Feudenheim

Feudenheim Anschaulicher Vortrag zur Stadtgeschichte von Bettina Franke und Volker Keller im Kulturtreff

Franzosen haben Spuren hinterlassen

Archivartikel

Der Elysée-Vertrag besiegelte 1963 die deutsch-französischen Freundschaftbeziehungen und förderte neben Partnerschaften zwischen Städten, Schulen und Universitäten auch die politischen Verhandlungen. Mannheim ging bereits 1959 die Partnerschaft zu Toulon ein, eröffnete ein Konsulat und 2015 auch ein Institut Francais. Doch die Eintracht zwischen Mannheimern und Franzosen wurde im Laufe der letzten Jahrhunderte nicht selten getrübt; das machten der Lokalhistoriker Volker Keller und die Schauspielerin Bettina Franke in einer Lesung im Kulturtreff deutlich.

Gewürzt mit kleinen Anekdoten, Auszügen aus alten Protokollen und veranschaulicht durch Lichtbilder, nahmen die beiden Referenten die vielen Besucher mit auf einen informativen Streifzug durch die französisch inspirierte Mannheimer Stadtgeschichte. Die Weltoffenheit der Kurfürsten (zunächst Karl Ludwig, dann Carl Philipp und schließlich Carl Theodor), deren Bemühungen, „tatkräftige Menschen aus allen ehrlichen Nationen“ anzusiedeln, ließ Mannheim seit dem 17. Jahrhundert zu einem multikulturellen Schmelztigel aufsteigen. Die unmittelbare Nähe der Grande Nation begünstigte vor allem die Franzosen, die in den industriestarken Quadraten Arbeit fanden, der Kunst und Wissenschaft frönten, aus religiösen oder revolutionären Gründen Schutz suchten.

Ankunft der Wallonen

Ein Relief in B 2 erinnert an die Ankunft der Wallonen, die maßgeblich am Aufbau der Stadt beteiligt waren, eine calvinistische Kirche und eine französische Schule gründeten. Deutsche und französische Mitglieder hielten sich im Stadtrat die Waage, es wurde französisch parliert, französische Kunst und Kultur verbreitet. Als Pioniere des Unternehmertums nannte Volker Keller den Wallonen Jean de Chaine, der 1780 die Eichbaumbrauerei eröffnete; auch die einmalige Werkssiedlung der Spiegelfabrik war eine Niederlassung der französischen Compagnie Saint-Gobain Glass.

Unvergessen ist auch der Naturaliensammler Cosimo Alessandro Collini. Als Sekretär des französischen Philosophen Voltaire, mit dem Carl Theodor regen Kontakt pflegte, kam er 1760 an den Hof des Kurfürsten. Der Heiratspolitik des Adels fiel vor allem Liselotte von der Pfalz (1652-1722) zum Opfer. Während sie als Schwägerin des Sonnenkönigs in Frankreich größtenteils unglücklich lebte und für den Pfälzer Erbfolgekrieg verantwortlich gemacht wurde, konnte sich Stephanie Beauharnais (1789-1860) in Mannheim der Gartengestaltung widmen. Als Adoptivtochter Napoleons stieg sie in den Adelsstand auf und war zwischen Politikern und Gelehrten eine graziöse Gesellschafterin.

So sehr die Mannheimer unter den französisch geführten Kriegen (Erbfolgekrieg, Napoleonische Kriege) gelitten haben, so sehr drehte sich im Ersten und Zweiten Weltkrieg der Spieß um. Französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter bevölkerten die Quadrate . Die Vichy-Regierung kolaborierte mit dem Nazi-Regime.

Es waren gute und schlechte Perioden, die hier mit den Franzosen nach Mannheim kamen. Reliefs an Häusern, Ehrenmale auf Friedhöfen, Straßennamen und nicht zuletzt die französich geprägte Umgangssprache berichten vom Einfluss aus dem nahen Nachbarland.

Der Vortrag von Volker Keller und Bettina Franke soll wegen der großen Nachfrage wiederholt werden: Im Oktober im Institut Francais (C4), im September im Kulturtreff (Hauptstraße 52a).