Feudenheim

Feudenheim Beschwingter Jahresbeginn mit dem Johann-Strauß-Orchester Kurpfalz bei der BDS-Neujahrsgala / 2008 von Helmut Linde initiiert

Musik-Perlen entlang der Donau

Bekannte Operettenmelodien, beschwingte Walzer- und Polkaklänge, rasante Salon- und Unterhaltungsmusik – schwungvoller könnte das Jahr 2018 nicht beginnen. Zum nunmehr elften Mal lud der Feudenheimer Bund der Selbständigen (BDS) zur Neujahrsgala in die Kulturhalle ein und gut 350 Gäste schmolzen bei dem meisterhaften Konzert des Johann-Strauß-Orchesters Kurpfalz zu einer großen Familie zusammen.

Seit dem ersten Neujahrskonzert, das Mannheims Buchhändler und Kunstmäzen Helmut Linde im Jahre 2008 auf die Beine stellte, ist aus dieser Gala eine Tradition geworden, die nicht nur vom BDS, sondern auch vom Johann-Strauß- Orchester mitgetragen wird. Frank Ringleb, der Gründer und Kontrabassist des Orchesters, bekannte sich offen zu dieser Tradition und führte nach alt bewährter ungezwungener Art mit informativen, aber auch humorvollen Assoziationen durch das Programm.

Johann Strauß (1825-1899), neben seinen Brüdern Eduard und Josef wohl der berühmteste Sohn des Seniors Johann Strauß, ist als Walzerkönig in die Geschichte eingegangen. Immerhin hat er rund 20 Operetten (vielfach im Wiener Milieu) und neben einem Ballett und einer Oper über 500 Walzer und Polken geschrieben. Nur eine Ahnung von dieser Schaffensfülle konnte hier geboten werden, beginnend mit der Gefühle-rührenden Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ bis hin zum atemberaubenden „Beschleunigungswalzer“, den er zum Auftakt eines Wiener Technikerballs schrieb. Bezeichnend aber sind seine Walzer der „Kuss-Walzer (aus der Operette „Der lustige Krieg“) oder das neckische Couplet aus „Der Fledermaus“. „Mein Herr Marquis“ sang und spielte die Sopranistin Heike Theresa Terjung in Vertretung der erkrankten Marie-Christine Haase das Kammermädchen Adele so lebendig, dass der charmante Orchesterleiter am Klavier, Wolfram Koloseus, völlig aus dem Takt kam.

Wunderschöne Melodien

Doch neben Strauß, Emerich Kalman und vielen anderen begeisterte vor allem Franz Lehár die Welt mit seinen Operetten. Seine mit ungarischer Seele komponierten Werke verlocken durch wunderschöne Melodien und Duette, die, wie hier, die Liebeserklärung des Grafen Gustav (Gustl) an Lisa aus dem „Land des Lächelns“ oder das kesse Duett der Hanna mit dem Grafen Danilo aus „Die lustige Witwe“ zu den Schönsten der Operettenwelt zählen.

Da kommt selbst Carl Zeller mit seinem Rosenbouquet im „Vogelhändler“ nicht mit, das hier gesanglich überreicht wurde. Mit dem wunderbaren Tenor Raphael Wittmer und seiner mal geschmeidig sanften, mal kraftvoll dominierenden Stimme hatte Heike Theresa Terjung einen meisterhaften Partner, der ihr dezent in den kleinen Pavillon folgte („Die lustige Witwe“) oder ihr charmant Rosen überreichte (Carl Zeller: „Der Vogelhändler“). Unvergesslich ist das Vilja-Lied der Hanna, mit dem sie in Lehárs Operette den Grafen Danilo aus der Reserve locken wollte: Wunderbar sang es hier die Sopranistin, die einfühlsam umrankt wurde vor den schmeichelnden virtuosen Bogenstrichen des Primas Sorin Strimbeanu.

Neben diesem langjährig engagierten ersten Geiger ragen auch Reinhard Phillip (Kontrafagott) und Robert Lovasich (Piccoloflöte) heraus. In der genialen Komposition des Henri Kling begeisterten sie mit einem heiteren Treiben zwischen einem Elefanten und einer Mücke, während der neue NTM-Solotrompeter ein bezeichnendes „Hokuspokus“ vollbrachte. Franz Pleyer, der Franzose Henri Kling und der Violonist Josef Hellmersberger rundeten das Programm ab, das mit Willy Berkings Erkennungsmelodie zu Kuhlenkampfs Fernesehsendung „Einer wird gewinnen“ in die Pause ging.

„Und wieder geht ein schöner Tag zuende“ – diesem Gerhard Winkler-Titel stimmten sicher alle Gäste zu. Ihr stehender Schlussapplaus huldigte einem phantastischen Orchester und einer Feudenheimer Tradition, die hoffentlich noch lange Jahre andauert.