Feudenheim

Ost/Feudenheim Teutonia-Sänger „demonstrieren“ vor Theodor-Fliedner-Haus Zusammenhalt

„Corona-Chor“ bringt Ständchen

Archivartikel

Eigentlich hätte ja das traditionelle Mailiedersingen der Teutonia stattfinden sollen. Da dies in der üblichen Form wegen der Kontakteinschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich war, machten sich die Sänger Gedanken, wie man insbesondere den älteren Mitbürgern im örtlichen Theodor-Fliedner-Haus eine Freude bereiten und ein klein wenig Abwechslung in ihren Alltag bringen könnte. In der Coronazeit bedeutet so etwas sehr viel Arbeit, haben die Sänger erfahren müssen – und es allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft, ihr Vorhaben umzusetzen.

Absprache mit Behörden

Wichtig war zunächst einmal die Absprache mit den zuständigen Behörden: Die Teutonia fragte sowohl die Polizeidienststelle als auch das Amt für Sicherheit und Ordnung der Stadt um Rat. Viele Telefonate wurden geführt und unzählige E-Mails ausgetauscht. Mit einem Antrag für eine Demonstration, um auf die Situation der Bewohner von Altenheimen und Behinderteneinrichtungen durch die Coronaverordnungen aufmerksam zu machen und der Forderung, diese Verordnung für die Bewohner erträglich zu machen, organisierte der Gesangverein eine Kundgebung, die er denn auch mit einer „Anmeldung einer öffentlichen Versammlung gemäß § 14 Versammlungsgesetz“ beantragte. Unter Beachtung von besonderen Auflagen, insbesondere dem Abstandsgebot, wurde diese Versammlung dann genehmigt. Unterstützung bekam der Verein vom Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel, der zu den Bewohnern sprach. Er kam in Begleitung von Stadtrat Thomas Hornung.

Eine Polizeistreife lobte die Vorbereitungen der Teutonen als vorbildlich, die den Hof des Fliedner-Hauses bereits mit Markierungen versehen und somit die Positionen der Sänger festgelegt hatten. Zusätzlich fungierten Freunde der Teutonia mit gelben Warnwesten als Ordner, um auch die Passanten und Zuhörer um Abstand zu bitten. Alles lief hervorragend und entsprechend den Vorschriften und Auflagen.

Doch zuvor hatte das Wetter gnadenlos zugeschlagen, und alles war in Gefahr geraten. Ein Regenguss, wie man ihn seit langer Zeit nicht mehr erlebt hatte, zog über Feudenheim hinweg. Aber dann hatten die Sänger das Glück der Tüchtigen auf ihrer Seite – pünktlich vor Beginn der Sangesdemonstration zog die Sonne auf und die Bewohner und Mitarbeiter des Fliedner-Hauses freuten sich über die Lieder der Sänger, nachdem der Teutoniavorsitzende das Thema der Versammlung aufgriff.

Die Aktion wurde zudem live im Internet übertragen. Mit dieser amtlichen genehmigten Kundgebung, in der die rund 30 Teutonia-Sänger zwischen den Redebeiträgen ihre Lieder vortrugen, haben sie den Bewohnern des Fliedner-Hauses nicht nur einen schönen und abwechslungsreichen Nachmittag beschert, sondern, so berichtet der Gesangverein, in dieser besonderen Situation auch bundesweit als erster Chor eine solche Aktion erfolgreich durchgeführt. Die Sänger haben damit bewiesen, dass bei angemessener Berücksichtigung der gesetzlichen Verordnungen und unter Einhaltung höchster Disziplin vieles auch in solchen Zeiten möglich ist. Voraussetzung hierfür sei der Zusammenhalt in der Vereinsfamilie. Denn am Anfang war die Idee, dann muss der Auftritt organisiert werden und letztlich brauche es Sänger, unter diesen Umständen mitmachen und alles korrekt umsetzen.

Und auch sonst hat sich die Chor-Familie auf die neue Lage eingestellt: Im Mai startete der GV Teutonia einen eigenen YouTube Kanal, und jeden Donnerstag um 19 Uhr lädt man zum Online-Stammtisch.