Feudenheim

Feudenheim Interessengruppe will Abriss des Prinz Max-Saals Alternativen entgegensetzen / Am Donnerstag erster Gedankenaustausch in der Wartburg

„Ein Juwel, das erhalten bleiben muss“

Sie wollen den altehrwürdigen Prinz Max erhalten und suchen nach Mitstreitern. Motiviert durch das Vorbild in Wallstadt, wo sich zuletzt breiter Widerstand gegen Schließungspläne des Katholischen Gemeindezentrums regte (wir berichteten), hat sich eine Gruppe von Feudenheimern um die Präsidentin der Feudenheimer Frauenfasnacht, Irmi Benz, zusammengefunden. Am Donnerstag ist ein Info-Abend in der Wartburg. „Wir wollen ins Gespräch kommen, Alternativen aufzeigen und schauen, ob es weitere Feudenheimer gibt, die unser Anliegen unterstützen“, erklärt Harry Tröndle.

Dabei schien der Abriss des Prinz Max längst beschlossene Sache. Die Katholische Kirchengemeinde hatte noch unter Pfarrer Lukas Glocker im Zuge ihrer Gebäudeoptimierung den Komplex in der Hauptstraße 33 als zu marode eingestuft und einen Neubau auf dem Freigelände der katholischen Kindertagesstätte Arche Noah in der Scharnhorststraße initiiert. Aktuell laufen Verkaufsverhandlungen mit der Evangelischen Kirchengemeinde, die plant, auf dem Prinz Max-Grundstück ein Gemeindezentrum mit Kindergarten zu errichten. Auch das Bonhoefferhaus soll in diesem Zuge abgerissen werden.

Aus Sicht von Altstadträtin Marianne Rohde würde ein Abriss beider Gemeindesäle bedeuten, dass es keine Begegnungs- und Veranstaltungsstätte im Ortszentrum von Feudenheim mehr gibt. „Die Mitglieder der Katholischen Pfarrgemeinde verlieren dann einen Ort, der Generationen von Gemeindemitgliedern Identifikation und Heimat war und ist“, bedauert Gerhard Hitter, Ehrenpräsident der Narrebloos Prinz Max und ehemaliger Pfarr- und Stiftungsrat von St. Peter und Paul. Irmi Benz befürchtet, dass ein ersatzloses Verschwinden des Prinz Max das Aus für die Frauenfasnacht bedeuten würde. „Wenn das Bonhoefferhaus auch noch abgerissen wird, gibt es für uns nichts anderes mehr“, sagt sie. Man müsste andernorts einen Saal anmieten.

Auch die DJK wäre betroffen. „Unsere Seniorengymnastik weicht jetzt schon in die Unterkirche aus“, berichtet Judith Weiß-Diehl, aber dort sei man wegen der empfindlichen Fußbodens eher unerwünscht. Für sie ist der Prinz Max „ein Juwel, das erhalten bleiben muss.“ Auch Verlegerin und Vorstandsmitglied im Verein Stadtbild e.V., Barbara Waldkirch, zählt zu den Unterstützern. „Das Gebäude gehört zur Ortsgeschichte Feudenheims und zur Identität der Hauptstraße“, sagt sie.

Dachstuhl in Top-Zustand

Stuckateur-Sachverständiger Achim Bauer und Architekt Thomas Baier haben sich den Prinz Max genau angeschaut und festgestellt, dass er gar nicht so marode ist wie allgemeinhin behauptet wurde. „Es gibt Sanierungsbedarf im Bereich der Sanitäranlagen und der Haustechnik“, stellt Bauer fest. Der Keller im vorderen Gebäudebereich sei aber trocken, der Dachstuhl befinde sich in Top-Zustand. Bauer bedauert sehr, dass der Denkmalschutz für das im 19. Jahrhundert errichtete Gebäude aufgehoben wurde. Er erinnert sich: „Als 1987 bis 1989 das Treppenhaus saniert wurde, war der Denkmalschutz ein Riesenthema.“ Nach Einschätzung Bauers existieren noch einige Gebäudeteile im Originalzustand zumindest der 1920er Jahre. Dazu gehört das Gurtgesims an der Fassade und im Inneren die Stuckdecken und Fenster mit Doppelverglasung sowie die Gedenktafel, die an die im 1. Weltkrieg gefallenen jungen Männer erinnert.

Im Zuge der Verkaufsverhandlungen über den Grundstückserwerb, hat die Evangelische Kirchengemeinde (EKMA) Bodenuntersuchungen auf dem Gelände zwischen Haupt- und Eberbacher Straße sowie am Prinz-Max-Gebäude durchführen lassen, die bezüglich der Bodenbeschaffenheit schlechte Ergebnisse zu Tage förderten. „Es war ja bekannt, dass es sich um einen schwierigen Baugrund handelt“, heißt es dazu im aktuellen Gemeindebrief. Aber mit einem derartig schlechten Ergebnis habe man nicht gerechnet. Nach einem längeren Stillstand seien auch erneut Setzungen im Bereich der Johanneskirche aufgetaucht. Deswegen könnten alle Baumaßnahmen, wie zum Beispiel der Abriss von Gebäuden oder Tiefbauarbeiten für eine Tiefgarage, nur unter stark erschwerten Bedingungen durchgeführt werden.

Die EKMA rechnet bei alledem mit „einer deutlichen Überschreitung der vorgesehenen Neubaukosten“. Deshalb habe die Bauabteilung zusammen mit dem Wettbewerbsarchitekten von Bau Eins eine Bearbeitung der Baupläne vorgenommen und die geänderten Entwürfe mit dem Fachbereich Stadtplanung vorbesprochen. Die Ergebnisse dieser Beratungen sollen in den nächsten Tagen der Gemeindeleitung vorgestellt werden. Mit Hinweis auf die laufenden Verkaufsverhandlungen ist die EKMA derzeit nicht zur einer Stellungnahme bereit.

Den Initiatoren von „Rettet den Prinz“ ist wichtig, gemeinsam mit der Katholischen Kirchengemeinde – auch im ökumenischen Schulterschluss – nach Alternativlösungen zu schauen. Achim Bauer sieht zwei Voraussetzungen als gegeben: „Man braucht ein Nutzungskonzept und professionelle Betreuung.“