Feudenheim

Feudenheim „Lieblingsstücke“ von Böhm und Bieringer

Lieder voller Freud und Leid

Ein vielbeachteter, durch Engagements weit gereister Bariton trifft auf einen sensiblen Kapellmeister und Kirchenmusiker, der ihn bei großen Opernproduktionen am Klavier begleitet. Auf die anfängliche Zusammenarbeit am Pfalztheater Kaiserslautern folgen dann nicht nur weitere Liederabende und Arienkonzerte, sondern auch die Erkenntnis einer liebenswerten Gemeinsamkeit.

Der Mannheimer Bariton Daniel Böhm und der Karlsruher Pianist Markus Bieringer haben in der unerschöpflichen Musikwelt Werke entdeckt, die ihnen beiden besonders am Herzen liegen. Mit diesen „Lieblingsstücken“ füllten sie nun einen Abend in der Feudenheimer Kulturkirche Epiphanias und erfreuten die vielen Besucher mit einem bunten Melodienreigen aus Liederzyklen, Opern, Operetten und Musicals.

Unterschiedlichste Stimmungen

Es war ein äußerst vielgestaltiges Konzert, in dem Kompositionen aus vier Jahrhunderten erklangen und die unterschiedlichsten Stimmungen über den Kirchenraum legten. Pure Romantik wehte mit Beethovens Liederzyklus aus dem Jahr 1816 entgegen, in dem er sechs sehnsuchtsvolle Gedichte von Alois Jeitteles „An die ferne Geliebte“ so inniglich vertonte.

So viele geheimnisvolle Vermutungen über die Identität der „Geliebten“ angestellt wurden, so sehr versuchten Historiker die drei berühmten Gedichte zu deuten, die Michelangelo verfasste: „Wohl denk ich oft an mein vergangnes Leben“, dichtete das Universalgenie, wusste „Alles endet, was entsteht, alles rings vergeht“ und sehnte sich aus seinem Jammertal nach dem Licht Gottes. Zutiefst dramatisch setzte der österreichische Komponist Hugo Wolf (1860 bis 1903) diese Verse in Musik um, und der kraftvolle, fast schmerzhaft tönende Bariton wurde vom düsteren, nachdenklichen Klang des Pianos davongetragen.

Doch dann wurden alle trüben Gedanken fortgefegt: Operngrößen wie Mozarts „Figaro“ (aus Figaros Hochzeit), Georges Bizets Stierfechter „Escamillo“ (aus Carmen) oder Rossinis „Taddeo“ (aus Die Italienerin in Algier) kamen nun in ihrer ganzen burlesken Komik zu Worte und ließen den ausführenden Sänger Daniel Böhm etwas wehmütig feststellen: „Als Bariton ist man meistens der Lustige.“

Aber bei den Lieblingsstücken im Musical dominierte seine Rolle als philosophierender Tevje („Anatevka“) oder als Qixotte („The Man of La Mancha“). Mit den beschwingten Melodien aus den revueartigen Operetten von Paul Lincke, Emmerich Kálmán und Frederik Loewe ging ein Abend mit zwei Künstlern zu Ende, die mit ihren meisterhaft präsentierten „Lieblingsstücken“ zu begeistern wissen. cha