stadtteil eingesetzt und gratulierte jetzt vor Ort zum Erfolg. „Das ist eine gute Entscheidung, die sich positiv auf das Leben der Bürgerinnen und Bürger in Feudenheim auswirken wird“, erklärte Weirauch und freute sich mit den Beteiligten: Der Einsatz der Bürgerinitiative für weniger Verkehrslärm auf der Hauptstraße habe sich gelohnt. Dabei sei es anfangs gar nicht so leicht gewesen, den richtigen Ansprechpartner zu finden, zeigten sich Heike und Wolfgang Reiser dankbar. „Wir hoffen sehr, dass diese Maßnahme die Anwohner und Besucher der Hauptstraße entlastet.“ Vielleicht werde mit dem Rund-um-die-Uhr-Tempolimit ja auch eine zweite Forderung hinfällig, die Gegenstand der Petition gewesen sei: Ein Durchfahrtsverbot für Fremd- und Berufsverkehr.

Mitstreiter wie Matthias Jägg, Petra Block oder Petra Seemann bestätigten: Die momentane Situation sei unzumutbar. „Vor allem das Kopfsteinpflaster erhöht den Lärmpegel“, berichtete Seemann. Zu diesem Ergebnis kam wohl auch das Landesverkehrsministerium, das wohl eigene Messungen veranlasste.

Zulässige Lärmwerte überschritten

So liegt dem Beschluss des Petitionsausschusses laut Weirauch eine Stellungnahme aus Stuttgart zugrunde, die auf Überschreitungen der zulässigen Dezibel-Grenze hinweise. Danach seien im Abschnitt der Feudenheimer Hauptstraße zwischen Am Aubuckel und Sankt-Peter-und-Paul-Straße Lärmwerte zwischen 76 und 81 dB(A) festgestellt worden. In allgemeinen Wohngebieten sind aber höchstens 70 dB(A) tagsüber und nachts 60 dB(A) zulässig.

Es gebe zwar einen Ermessensspielraum, weiß Weirauch, doch der entfalle bei einer Überschreitung der zulässigen Lärmwerte um drei Dezibel. Die Stadt Mannheim habe sich gegen eine durchgängige Tempo 30-Regelung in Feudenheim bislang immer mit dem Hinweis auf die dann langsamere Taktung der Stadtbahnlinie 2 gesperrt, berichtet Weirauch. „Es gibt im Straßenverkehrsgesetz aber eine Ausnahmeregelung.“ Danach könne die Stadt beantragen, dass die Straßenbahnen trotzdem 50 km/h fahren dürfen.

Grundsätzliches Ziel müsse sein, mehr Durchgangsverkehr auf die Umgehungsstraße umzulenken. Durchgehend Tempo 30 auf der Hauptstraße könnte ein Anreiz sein, dass zukünftig mehr Autofahrer auf die Umgehung ausweichen, anstatt mitten durch den Ort zu fahren. Weirauch sieht durch den Erfolg der Petition in Feudenheim auch Initiativen in anderen Stadtteilen gestärkt. Im Bereich der Dürerstraße in Neuostheim gebe es ähnliche Überlegungen, ebenfalls entlang der Steubenstraße in Richtung Neckarau. „Wir müssen den Leuten wieder ein bisschen Lebensqualität zurückgeben“, meint Weirauch.

Der Stuttgarter Landtag muss den Beschluss nach der parlamentarischen Sommerpause zwar noch bestätigen, alle Beteiligten hoffen jedoch auf eine zügige Umsetzung durch die Stadt Mannheim. „Die Menschen in Feudenheim haben einen Anspruch darauf, dass ihre Gesundheit geschützt wird – und zwar so schnell und umfassend wie möglich“, fordert der SPD-Politiker.