Feudenheim

Feudenheim Spaziergang mit Experten über den Friedhof / Besucher von der Vielfalt der Natur beeindruckt

Eine stille Allee mit seltenen Baumarten

Friedhöfe bergen oft über lange Zeit Geheimnisse. Jetzt erfuhren interessierte Besucher einiges an Verborgenem und etliche Kuriositäten bei einem Spaziergang über den Feudenheimer Friedhof. Der „Herr über die Friedhofsbäume“, Baumexperte Tobias Schüpferling, erklärte in seiner unnachahmlichen Art in Zusammenarbeit mit Gärtnermeister Bernhard Welker und dem Verein für Ortsgeschichte so manche Besonderheit, die es auf dem Feudenheimer Friedhof zu sehen gibt.

Fast fünf Hektar Fläche

Der Friedhof wurde 1870 angelegt und ist heute rund 4,6 Hektar groß. Überall stehen Bäume, insgesamt sind es laut Schüpferling 686. Ganz verschiedene Arten gibt es dort zu sehen. „Die Hauptalleen werden vom Spitzahorn bestimmt“, so Schüpferling. Diese Bäume seien in aller Regel zwischen 60 und 80 Jahre alt. Da die Bäume teilweise sehr nahe an den Gräbern stehen, werden vor allem die Wurzeln verletzt, wenn jemand bestattet wird. „95 Prozent der Bäume haben Wurzelverletzungen“, so der Experte. Die entstehen, wenn mit dem Bagger die Erde ausgehoben wird. Dabei werden Wurzeln abgerissen und verletzt. „Die Wundheilung dieser Bäume schreitet sehr langsam voran“, erklärte Schüperling. Gleichzeitig würden damit Pforten für Schädlinge wie Pilze oder Insekten geschaffen. Daher sei es wichtig, alle Bäume regelmäßig genau zu kontrollieren.

Ein Hilfsmittel sei ein Kataster, in dem jeder Baum erfasst ist und in das alle Maßnahmen eingetragen werden, die an dem Gewächs erfolgten. So könne jederzeit nachvollzogen werden, wann Äste abgeschnitten wurden, um beispielsweise die Stabilität eines seltenen Exemplares zu bewahren. Ziel sei immer, den Baum so lange wie möglich zu erhalten. Erst wenn zum Beispiel Pilze die Oberhand gewinnen, müsste ein solcher Riese radikal zurückgeschnitten oder gar entfernt werden.

Das zeigte Schüpferling am Beispiel einer Blutbuche. Die sei zunächst immer wieder beschnitten worden, bis praktisch nur noch der Stamm übrigblieb. Da dies gleichzeitig eine Gefahr für den in der Nähe stehenden Grabstein darstellte, musste auch dieser wieder instand gesetzt werden. An einem Zuckerahorn (Acer saccharum) erklärte Schüpferling, dass V-Zwiesel ungünstig seien, U-Zwiesel dagegen von Vorteil, weil diese das Gewicht der großen Äste besser ausgleichen. Der Baum selbst war von einem Pilz, einem Riesenporling, befallen, was eigentlich sein Todesurteil sei. Aber mit Hilfe einer dynamischen Kronensicherung könne der Baum noch eine Weile gehalten werden, so der Experte.

Weiß- und Braunfäulen seien es, die die Bäume befallen und nach und nach das Holz zerstörten. Pappeln seien besonders anfällig für Pilzbefall. Zusätzlich würden Misteln diese Art schwächen. Nach und nach werde diese Baumart daher durch andere ersetzt.

Auf dem Spaziergang lernten die Besucher viele Baumarten kennen, wie etwa Rosskastanie, Robinie oder Traubenkirsche. Aber auch japanischer Schnurbaum (Styphnolobium japonicum), Essigbaum (Rhus typhina), türkischer Hasel (Corylus colurna) oder Judasbaum (Cercis siliquastrum) finden sich auf dem Feudenheimer Friedhof. An einem Amberbaum (Liquidambar styraciflua) erklärte Schüpferling, wie Jungbäume mit einem Pfahlgerüst und weißer Farbe vor Wind und Sonneneinstrahlung geschützt werden.

Sequoias und Thujen

Neben Laubbäumen finden sich auch Urweltmammutbäume (Metasequoia glyptostroboides), Riesenmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) oder Kiefern und Thujen auf dem Gelände. So wurde die fast vierstündige Tour zu einem Spaziergang durch die gesamte Baumgeschichte. „Das war sehr aufschlussreich und kurzweilig“, stellte Teilnehmer Rainer Fischer fest. „Die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Hier hat jeder etwas mitgenommen, weil es so verständlich erklärt wurde“, ergänzte Matthias Wehner. Von allen Teilnehmern gab es viel Beifall.