Feudenheim

Feudenheim Bei strahlendem Sonnenschein feiern 30 000 Besucher den 66. Fasnachtszug – und die Stadtprinzessin

Miriam I. von allen bejubelt

„So voll war’s im letzten Jahr nicht“ – Werner Barth, Zugorganisator und -kommentator von der Bürgergemeinschaft, hatte beim Blick aus dem Trausaal im Rathaus ein breites Grinsen im Gesicht. Nach dunklen Wolken und Nieselregen im vergangenen Jahr lachte diesmal den Feudenheimern die Sonne. Rund 30 000 kleine und große Besucher jubelten den 55 Zugnummern von der Straße aus zu. „6 x 11 Johr uff de Gass“ lautete das Motto, das aber überstrahlt wurde von einem Ereignis: Stadtprinzessin Miriam I. war dabei. Sie ist Aktive der Narrebloos.

Deshalb nahm erstmals beim Feudenheimer Zug auch die Große Karnevalsgesellschaft Lindenhof, Grokageli, teil, die in ihrem 111. Jahr die Stadtprinzessin stellt. Und ihren Prinzen, Marcus I. vom Großen Feuerio, hatte Miriam auch gleich mitgebracht. Ein Heimspiel, das die 27-Jährige sichtlich genoss. Die Damen der Feudenheimer Frauen Fasnacht outeten sich als größter Fanclub. Unter dem Motto „Wir sind auch Prinzessin“ setzten sie sich alle ein Krönchen auf.

„Wir sind sehr stolz auf Miri“, sagte Ilonoa Kourschil. „Ich habe selten eine Prinzessin erlebt, die das auf der Bühne so locker rübergerockt hat.“ Aber Miriam sei ja auch schon mit vier Jahren auf der Bühne gestanden. „Wir waren alle ein bisschen Prinzessinnen-Mama“. Klar, dass sich Miriam vor Zugbeginn gemeinsam mit ihren „Fans“ ablichten ließ. „Schön, emotional und einzigartig“, beschreibt sie selbst ihre Kampagne. Da zündete sich der stolze Papa Thomas Frank als Co-Moderator des Zuges mit leichter Wehmut eine letzte Prinzessinnen-Zigarre an. Präsident Ingo Bauer bekommt heute noch eine Gänsehaut, wenn er an den minutenlangen rhythmischen Applaus des Publikums bei der ersten Narrebloos-Prunksitzung denkt.

Känguru Kurz mit leerem Beutel

Ganz vorne lief und fuhr erstmals die Bürgerinitiative Konversion mit. Mit ihrem Spruch „Große Sprünge – leere Beutel“ stellten die Familie Schaefer und Co. Oberbürgermeister Peter Kurz als großes Känguru dar. Die Kulturtreff-Vorsitzende Christine Schaefer hatte den Wagen künstlerisch verziert und das „Schwarze Loch Klinikum“, den „Buga-Sumpf“, das „Marode Theater“, die „Arme Multihalle“ und die „Collini-Ruine“ treffend skizziert. In Nostalgie schwelgten die Sänger des GV Teutonia, die unter dem Motto „In 66 Jahren sind die Teutonen immer mitgefahren“ auf einer großen Bilder-Zeitschiene an ihre schönsten Umzugsmotive erinnerten. Mit den Landfrauen als Bienchen, die Sportler vom ASV sowie Familie Gärtner vom Kleingartenverein zeigten weitere Feudenheimer Verein Flagge.

Ein ganz aktuelles Motto hatten sich die Männer von der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim einfallen lassen. „Fahrschd im Stau glei uff die Seit, brauche mir net mehr so viel Zeit“, wiesen sie auf die lebensrettende Notwendigkeit einer Rettungsgasse hin und symbolisierten auch gleich, wie diese bei zwei, drei und vier Spuren auszusehen hat. „Immer zwischen Daumen und Zeigefinger – wenn man Rechtshänder ist“, erklärte Markus Appel. Die Kollegen aus Ilvesheim hatten das Hochwasser zum Thema gemacht.

Unter dem Motto „Bunte Vielfalt – mittendrin statt nur dabei“ bildeten die Reha Südwest Regenbogen GmbH, Duba e.V. – Verein für soziale Hilfe und „Mannheimer Allerlei“ ein stattliche Fußgruppe von behinderten und nichtbehinderten Menschen. Erstmals als reine Fußgruppen waren die Wallstadter Gowe und der DJB Steuben dabei. Die Steuben, weil sie niemanden mehr finden, der ihren Motivwagen das ganze Jahr unterstellt, und die Gowe, weil sie den TÜV nicht mehr rechtzeitig abgenommen bekamen.

Letzteres beurteilten die Zugkommentatoren Werner Barth und Thomas Frank kritisch. „Wegen der Auflagen und der Kosten beim TÜV machen viele nicht mehr mit“, bedauerte Barth. „Sicherheit ist gut und wichtig, aber man muss es nicht übertreiben“, zumal man nicht alles verhindern könne, wie der Vorfall mit der Pferdekutsche beim Kölner Fasnachtszug gezeigt habe. „Die erhöhten Sicherheitsauflagen gehen sehr zu Lasten des Brauchtums“, gab auch Frank zu bedenken.

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