Feudenheim

Feudenheim Aus dem Vorort stammender Unternehmer möchte katholisches Gemeindehaus „Prinz Max“ kaufen

„Ich will den Saal erhalten“

Für das Katholische Gemeindehaus „Prinz Max“ in der Feudenheimer Hauptstraße, das die Kirche abstoßen will, steht ein privater Käufer parat. Er hat sein Angebot jetzt offiziell abgeschickt – an die Pfälzer Katholische Kirchenschaffnei in Heidelberg als Verwalterin aller katholischen Liegenschaften in Nordbaden. Darin bietet er für das von etwa 1875 stammende Gebäude genau die 709 000 Euro, die zuletzt mit der Evangelischen Kirche ausgehandelt waren, ehe die im Mai 2018 dann doch wieder von ihren Kaufabsichten Abstand nahm (wir berichteten).

Schon zur Fasnachtszeit hatte die Initiative „Rettet den Prinz Max“ um die Vorsitzende der Feudenheimer Frauenfasnacht, Irmi Benz, von einem möglichen privaten Investor gesprochen – doch wer es ist, blieb stets offen. Seinen Namen will er vorerst auch weiter nicht nennen, doch gegenüber dem „MM“ gab er sich jetzt zu erkennen.

Früher Pfarrjugendleiter

1971 geboren, kam er im Alter von fünf Jahren nach Feudenheim, ging hier zur Schule. Lange war er Pfarrjugendleiter und Lagerleiter für die Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, hat daher eine emotionale Bindung an den „Prinz Max“. „Ich habe mich früher gerne für die Kirche engagiert und möchte das jetzt wieder tun“, sagte er gegenüber dem „MM“. Derzeit lebt er zwar in der Nähe von Baden-Baden, wo er seit einigen Jahren Gesellschafter und Geschäftsführer eines weltweit tätigen Medizintechnik-Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern ist. Er hat aber noch Verwandtschaft in Feudenheim.

„Es geht nicht, dass man ständig alles abreißt, was alt ist. Ich bin weiter in Feudenheim verwurzelt und sehe es als sinnstiftendes Thema, hier und jetzt etwas zu tun und zu helfen“, so der Unternehmer. Daher wolle er der Kirche das Gebäude abkaufen, damit es nicht verlorengehe.

Seine Vorstellung ist, den von 1964 stammenden alten Kindergarten und die kleineren Anbauten abzureißen und im hinteren Teil des Grundstücks Wohnungen zu bauen. Er könne sich auch vorstellen, selbst dort zu wohnen. Den vorderen, historischen Teil des Gebäudes wolle er stehenlassen und sanieren. „Ich will den Saal erhalten“, so der Unternehmer: „Ich finde, er ist wichtig für das Gemeindeleben der katholischen Kirche, aber auch darüber hinaus für andere Vereine, für Eigentümerversammlungen, für private Feiern, einfach als Begegnungsstätte für den Stadtteil“, sagte er. Mit etwa 200 Plätze habe er „genau die ideale Größe für viele Veranstaltungen“, die derzeit in dem Stadtteil fehle, da die Kulturhalle dafür zu groß oder ausgebucht sei.

Trägerverein für die Vermietung

Als Träger, der die Vermietungen abwickelt, wünscht er sich die Gründung eines Vereins, für den die bestehende Initiative eine Keimzelle sein könne. Die Mietkosten sollte nur die laufenden Aufwendungen für den Erhalt und die Reinigung der Räume decken: „Ich mache das nicht mit Gewinnerzielungsabsicht“, versicherte er. Detailliertere Pläne wolle er dann ausarbeiten lassen und als Bauvoranfrage bei der Stadt einreichen, wenn er eine Zusage der Kirche habe. „Ehe Kosten anfallen, hätte ich gerne Klarheit, ob der Weg gangbar ist“, so der Unternehmer. Es sei „letztlich für die Kirche eine gute Möglichkeit, allen gerecht zu werden, weil das Gebäude erhalten wird, sie es aber nicht mehr aufrechterhalten muss“, argumentiert er.

Darüber freut sich auch Irmi Benz. Allein von Mai bis Ende Juli 2018 hatte die von ihr geführte Initiative „Rettet den Prinz Max“ 2227 Unterschriften für den Erhalt des traditionsreichen Gebäudes gesammelt. In jedem Fall werde die Initiative weiter für den Erhalt kämpfen. „Es ist doch gut, wenn jemand da ist, der das Haus für die Allgemeinheit erhalten möchte“, so Irmi Benz. Man sei „gespannt, ob die Kirche zustimmt oder größtmöglichen Profit ziehen möchte“ – sprich nun einen höheren Verkaufspreis erzielen will als einst vereinbart.

Die 709 000 Euro waren mit der Evangelischen Kirche verabredet worden, die dort – anstelle des Bonhoefferhauses – Kindergarten und Gemeindehaus bauen wollte. Der Betrag beruhte auf einem Gutachten zum Verkehrswert des Grundstücks. Nachdem sie die Abrisskosten berechnet hatten, wollte die Evangelische Kirche diese vom vereinbarten Preis abziehen. Dadurch kam der Verkauf nicht zustande. Die Pfarrei wollte das Gelände dann am freien Markt gegen Gebot offerieren. Die Frist dafür läuft bis 15. Mai.