Feudenheim

Feudenheim Madeleine Sauveur und Clemens Maria Kitschen gastieren in der Kulturkirche

Das Nasentrompetensolo

Archivartikel

Eine alte Grantlerin, ausgestattet mit Kopftuch, Mantel und Regenschirm, betritt die Epiphaniaskirche und beschwert sich über alles, was ihr auffällt: „Da sind noch Plätze frei!“, motzt sie, verlangt einen Intelligenztest für das Publikum und stellt unverschämte Fragen: „Sie haben große Füße, sind Sie im Kindergarten gehänselt worden?“ Alles klar: Madeleine Saveur mimt in der Kulturkirche wieder einmal die mürrische Seniorin.

Weniger mürrisch am Klavier wartet Clemens Maria Kitschen auf seinen Einsatz. „Ich freue mich auf die Demenz, da sitzt jeden Abend ein anderer am Klavier“, meint die Grantlerin und singt locker flockig „Schieß mich auf den Mond“ zur Melodie von „Fly Me to the Moon“ – und zwar mit Nasentrompentensolo (Nase zuhalten und einfach lostrompeten). Dafür bekommt die mürrische Dame Applaus, obwohl sie nicht gerade nett zum Publikum war. Schließlich legt sie die Verkleidung ab und ist wieder Madeleine Sauveur. „So mürrisch will keiner werden“, stellt sie fest.

Neuer Mann statt neuer Schuhe

„Hin und weg – der Mann bleibt da“, so lautet das Programm der Musikkabarettistin, bei dem es darum geht, aus dem Alltag auszubrechen und etwas komplett Neues anzufangen, natürlich mit bissigem Humor. „Sie brauchen Abwechslung? Kaufen Sie sich sechs Paar Schuhe, aber vielleicht würde ein neuer Mann reichen.“ Und wie reiste man früher? „Ich saß bei meiner Mutter vorne auf dem Schoß, der Vater am Steuer rauchte Roth-Händle.“ Das Auto war eine Renault Dauphine, „und sie war so unzuverlässig. Der VW Käfer dagegen, das war der Uwe Seeler der deutschen Autobahn.“ Das Fazit, mal ganz ohne Ironie und bissigem Humor: Für das Gedächtnis zählt nicht die Wahrheit, denn „trotz Reisekrankheit hatte man Erinnerungen an schöne Ferien.“ Und das passende Lied zum Thema Reisen, „Blau ist die See an schönen Tagen“, will auch nicht bissig sein, sondern einfach nur Fernweh hervorrufen.

Doch wenn es ums Thema Plastikmüll geht, darf es wieder bissig sein: „Plastik braucht 500 Jahre, bis es sich zersetzt. Wenn Luther seine 95 Thesen in Klarsichthüllen an die Tür genagelt hätte, hätten noch heute die Kanalratten in Wittenberg Plastik in sich.“ Ein tolles Programm, vom Publikum dankbar gefeiert. kge