Feudenheim

Feudenheim Lange Nacht der Musik zugunsten der Aktion Jemen-Hilfe verbindet musikalische und sportliche Darbietungen

Jugendlicher Schwung durch Hip-Hop

Archivartikel

Draußen vor der Kulturkirche Epiphanias verkaufte ein Stand, hinter dem die beiden Helferinnen Fee Buchta und Serafine Leverkus von der Konfirmationsgruppe an der Kasse saßen, selbstgemachte Schafsmilch-Seife und Kekse in stilisierte Schafsform. Im Gotteshauses demonstrierten derweil etliche Musiker, Rhetoriker, HipHop-Tänzerinnen und Kampfsportler ihr kunstfertiges Können, zum Beispiel Geschichtenerzähler Julius Becker, der auf der Kanzel das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ der Gebrüder Grimm vortrug, musikalisch begleitet von der Flötengruppe „Flaute cantabile“.

Zur Langen Nacht der Musik der evangelischen Gemeinde Feudenheim durften sich im Rahmen des Gemeindefestes wieder zahlreiche Künstler in der Kulturkirche entfalten. Diesmal stand die Lange Nacht unter dem Motto „Von Wolle und Schafen“. Während über eine Leinwand dazugehörige Zeichnungen der Geschichte „Schneeweißchen und Rosenrot“ wanderten, ließ Märchenerzähler Julius Becker die darin auftauchenden Figuren lebendig werden, etwa den knorrigen Zwerg, der sich mit seinem weißen Rauschebart in einem Baumstamm verfängt. „Ich lese ganz oft in der Kirche etwas vor“, erklärte Märchenerzähler Becker hinterher. „Ich schreibe auch selbst Gedichte und Büttenreden. Meistens handeln meine Gedichte von was Lustigem“, schilderte der 14-Jährige, der neunte Klasse der Feudenheim-Realschule besucht. Er hilft dabei, die aktuelle Konfirmationsgruppe zu betreuen.

„Du bist mein Zufluchtsort“

Zuvor hatten der Kinder- und der Johanneschor unter Leitung von Dirigentin Claudia Stein, die am schwarzen Steinway-Flügel begleitete und als Kantorin die Veranstaltung leitete, mit Liedern wie „Vom Anfang bis zum Ende“, „Einfach spitze, dass du da bist“ und „Du bist mein Zufluchtsort“ den abwechslungsreichen Reigen dieser „Langen Nacht“ eröffnet.

In einer Ecke der schummrig beleuchteten Kulturkirche, rechts des Altars, saß Ursula Goldberger an ihrem Spinnrad und drehte fleißig Schafswolle, als Kunstperformance in Bezug auf das diesjährige Motto. „Das habe ich vor 15 Jahren in einem Kurs gelernt“, erläuterte die 55-Jährige. „Die Schafswolle habe ich auf dem Bauernmarkt im Herzogenriedpark gekauft“, erzählte sie und betonte: „Das ist ein modernes Spinnrad, kein historisches. Ich webe nicht – ich stricke“. Beruflich ist Ursula Goldberger Assistentin eines Institutsdirektors an der medizinischen Fakultät in Mannheim.

Für jugendlichen Schwung sorgten die drei HipHop-Tanzgruppen Boom Bam Pow Crew, Culture Moves und Culture StepZ aus dem Jugendhaus Herzogenried und der Jugendarbeit in der Schwetzingerstadt. Zum agilen Tanzensemble Culture Moves gehört Tänzerin Daciana Groza, die in Rumänien geboren wurde. „Meine Mutter und ich sind vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen“, erzählte sie. „Meine Mutter arbeitet als Erzieherin, in Rumänien verdient man in diesem Beruf weniger als in Deutschland.“

Später flimmerten schwarz-weiße Bilder des Stummfilms „Die Reise zum Mond“ aus dem Jahre 1902 über die Videoleinwand. Dazu stimmte Christiane Michel-Ostertun an der Kirchenorgel passende Filmmusik an. „The Kid von Charlie Chaplin ist mein Lieblingsstummfilm – mit dem habe ich angefangen“, erinnerte sich die Organistin, die an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford unterrichtet. Spektakulär geriet anschließend der virtuose Kampftanz einer Viet Vo Dao-Gruppe des ASV. Die Spenden und der Erlös aus der Langen Nacht gehen an den Förderverein Aktion Jemen-Hilfe.