Feudenheim

Feudenheim Verein für Ortsgeschichte erinnert mit einer Ausstellung an den großartigen Kunstmaler Carolus Vocke

Karikaturen als Ausgleich für harte Arbeit

Er war unermüdlich tätig und hat in seinem 80-jährigen Leben mehrere tausend Werke geschaffen: Der Künstler Carolus Vocke, geboren 1899 in Heilbronn, gestorben 1979 in Mannheim-Feudenheim, galt in Fachkreisen eher als Barockmaler, der die Wände und Decken zahlreicher christlicher und profaner Bauten ausmalte und die zerstörten Gemälde vieler Schlösser und Kirchen wiederherstellte. Doch Carolus Vocke war mehr als ein begnadeter Restaurator und sensibler Erneuerer barocker Ausschmückungen, darauf weist eine Ausstellung hin, die der Feudenheimer Verein für Ortsgeschichte initiiert hat und die noch bis Ende September geöffnet ist.

Identität und Heimatgefühl

Bei strahlendem Sonnenschein konnte nun der Vorsitzende Professor Alois Putzer im Hof des Vereins in der Eintrachtstraße 26 rund 150 Besucher begrüßen – unter ihnen auch die Stadträte Claudia Schöning-Kalender, Thomas Hornung und Bernd Kupfer, vor allem aber den Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel. Als Schirmherr der Ausstellung würdigte dieser die wertvolle Arbeit des Vereins. Mit dessen Bemühung, die Vergangenheit des Ortes und seine wichtigen Bewohner in Erinnerung zu rufen, fördere er die Identität und das Heimatgefühl.

Ohne Carolus Vocke gäbe es das Mannheimer Schloss so nicht, betonte der Abgeordnete. Fast 80 Prozent der Innenstadt sei im Zweiten Weltkrieg zerstört gewesen und Carolus Vocke habe an vielen Wiederaufbauprojekten mitgearbeitet.

„Zum Glück war das Schloss von den Amerikaners besetzt, es wäre sonst abgerissen worden“, wusste Alois Putzer und schilderte den kräftezehrenden Auftrag, den der Kunstmaler erhielt, um den Ritter-, Kaiser- und Roten Saal, den Treppenaufgang und die Schlosskirche nach den ursprünglichen Gemälden des Cosmas Damian Asam zu rekonstruieren. Alles war zerstört, wie Fotos in der Ausstellung zeigen, und Vocke konnte sich nur auf schwarz-weiß-Aufnahmen stützen. Für Asam-identische Farbproben war er extra nach England gefahren, für die Zusammensetzung waren chemische Untersuchungen erforderlich, damit die Farben der aggressiven Luft Mannheims standhalten.

15 Jahre lang hat Carolus Vocke an diesem Projekt gearbeitet, hat mitunter täglich elf Stunden auf hoher Leiter mit dem Kopf im Nacken und erhobenen Armen gemalt – noch mit über 70 Jahren.

Carolus Vocke war ein äußerst vielseitiger Mensch, wie auch diese Ausstellung zeigt. Neben der ernsthaften monumentalen Arbeit in Schlössern, Kirchen und Rathäusern schuf er einige wenige Skulpturen, aber viele Aquarelle, Ölbilder von Landschaften und Stillleben. Vor allem aber zeichnete er. Wo immer er saß, hielt er seine Beobachtungen in Karikaturen fest und wenn es nur auf Servietten war. Niemals wollte er ausschließlich als Barockmaler gelten, sondern zeigen, dass er nicht nur alte Meister „imitieren“ konnte, sondern eigene Ideen und kritische Gedanken in Werke kleiden konnte. Das tat er in seinen Karikaturen, die womöglich dem Ausgleich zur anstrengenden Restaurationsarbeit dienten, aber auch Genugtuung waren, seinem Geist freien Lauf zu lassen. In einer Notiz in seinem Skizzenbuch schrieb Vocke vom „Trost und der Gewissheit, dass die eigene Phantasie lebendig blieb“.

Anlehnung an Dali und Busch

Köstliche Karikaturen sind in dieser Ausstellung zu sehen, die den feinen und manchmal skurrilen Humor des Künstlers beweisen. Alle erzählen sie Geschichten, oftmals in mehreren Bildern, die mit von ihm kommentierenden Texten historische oder persönliche Begebenheiten auf die Schippe nehmen: Da geht es in köstlichen Zeichnungen um die „schwere Geburt“ des Süd-West-Staates, bei der sich Badener und Württemberger einen Machtkampf liefern Da findet man Don Quijote, der den Abbildungen von Salvatore Dali enorm ähnlich sieht, eine andere Karikatur erinnert an den Lehrer Lempe aus Wilhelm Buschs Erzählungen.

Da geht es um Konzerte, die von einem jubelndem Publikum aus Hühnern gefeiert werden oder um einen von Gänsen umgebenen Stadtrat. Nachdenklich stimmen Vockes Darstellungen über Uniformträger und Obrigkeiten ebenso wie seine Kommentare zum Menschen-vernichtenden Krieg und zur Sachwert-erhaltenden Neutronenbombe.