Feudenheim

Feudenheim Kulturkirche Epiphanias zeigt bis 5. Mai etwa 100 Arbeiten von Carolus Vocke

Erinnerung an umfangreiches Werk eines vielseitigen Künstlers

Archivartikel

Rund 100 sakrale Arbeiten, Porträts, Landschaftsbilder und Stillleben – Zeichnungen des Künstlers Carolus Vocke hat der Verein für Ortsgeschichte Feudenheim zusammengetragen und in der Epiphaniaskirche in der Andreas-Hofer-Straße ausgestellt. Mit einem Gottesdienst, den Pfarrerin Dorothee Löhr zusammen mit dem Männergesangverein Teutonia und dem neuen Pfarrer auf Probe, Michael Weber, gestaltete, wurde diese Ausstellung eröffnet.

Sie gestattet einen umfangreichen Blick auf das vielgestaltige Schaffen des Künstlers. So war der Abschlussgesang des Chors „Oh happy day“ sicher mehr als nur ein Lied. Es sollte auf die bevorstehende Ausstellung hinweisen.

Vocke lebte von 1899, geboren in Heilbronn, bis 1979, als er in Mannheim verstarb. Alle ausgestellten Werke sind Leihgaben. „Alle Exponate befinden sich im Privatbesitz und werden am Ende der Ausstellung wieder zurückgegeben“, betonte der Vorsitzende des Vereins für Ortsgeschichte, Alois Putzer. Leihgeber sind Peter Gauch, die Familie Linnebach, Monika Riester, Bine Stoll, Gregor Svoboda, Michael Vorbeck und Matthias Wehner.

Ein Teil der ausgestellten Objekte befindet sich im Besitz des Vereins für Ortsgeschichte. Bereits im Vorjahr stellte er Werke im Vereinsheim aus, die sich vor allem um Karikaturen des Malers, Bildhauers, Grafikers, Karikaturisten und Restaurators drehten. „So mancher Feudenheimer kennt vielleicht den Carolus-Vocke-Ring, von dem Künstler selbst hat er bestimmt nur wenig erfahren. Wir wollen mit der Ausstellung an das umfangreiche Werk des Künstlers erinnern“, so Putzer.

Decken im Barockschloss gestaltet

Das Hauptwerk Vockes ist sicherlich die Ausmalung des Rittersaales, des Roten Saales, des Haupt-Treppenhauses und der Schlosskirche, vor allem der Deckengemälde, im Mannheimer Barockschloss. An diesem Gesamtwerk arbeitete Vocke – mittlerweile wohnte er in Feudenheim – von 1955 bis 1961. „Vor allem die sakralen Bilder der unmittelbaren Nachkriegszeit atmen noch die dunklen, leidvollen Eindrücke der erlebten Kriegsjahre und sind geprägt von den Gräueln des Krieges und von der bitteren Nachkriegszeit. Die Gesichter der dargestellten Personen tragen harte Züge, geprägt von Not und Elend. Da diese Bilder voller Symbolik sind und eine ausführliche Erläuterung benötigen, werden wir darauf in verschiedenen Kurzvorträgen im Rahmen der Führungen in den nächsten Wochen eingehen“, unterstrich der Vorsitzende Putzer.

Vocke war im Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten und wurde ins Lager Mühlau bei Tuttlingen eingewiesen. Bereits während seiner Internierung verschaffte er sich als Maler die Anerkennung der französischen Militärverwaltung. Sie beauftragte ihn, ein großes Altarbild und den Kreuzweg für die Lagerkirche in Tuttlingen (1964 abgerissen) zu malen. Vor allem die sakralen Werke stecken voller Symbolik und sind für sich allein schwer verständlich. Zum Beispiel malte Vocke das Triptychon der Lagerkirche 1956 auf ausgedienten französischen Munitionskisten.

Weniger ernst sind Karikaturen unter dem Titel „Es brennt“, bei denen der Künstler durch den Aufsatz eines siebenjährigen Zweitklässlers angeregt wurde. Der sicher nicht ganz ernst gemeinte Text dazu: „Es brennt, die Feuerwehr kommt, die Leiter ist zu kurz, das Haus ist zu hoch. Was macht die Feuerwehr? Sie wartet, bis das Haus soweit abgebrannt ist und die Leiter passt.“ Unter den Porträts befindet sich auch ein 1967 gemaltes Bild des damaligen, von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback.

1963/64 gestaltete Vocke Wandbilder des Gartensaals in der ehemaligen Sommerresidenz von Papst Innozenz XI. am Comer See. „Vocke hat mehrere Tausend Bilder gemalt. Wir können nur eine kleine Auswahl zeigen“, bedauerte Putzer. 1962 schuf Vocke ein Sgraffito am Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus in Feudenheim, das nicht mehr als Original erhalten ist, weil schon wenige Jahre später die obersten Gipsschichten abblätterten.