Feudenheim

Feudenheim Kammerchor Cantabile beeindruckt mit einer „Bunten Messe“ / Insgesamt 60 Konzerte im Jahr

Musikalische Zeitreise vom Barock bis zur Romantik in der Kulturkirche

Archivartikel

„Sie haben sich vielleicht gefragt, was eine bunte Messe ist. Das ist kein Fachausdruck, sondern war lange der Arbeitstitel. Wir singen Choräle aus verschiedenen Epochen“, erklärte Dirigentin Christiane Michel-Ostertun. In der evangelischen Kulturkirche Epiphanias im Stadtteil Feudenheim fand ein Konzert unter der Überschrift „Eine bunte Messe“ mit dem Kammerchor Cantabile statt. Dabei reichte die dargebrachte Musik vom Barock bis zur Romantik und der Chor nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise.

Huldigung an den Ort

Zur Eröffnung des Konzerts interpretierten die Vokalkünstler eine Kyrie des Komponisten Orlando Di Lasso, der von 1532 bis 1594 gelebt hatte, mit einem anschließenden „Gloria“ des Tonsetzers Giovanni Gabrieli. Zwischen den Beiträgen führte Dirigentin Christiane Michel-Ostertun, die seit 2011 den Kammerchor Cantabile leitet, kenntnisreiche in die Geschichte der Lieder ein. „Das Stück bedeutet: Dieser Ort ist von Gott geschaffen. Das Stück kann man als Huldigung an unsere Epiphaniaskirche verstehen“, erläuterte Dirigentin Michel-Ostertun in Bezug auf die Nummer „Locus iste“ von Anton Bruckner.

In besonderem Maße stachen Fantasie und Fuge über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ der Komponistin Johanna Senfter sowie das Stück „Carillon de Westminster“ von Louis Vierne hervor, durch ungewöhnliche Harmonien, die aufhorchen ließen. Dafür stieg Dirigentin Michel-Ostertun auf die Empore, um diese beiden Nummern im Alleingang zu Gehör zu bringen. Die Komponistin Johanna Senfter, die im rheinhessischen Oppenheim am 11. August 1961 verstarb, musste zu einer Zeit leben, als Frauen in der Musikwelt kaum etabliert waren. „Johanna Senfter war eine Schülerin von Max Reger“, schilderte Dirigentin Christiane Michel-Ostertun, die selbst viel komponiert.

Mit dem Stück „Unser Vater in dem Himmel“ von Gottfried August Homilius senkte das Ensemble das Tempo ein wenig, vorgetragen mit geschmeidigen Stimmen. Außerdem intonierte der Laienchor noch die Stücke „Sanctus“ von Frank Martin, „Agnus Dei“ von Giacomo Puccini und „Dona Nobis Pacem“ von Johann Sebastian Bach, eine der berühmtesten Melodien der Musikgeschichte.

Mehr als 6000 Besucher

Nach dem Konzert hielt Harald Klüter, der Schriftführer des Vereins „Förderer von Epiphanias Feudenheim“, eine Ansprache. Er verwies auf insgesamt 60 Konzerte in der Epiphaniaskirche, die es 2019 gegeben habe. „Bei mehr als zwei Dritteln davon war der Eintritt frei – auf freiwilliger Spendenbasis. Es waren mehr als 6000 Menschen hier“, fasste Schriftführer Klüter zusammen.

Das kulturelle Programm in dem Gotteshaus gestalte sich niedrigschwellig, um allen Bürgern einen Kunst- und Kulturgenuss zu ermöglichen, basierend auf den drei grundsätzlichen Stichwörtern Liturgie, Kultur und Soziales der Kulturkirche Epiphanias. „Wir haben gerade zu Weihnachten eine neue Stiftung Musik an Epiphanias gegründet, mit einem Stiftungsvermögen“, verkündete Schriftführer Klüter. Somit stehen ereignisreiche Jahre bevor: Demnächst möchte die Gemeinde die Mann-Orgel von 1966 in der Epiphaniaskirche renovieren und einen Anbau für Proberäume und sanitäre Anlagen errichten.