Feudenheim

Feudenheim Piano und Cello erklingen in der Epiphaniaskirche

Deutsch-Spanischer Liederabend

Archivartikel

Er war 18 Jahre bei den Berliner Philharmonikern – von 1958 bis 1976 – , damals noch unter Dirigent Herbert von Karajan. Und doch zieht es Cellist Wolfgang Boettcher immer wieder zu Gastkonzerten nach Feudenheim. Der Grund: seine Schwester Ursula Trede-Boettcher ist Kantorin in der Evangelischen Kirchengemeinde und stellt für Epiphanias schon seit Jahren ein anspruchsvolles Musikprogramm auf die Beine. „Deutsches und Spanisches“ lautete der Titel, unter dem die Geschwister jetzt ein rund 100-minütiges Konzert zum Besten gaben.

Momentan feiert die Klassik-Welt ein Karajan-Jubiläumsjahr in Bezug auf den großen Orchesterleiter, dessen Geburtstag sich vor wenigen Tagen zum 110. Mal jährte. „Wir hatten eine wunderbare und unvergessliche Zeit mit ihm. Karajan hat mit uns gut gearbeitet“, blickte Wolfgang Boettcher zurück. Mit dem Mendelssohn-Bartholdy-Werk „Variations concertantes opus 17“, das helle und positiv stimmende Klänge versprühte, stieg der profilierte Cellist in Klavierbegleitung seiner Schwester in das Konzert ein.

Im Gegenzug erklang die folgende Nummer „Sonate E-Moll opus 38“ von Komponist Johannes Brahms dunkel grundiert mit einem tiefen Grollen aus dem hölzernen Cello. Wie eine musikalische Unterhaltung ganz ohne Worte wirkte das gemeinsame Konzert zwischen Schwester und Bruder im gedämpften Kirchenlicht. Nach der Intonation des mehrsätzigen Werkes von Brahms ließ Pianistin Ursula Trede-Boettcher, die an einem schwarzen Steinway-Flügel saß, entspannt die Arme sinken. „Der Steinway-Flügel gehört der Musikhochschule, befindet sich jedoch dauerhaft hier in der Kirchengemeinde Epiphanias“, erklärte sie.

Warum gestaltete das Künstlerpaar Boettcher ein spanisches Konzert? „Wir haben beide eine spanische Urgroßmutter. Leider hat sie uns nicht die Sprache vererbt. Aber es gibt schöne spanische Stücke“, kommentierte Moderator Wolfgang Boettcher. Aus fünf Sätzen setzt sich die „Suite Populaire Espagnole“ des spanischen Komponisten Manuel De Falla (1876-1946) zusammen. Es ist ein temperamentvoll nach vorne stürmendes Werk voll südländischer Lebensfreude. Anschließend stimmte das Geschwisterpaar „Spanischer Garten“, eine Uraufführung, der Komponistin Yoko Nakamura, und „Tango Botticello“ von Tonsetzer Eginhard Teichmann an.

Gedrosseltes Tempo

Mit diesen beiden zeitgenössischen Komponisten verbindet Cellist Wolfgang Boettcher eine innige Freundschaft, darum saß Kollege Eginhard Teichmann in der Epiphaniaskirche auch aufmerksam zuhörend im Publikum. Im Tempo gedrosselt ließ das Duo die Tasten und Saiten verklingen, um wieder in voller Dynamik auszubrechen.

In Bezug auf die „Spanischen Tänze“ von David Popper, die das Geschwister-Duo anschließend intonierte, erklärte Wolfgang Boettcher: „Ein großer Meister, der um die Jahrhundertwende lebte und das Cello-Spiel vorangetrieben hat.“ Darüber hinaus erklangen die Stücke „Pampeana Nr. 2“ und „Rhapsodie op. 21“ von Alberto Ginastera. Nach dem Auftritt suchten Bekannte, Freunde und ehemalige Schüler in einem Nebenraum der Kirche das herzliche Gespräch mit Cello-Spieler Wolfgang Boettcher. hfm