Feudenheim

Feudenheim Madeleine Sauveur lud Irmgard Knef auf die „grüne Couch“ ein

Charme im Doppelpack

Ihrer großen Schwester lag Hollywood zu Füßen. Statt weltweite Erfolge im Film und auf bedeutenden Bühnen zu feiern, musste sich Irmgard Knef, Hildegards zehn Minuten jüngere Zwillingsschwester, ihren Lebensunterhalt mit kleinen Auftritten verdienen. Jetzt war sie auf Madeleine Sauveurs grüner Couch in der Kulturhalle gelandet.

Hinter der Kunstfigur Irmgard Knef steckt ein Mann: der Kabarettist Ulrich Michael Heissig. Im wahren Leben ist er auch der Regisseur von Sauveurs Bühnenprogrammen und erwies sich als unterhaltsamer Gesprächspartner.

Musikalische Familie

Er stamme aus einer sehr musikalischen Familie, erzählte er und habe bereits als Dreijähriger erste Bühnenerfahrung mit der Darbietung von Heintje-Liedern im örtlichen Gasthaus gesammelt. Nach Engagements als Drehbuchautor und Schauspieler habe er vor Jahren die Rolle der jahrelang verleugneten Schwester von Hildegard Knef entwickelt. „Irmgard war von Anfang an eine eigene Figur und keine Parodie“, betonte er.

Mit ihren 94 Jahren versprühte die alternde Chansonette jede Menge Charme und Glamour und gab stimmgewaltig „neue Weisen einer alten Geschlauchten“ zum Besten. Den „Koffer in Berlin“ dichtete sie kurzerhand zum „Trolley in Shanghai“ um und schmachtete das „einseitige, platonische“ Liebeslied „Ich will der Hafen für deinen Kutter sein“. Als Kinderstars seien die Zwillinge als Vorgruppe von Johannes Heesters aufgetreten, plauderte sie aus ihrem bewegten Leben. Doch nachdem es für Hilde mit ihrer Solokariere rote Rosen regnete, blieb Irmgard im Schatten ihrer berühmten Schwester eher skeptisch: „Was, wenn es gelbe Nelken rieselt?“

Gastgeberin Sauveur beleuchtete mit spitzzüngigem Humor die kleinen und großen Fluchten aus dem Alltag. Auf dem Kreuzfahrschiff MS „Mumienschlepper“ tauchte sie in einen „Mikrokosmos der Begehrlichkeiten“ ein und schob einem imaginären Porzellanfabrikanten aus Wanne-Eickel beim „Chachacha“ über das Parkett. Warum denn nicht mal etwas ganz Anderes im Leben wagen, verlor sie sich in Träumereien.

Musikalisch pendelte das Multitalent zwischen Chanson und Opernarie. Da klang sogar die russische Gebrauchsanweisung eines Staubsaugerbeutels äußerst melodisch. Beide Künstlerinnen würdigten die Vorzüge des Alterns. „Oma sein, es guckt kein Schwein“ sang Sauveur und die Knef freute sich: „Das Tolle an meinem Alter ist, dass man nur noch jüngere Männer kennenlernt“.

Geheimnis entlockt

Kapellmeister Clemens Maria Kitschen beeindruckte auf den unterschiedlichsten Instrumenten. Neben dem Keyboard brachte der Vollblut-Musiker Akkordeon, Schellenkranz und Bongos zum Einsatz. Gegen Ende des Abends konnte Sauveur ihrem Gast sogar noch ein Geheimnis entlocken: Sie sei es gewesen, die statt der älteren Schwester im Film „Die Sünderin“ die berüchtigte Nacktszene gedreht habe, vertraute die erfundene Verwandte dem Publikum an. as