Feudenheim

Feudenheim Beim Rundgang über die jüdischen Friedhöfe klärt sich auch die Frage, warum beide die Zeit des Nationalsozialismus unbeschadet überstanden haben

„Grabsteine sind alle im Original erhalten“

Archivartikel

Zu einem Rundgang mit Besichtigung der beiden jüdischen Friedhöfe hatte die CDU Feudenheim eingeladen. „Wir veranstalten seit 2010 nun schon unsere Rundgänge, parallel zum Verein für Ortsgeschichte. Zweimal im Jahr gibt es Führungen, Thema war zum Beispiel schon mal die sieben Hügel“, sagte Alexander Fleck, Ortsvorsitzender der CDU Feudenheim. Von der Synagoge in der Neckarstraße sei nichts mehr zu sehen, dafür aber von den beiden Friedhöfen.

Männer nur mit Kopfbedeckung

Das Interesse an der Führung war groß, 57 Leute hatten sich am Friedhofseingang in der Talstraße eingefunden, die Herren mit Kopfbedeckung, denn so ist es Brauch bei m Besuch von jüdischen Friedhöfen. Von der Baseball-Kappe bis zur Skimütze war alles dabei, auch das Original, die Kippa. Für Hutlose hatte Fleck Reserve-Kippas dabei. Der Vortrag begann auf dem neueren Friedhof, der ab 1900 genutzt wurde. „Warum haben die Feudenheimer Friedhöfe die NS-Zeit überstanden?“, lautete die Einstiegsfrage, gestellt von Markus Enzenauer vom MARCHIVUM, ehemals Stadtarchiv Mannheim. Der Historiker arbeitet gerade an einer Promotion über die Ilvesheimer Juden, bei den Feudenheimern kennt er sich ebenfalls aus. Doch bevor er die Ausgangsfrage beantwortete, ging es zurück zu den Anfängen. „Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zur Ansiedlung von Juden in der Kurpfalz, nachdem der damalige Kurfürst aus dem niederländischen Exil zurückgekehrt war“, erläuterte Enzenauer.

Manche Namen tauchten schon in alten Dokumenten der Kurpfalz auf. In Feudenheim gibt es Nachweise erst ab 1775, resultierend aus einer Volkszählung. Die jüdische Bevölkerung wuchs, im Jahre 1800 kam der Wunsch nach einer Synagoge auf, diese wurde 1819 erbaut. Ab 1827 gehörte Feudenheim zum Rabbinatsbezirk Ladenburg, ein Rabbi war für viele Gemeinden zuständig.

Bevor der erste Friedhof 1854 in der Scheffelstraße entstand, wurden die Toten im Verbandsfriedhof Hemsbach bestattet, den es seit 1674 gibt. Die Schrift auf den Grabsteinen des Hemsbacher Friedhofes ist oft schon verwittert, teilweise aber noch lesbar. Es konnten 27 Feudenheimer Namen nachgewiesen werden.

Warum es in Feudenheim gleich zwei Friedhöfe gibt, ist schnell erklärt. Im Judentum darf eine Grabstätte nur einmal belegt werden. Ist dies nicht machbar, werden Schichtgräber errichtet, wie auf dem Friedhof Ölberg in Jerusalem. In Feudenheim dagegen wich man auf ein Gelände neben dem christlichen Friedhof in der Talstraße aus. Dieser wurde genutzt bis 1939. „Die Grabsteine sind alle im Original erhalten. Die Inschriften sind oft auf Hebräisch, aber auch auf Deutsch, und die Daten sind in christlicher Zeitrechnung. Das geht mit der Assimilation einher“, sagte Enzenauer und beantwortete schließlich auch die Eingangsfrage: „Dass die beiden Friedhöfe nicht zerstört wurden, hat einen simplen Grund: Bürokratie. Es gab keine so genannte reichseinheitliche Regelung, die es erlaubt hätte, die Friedhöfe zu schließen.“ Kge