Feudenheim

Feudenheim Sigrid Kiessling-Rossmann zeigte im Kulturtreff ihr ganzes Repertoire als Aquarellkünstlerin

Hafentristesse und die flirrende Hitze Siziliens

Er ist der Inbegriff für die neu erwachende Natur und auch für das Aufatmen der Menschen nach einem tristen Winter: Der Frühling weckt Assoziationen von aufblühenden Blumen und Bäumen, von aufsprießendem frischem Grün unter den wärmenden Strahlen der Sonne. Den Duft dieser Jahreszeit im Bild festzuhalten, ist ein Unterfangen, dem sich die Künstlerin Sigrid Kiessling-Rossmann gestellt hat. Unter dem Titel „Der Duft des Frühlings“ zeigte sie jetzt ihre Aquarell-Malereien im Kulturtreff Feudenheim.

Wer explodierende Farben und sonnendurchflutete Landschaften erwartete, der musste enttäuscht werden. Die Werke der Seckenheimer Künstlerin zeigen sich eher farblich zurückhaltend, geben aber gerade deshalb den zarten Aufbruch neuen Lebens wider. Nur am Rande stehen ihre duftigen Blumenarrangements: strahlend rote Hagebutten neben ihren zartrosa Wildrosenblüten, ein in rosé-weiß gehaltenes Bouquet im rustikalen Tontopf oder orange-gelbe Anemonen mit sanftem Blattgrün. Alle sind sie meisterhaft ins Bild drapiert („wie Samt und Seide“).

Über einer Flusslandschaft liegt der letzte Morgennebel und lässt einen sonnigen Tag erahnen, während sich im südlichen Hafen zwei Ruderboote wie zu einem innigen Gespräch aneinanderschmiegen („Zweisamkeit“).

Bilder machen Lust aufs Reisen

Mehr noch aber sind hier Motive aus Ortschaften zu sehen, Bilder, die Lust aufs Reisen machen oder die Augen öffnen für die Schönheiten unserer unmittelbaren Umgebung. Unverkennbar lädt das Heidelberger Stadttor zum Bummel durch die Altstadt und über die Alte Neckarbrücke ein, unverkennbar auch der Mannheimer Industriehafen mit den aufragenden Lastkränen und den übereinandergestapelten Containern.

Demgegenüber stehen die italienischen Häuserfluchten, zwischen denen sich eine flirrende Hitze auszubreiten scheint („Sizilien“, „Venedig“). Doch die Künstlerin beschränkt sich nicht nur auf gegenständliche Malerei, sie wandert auch ins Abstrakte, wie einige Landschaften in dieser Ausstellung zeigen. Bemerkenswert ist das „Magische Licht“, das wie am Ende einer Schlucht zu Hoffnung und Lebensmut winkt.

Sigrid Kiessling-Rossmann malt gerne vor Ort. Ihre Bilder spiegeln zwangsläufig die jeweiligen Stimmungen wider. Besonders in ihrer Serie des Mannheimer Hafens wechseln sich graue Tristesse mit heiterer Fröhlichkeit ab und beweisen, wie meisterhaft die Künstlerin die Aquarelltechnik beherrscht. Diese werde vielfach unterschätzt, weiß sie, und beklagt deren Vernachlässigung in Kunstausstellungen.

Doch Sigrid Kiessling-Rossmann konzentriert sich nicht nur auf diese Technik. Sie beschäftigt sich mit Holzschnitten, Monotypien, Fotografie und Acrylmalerei. In Kursen, Workshops und auf Malreisen gibt sie ihr Wissen weiter. cha