Feudenheim

Feudenheim „Das hässliche Entlein“ als Ein-Frau-Stück

Fieses Mobbing im Enten-Teich

Im Bonhoefferhaus ist eine Art Bühne aufgebaut, kreisrund und blau, die an einen Teich erinnert. Die ideale Umgebung für ein junges Schwanenküken, das friedlich zwischen Schwänen aufwachsen kann, die alle Widersacher prompt angiften. Doch im Märchen von Hans Christian Andersen läuft etwas komplett schief. Ein Schwanen-Ei landet im Nest einer Ente. Die Inszenierung kommt mit einer Person aus, die in sämtliche Rollen schlüpft. Maike Wehmeier ist die Entenmutter, das Entlein, die feindliche Außenwelt und die Erzählerin.

Inszeniert wurde das Stück mit dem Originaltext von Andersen bereits 2009 am Schnawwl, Regie führte die damalige Intendantin Andrea Gronemeyer, die im vergangenen Jahr das Kindertheater verlassen hat. Auch Maike Wehmeier war sechs Jahre lang beim Schnawwl engagiert und arbeitet nun als freie Schauspielerin und Regisseurin. Nach Feudenheim geholt hat das Stück für Kinder im Grundschulalter das Team der Feudenheimer Kultur-Events.

Die Geschichte beginnt mit der Ente, die brütend auf ihrem Nest sitzt. Viele kleine Enten sind bereits geschlüpft, doch das größte Ei will und will nicht aufspringen. Doch schließlich ist es soweit, und ein Junges schlüpft heraus, das „groß und garstig“ ist. Die Mutter hält es für eine Pute, doch als das Küken seine Schwimmtauglichkeit unter Beweis stellt, akzeptiert sie es. Hier könnte das Märchen enden, wäre da nicht die feindliche Außenwelt, die sich ein Mobbing-Opfer sucht. Das Entlein wird gepiesackt von allem, was Federn und Flügel hat, sogar die Magd, welche die Tiere füttert, tritt nach ihm. Der Ärger wird so groß, dass sich auch die Mutter schließlich wünscht, das Entlein würde verschwinden. Das tut es – und seine Situation wird noch schlimmer. Es gerät in eine Gänsejagd, friert im See fest, wird von Bauernkindern gejagt.

Spiegelbild ändert alles

Im Frühling erblickt es weiße „königliche Vögel“, die es bewundert. Es sieht sein Spiegelbild im Wasser – und von einem Moment auf den anderen ist sein Leid beendet. Das Märchen ist originell, mit wenigen Requisiten inszeniert. Zum Beispiel sind zwei Kissen in der ersten Szene das Entennest, in einer späteren nutzt die Erzählerin die Ecken der Kissen, um die beiden Gänse darzustellen, die der Jagd zum Opfer fallen. Es braucht keine komplette Kostümierung, um eine Geschichte zu erzählen.

Und wenn Wehmeier in der Schlussszene mit einem einfachen weißen Tuch den ausgewachsenen Schwan spielt, wissen auch die Kinder, worum es geht. „Wir haben schon Pläne für das nächste Kinderstück, das wir im Frühjahr nach Feudenheim in die Kulturhalle holen werden“, sagt Rahel Mangold von den Kultur-Events, „Es wird die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor.“ Kge