Feudenheim

Feudenheim Ausstellung in der Kulturkirche Epiphanias über Volksbibeln zeigt, dass Luther nicht der Erste war, der die Bibel übersetzte

Für Gottes Wort dem Volk aufs Maul geschaut

Martin Luther hat die Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Das weiß spätestens im Reformationsjubiläumsjahr jeder. Doch wie sah das in anderen Ländern aus? Wann wurden dort Bibeln in der Landessprache gedruckt und welche Konsequenzen hatte dies für die Übersetzer? Bei einer Ausstellung zum Thema Volksbibeln in der Feudenheimer Epiphaniaskirche kann man dieser Fragestellung auf den Grund gehen.

"Luther hatte Glück, er hatte einen Landesvater, der ihn schützte", erklärte Pfarrerin Dorothee Löhr während des Aufbaus der Vitrinen. Doch solch ein Glück hatten nicht alle Bibelübersetzer. In der ersten Vitrine liegen englische Volksbibeln aus, darunter auch Faksimile-Ausgaben der Tyndale-Bibeln. Im Original gibt es von dem kleinen, mit farbigen Schmuckbildern verzierten Buch nur noch drei Exemplare weltweit. William Tyndale musste aus England nach Deutschland fliehen, um seine Bibelübersetzung fertig zu stellen. Doch auch in Köln wurde er verraten, so dass es weiter nach Worms ging. Dort fand er Unterschlupf, bis er erneut verraten wurde. Weiter ging es nach Antwerpen, wo ihn englische Spitzel aufstöberten und auf den Scheiterhaufen brachten. Doch inzwischen war seine Volksbibel gedruckt worden und im Jahr 1526 mit 6000 Exemplaren verbreitet worden. Genau wie Martin Luther hat auch William Tyndale "dem Volk aufs Maul geschaut" und in seiner Übersetzung eine kraftvolle, volksnahe Sprache gewählt. Seine Bibel beeinflusste die Werke Shakespeares und hat bis heute großen Einfluss auf die englische Sprache.

Die Diskussion, die Heilige Schrift in der Volkssprache herauszugeben, fand zeitgleich in fast ganz Europa statt. "Viele Bibeln sind nicht in ihrem Heimatland erschienen. Die Spanische Bibel beispielsweise wurde in der Schweiz gedruckt", erklärte Herbert Kempf, der die Bibeln zusammengetragen und die Ausstellung konzipiert hat. Martin Luther war bei weitem nicht der Erste, der das Buch der Bücher auch dem gemeinen Volk zugänglich machen wollte. Bereits 1477 erschien die so genannte "Delfter Bibel", ein Vorläufer der Reformation. Auch die Waldenser-Bibel aus Italien ist vor-reformatorisch, ebenso die Kuttenberger Bibel aus Tschechien.

In vielen Ländern - so auch in Deutschland - war die Bibelübersetzung sprachbildend. Erst die Bibel hat für eine einheitliche Sprache und deren Verbreitung gesorgt. Dass in vielen Ländern aber auch Menschen wegen der Übersetzung der Bibel verfolgt wurden und sogar ihr Leben ließen, beeindruckt Dorothee Löhr. "Heute käme keiner mehr auf die Idee, eine Übersetzung zu verbieten", sinniert die Pfarrerin.