Feudenheim

Feudenheim Am Sonntag eröffnet der erste Teil der Ausstellung zu Carolus Vocke im Domizil des Vereins für Ortsgeschichte

Gemälde und humorvolle Skizzen

Archivartikel

Er hat weit über 4000 Gemälde, Zeichnungen und Karikaturen gemalt und galt zu Lebzeiten als bedeutender Kunstmaler und Bildhauer: Carolus Vocke (1899-1979). Ihm widmet der Verein für Ortsgeschichte Feudenheim jetzt im September und im Frühjahr 2019 eine Ausstellung in zwei Teilen. Vernissage ist am Sonntag, 9. September im schmucken Vereinshaus in der Eintrachtstraße 26. Der erste Teil zeigt Vockes bedeutende Arbeiten im Mannheimer Schloss und seine Karikaturen.

Karikaturen als Ausgleich

Beides ist untrennbar miteinander verbunden, denn Carolus Vocke schuf während der Neuschöpfung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Asam-Deckengemälde im Mannheimer Schloss offenbar einen geistigen und künstlerischen Ausgleich, indem er unzählige Karikaturen und Skizzen zeichnete. Aus einer Notiz vom 13. Mai 1958 wird er wie folgt zitiert: „Dieses Buch ist ein Sammelsurium von zufälligen Skizzen, Karikaturen – Geschichten-Einfällen, die nur um nicht verloren zu gehen in dieses Buch eingeklebt wurden später einmal ’Anregung’ zu sein für lustige Geschichten, die zu schreiben ich hoffe noch Zeit zu haben.“

Oft greift Vocke in seinen Karikaturen militärische Motive auf oder nimmt uniformierte Amtspersonen auf die Schippe. Die Geschichte von David gegen Goliath verkehrt er ins Gegenteil und lässt den Riesen gewinnen, der David mehr oder weniger aus Versehen aufspießt. Etliche Porträtzeichnungen und Karikaturen hat Vocke auch seinem Freundeskreis gewidmet. Zu Lebzeiten sah er sich deshalb eher als Karikaturist und zu sehr auf seine monumentalen Deckengemälde reduziert.

Gleichwohl sind diese seine eindruckvollste künstlerische Leistung. Bevor Vocke 1957 nach Mannheim kam, hatte er sich bereits als Maler großflächiger Wandbilder einen Namen gemacht. Schon 1948 während seiner französischen Kriegsgefangenschaft hatte er im Auftrag der französischen Lagerleitung ein großes Altarbild und den Kreuzweg in der Lagerkirche Tuttlingen gemalt. 1947 malte er in elf Metern Größe die Apokalypse des Johannes an der Chorwand der Kirche in Überlingen-Lippertsreute. Weitere Wandbilder entstanden zwischen 1947 und 1964 in Ravensburg, Frankfurt, Berlin, Stuttgart, Laszago, Beuron und Meersburg.

In Mannheim erhielt Carolus Vocke – auf Betreiben des Oberregierungsbaudirektors Karl Kölmel und des Regierungsbaudirektors Ernst Throm – den Auftrag, die von Cosmas Damian Asam geschaffenen Deckengemälde des Mannheimer Schlosses und der Schlosskirche wiederherzustellen. Von den Gemälden lagen lediglich noch Schwarz-Weiß-Fotos vor. Vocke unternahm deshalb umfangreiche Farbstudien anhand von Asam-Gemälden in der Klosterkirche in Weingarten. Die von ihm gezeichneten Kartonentwürfe mussten im Rittersaal auf die gewölbte Decke projiziert werden.

Die Ausstellung in der Eintrachtstraße zeigt den Entstehungsprozess und sogar eine im Original erhaltene Farbpalette Vockes. Zu der Ausstellung ist eine Festschrift erschienen. Peter Gauch, Helen und Gerhard Linnebach, Alois Putzer, Gregor Svoboda, Michael Vorbeck und Matthias Wehner haben eine Auswahl von Bildern aus ihrem Privatbesitz zur Ausstellung beigesteuert. Sie geht bis zum 30. September.