Feudenheim

Feudenheim Ausstellungsvernissage im Kulturtreff

Das Dorf war „schon immer anders“

Bescheidene 1300 Einwohner hatte Feudenheim um 1800. Die Lebenswelt der Feudenheimer unterschied sich stark von dem benachbarten Mannheim, wo der Kurpfälzer Hof residierte. Eine Ausstellung im Kulturtreff Feudenheim präsentiert die Ergebnisse eines Kooperationsprojekts des Historischen Instituts der Universität Mannheim, „Geschichte vor Ort“ und des Vereins für Ortsgeschichte Feudenheim.

Christine Schäfer vom Kulturtreff begrüßte die zahlreichen Gäste bei der Vernissage, darunter auch die Stadträtinnen Christine Schöning-Kalender (SPD) und Birgit Reinemund (FDP) sowie den früheren Rektor der Hochschule Mannheim, Dietmar von Hoyningen-Huene. Schäfer hoffte, „dass die Kooperation eine Fortsetzung findet und die Ausstellung einiges Publikum nach sich zieht“.

Gemeinsam Projekt umgesetzt

Verlegerin Barbara Waldkirch vom Verein für Ortsgeschichte nannte das Projekt „ein schaumgeborenes, wie Aphrodite aus einem Urquell entstandenes“. Bei einer Veranstaltung habe sie den Institutsleiter kennengelernt und ihm erzählt, dass Feudenheim dabei sei, seine Geschichte aufzuarbeiten. Daraus habe sich die Idee entwickelt, etwas gemeinsam zu machen. Der Vereinsvorsitzender Alois Putzer habe den Studierenden den Verein und seine Arbeit nähergebracht und auch die Topographie erklärte. „Es gab viele Aufgaben, die schließlich in diese Ausstellung mündeten“, so Waldkirch. Sie dankte Christine Schäfer, die bereit gewesen sei, den Raum im Kulturtreff für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen.

Kleine Geschichten prägen den Ort

Wie die Dozenten Benedikt Bego-Ghina und Kira Keßler erklärten, dominiere in der Geschichtsschreibung der Stadt Mannheim die Residenz im 18. Jahrhundert. Doch auch jenseits der Residenz habe es ein durchaus eigenständiges Leben gegeben. Dieses sei in den sogenannten Amtsbüchern von Feudenheim festgehalten, die im Marchivum liegen und Aufschluss über Alltägliches und Außergewöhnliches im Dorf Feudenheim geben.

Prägend seien die kleinen Geschichten gewesen im Dorf, Feudenheim war eine Gemeinde, die zahlreiche Aufgaben selbständig regelte, Viele davon betrafen die Landwirtschaft. Doch das bedeutete keineswegs eine Idylle, wie ein Eintrag im Amtsbuch über die Rechtsprechung belegt: „Samuel Bohrmann fürt die beschwehrnde Anzeige, dass ihme sein Klee nächtlicher Weil entwendet (….). Der hierüber vernohmene Knecht Niclas Glock gestehet ein, dass er nicht mehr als dieses eintzige Mahl Klee entwendet habe.“

Die Ausstellung beleuchtet neben der Rechtsprechung unter anderem auch die dörfliche Verwaltung, die Rechtsprechung, die Landwirtschaft und auch den Militärdienst der Feudenheimer. -ost-