Feudenheim

Feudenheim Mit dem Verein für Ortsgeschichte über die Maulbeerinsel / Hier züchtete Kurfürst Carl Theodor einst Seidenraupen

Erinnerung an die frühere Rennbahn

Archivartikel

Jahrhundertelang war der Neckar ein wildes Gewässer, das sich vor zehntausend Jahren durch die von der Eiszeit hochgeschobene Dünenkette des Odenwaldes einen Durchbruch grub und nach vielen Verlagerungen schließlich die Landschaft von Feudenheim prägte. Doch der Neckar war unberechenbar, trat nicht selten über die Ufer und überschwemmte die Auen. Vor allem der Schifffahrt bereitete er Sorgen, bis die Stadt Mannheim eingriff, ihn zunächst begradigte und dann seine Wasser mit einem Kanal bändigte. Folglich entstand eine Insel, die heute zu einem beliebten Naherholungsgebiet und manchem Verein zum Domizil geworden ist.

Die Maulbeerinsel, benannt nach der Anpflanzung von Maulbeerbäumen, mit denen Kurfürst Carl Theodor und später auch Großherzogin Stephanie von Baden eine Seidenraupenzucht betreiben wollte (leider vergeblich), hat ihre ganz eigene Geschichte. Alois Putzer, Vorsitzender des Feudenheimer Vereins für Ortsgeschichte, lud nun zu einer Führung über den östlichen Teil der Insel ein und bereitete mit seinem fundierten Wissen den gut hundert Besuchern einen höchst informativen Nachmittag.

Für viele der älteren Führungsteilnehmer wurden Erinnerungen wach: an den 24. Juli 1927 etwa, als erstmals das Wasser in den neuen Neckarkanal strömte; an die Zeit der Pioniere, die ihre Kaserne hier aufschlugen, einen Pionierhafen am Neckar anlegten und die Insel zum Sperrgebiet erklärten; an die Jahre nach Abzug der Pioniere, deren betonierte Strecken für weithin bekannte Radrennen genutzt wurden. Auch ein Motorcross-Rennen wurde hier veranstaltet: „Rauf und runter am Kanal entlang mit ausbalancierendem Beiwagen durch Schlamm und Kies“, begeisterte sich Alois Putzer, der in Feudenheim aufgewachsen ist und noch heute im Ort lebt.

Fähre 1640 erstmals erwähnt

Am ursprünglichen Neckarfluss begann Putzers Führung. Dort, wo einst mangels fester Brücke die Fähre verkehrte, zog er einen weiten Bogen von der geologischen Bedeutung der Neckarauen bis hin zur heutigen Entwicklung. Die Fähre, die bereits 1640 erstmals erwähnt wurde, gehörte nahezu 500 Jahre lang zum wichtigsten Verkehrsmittel der Feudenheimer. Sie brachte die Bauern zu ihren Feldern nach Neuostheim, das lange Zeit zur Feudenheimer Gemarkung gehörte. Und sie half bei Hochwasser und überschwemmten Wegen in Feudenheim, den Milchtransport nach Mannheim über die hochgelegene Heidelberger Chaussee aufrecht zu erhalten.

Der Bau des Neckarkanals in den 1920er Jahren half nicht nur, den oftmaligen Überschwemmungen der Felder und Auen Herr zu werden, er ermöglichte überdies eine Nutzung für die Schifffahrt, die sich vom Pferde- und Menschenkraft-gezogenen Treideln über die kettengezogenen Dampfer bis zu den motorbetriebenen riesigen Schleppern entwickelt hat. Eng mit dem Kanal war der Bau der Feudenheimer Schleuse und des Wasserkraftwerks verbunden: 1921 erhielt die Neckar AG den Auftrag, den Wildfluss zur Großschifffahrtsstraße auszubauen. Dafür erhielt sie das Recht, die Wasserkraft (bis 2034) zu nutzen.

So pumpen Tag und Nacht Kaplanturbinen mit Getöse das Wasser des Kanals in den zehn Meter tiefer gelegenen Neckar und erzeugen in ihren Generatoren Strom, der ganz Feudenheim versorgen könnte. Laut Schautafel am Kraftwerksplatz werden hier jährlich 34 Gigawatt Strom erzeugt, die den Verbrauch von rund 7000 modernen Haushalten decken. Zusammen mit der Leistung der weiteren 26 Wasserkraftwerke, die am Neckarkanal zwischen Mannheim und Plochingen stehen, wird sauberer Strom erzeugt, der den Bedarf von 350 000 Personen abdeckt.

Neben dem Wassersportverein und dem Pferdehof von Ulli Schaubert hat sich auf der Maulbeerinsel ein Verein niedergelassen, der der Faszination der nordamerikanischen Ureinwohner erlegen ist: der Indian Osagen Club versucht hier, in seinem Camp, die Wildwest-Romantik möglichst authentisch zu beleben. An jedem letzten Wochenende im Juni öffnen sie ihre Tore und gewähren einen Einblick in ihre Zelte mit Werkstätten, Schmiede und Festplätze.