Feudenheim

Feudenheim Ulrich Westermann liest aus Herbstneuheiten

Einzelschicksale und Weltenbrüche

Für ihre Reihe „Herbstnovitäten“ stellte Barbara Schlosser in diesem Jahr vier Novellen vor, die sie im Vorfeld auf der Frankfurter Buchmesse aus all den Neuerscheinungen ausgewählt hatte. Für ihre Auswahl legte die Inhaberin des Feuenheimer Buchladens großen Wert auf einen gegenwartsnahen Inhalt des Buches, der jedoch nicht immer leicht verdaulich sein kann und muss. Im Rahmen einer Lesung stellt sie dann ihre Auswahl einer interessierten Leserschaft vor und konnte für eine, der Kunst gerechten Rezitation, erneut den Schauspieler Ulrich Westermann gewinnen.

„Es wird ein langer Abend werden“, versprach Ulrich Westermann bereits zum Auftakt seinen Zuhörern im ausverkauften Kulturtreff des Stadtteils, denn jedes Buch sei so toll, dass es alleine einen Abend füllen könne.

Wie erlebt ein kleiner Junge seine Kindheit in Heidelberg, wenn die (alleinerziehende) Mutter Deutsche ist und der „nichtexistierende“ Vater Schwarzafrikaner war? Mit dieser Frage und den damit einhergehenden Erfahrungen befasst sich Ijoma Mangold in seiner autobiografischen Geschichte „Das Deutsche Krokodil“. In vielen Anekdoten führt er seinen Leser in eine Epoche zurück, in der die Weltoffenheit in Deutschland noch in ihren Kinderschuhen steckte.

Im Gegensatz dazu zeigte die zweite Neuvorstellung an diesem Abend das Abbild einer globalisierten Gesellschaft auf. Die französische Dramatikerin Yasmina Reza nimmt in ihrem ebenso komischen wie tiefernsten Roman „Babylon“ das zeitgenössische Bürgertum aufs Korn. „Im Herzen der Gewalt“ beschreibt hingegen ein Einzelschicksal. Der erst 24-jährige Autor Edouard Louis schildert darin eindringlich (s)eine Vergewaltigung, schreibt von den vergeblichen Versuchen, die körperlichen und seelischen Spuren zu beseitigen und das Erlebte zu verdrängen.

In seinem Roman „Tyll“ führt Daniel Kehlmann seine Leser in die Zeit des 30-jährigen Krieges und mithin in eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Dennoch obliegt der Kunst hier eine unsichtbare Macht über die Menschen. Ulrich Westermann stellte exemplarisch dafür das erste Kapitel daraus vor, das gleichsam die Rahmenhandlung des gesamten Buches widerspiegelt. bab