Feudenheim

Feudenheim Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim mit eindrucksvoller Vorführung der Jugendlichen

Nachwuchs im Gefahrguteinsatz

Archivartikel

Die Feuerwehr löscht nur Feuer? Von wegen! Dass sie viel mehr macht und sie bereitwillig bei vielen Problemen hilft, hat die Freiwillige Feuerwehr Feudenheim bei ihrem Tag der offenen Tür demonstriert – mit einer eindrucksvollen Gefahrstoff-Übung der Jugendfeuerwehr.

Zwei Männer, dargestellt von den Jugendfeuerwehr-Betreuern Alexander Brosch und Manuel Hartung, werkeln im Keller. Plötzlich fällt ein Kanister um, farbige Flüssigkeit läuft aus. Beide Heimwerker wissen nicht so richtig, was sie tun sollen, werfen erst mal Tempo-Taschentücher auf die sich schnell bildende große Lache an Flüssigkeit. Das hilft nicht. . .

„Keine Schimpfe, keine Strafe“

Zunächst trauen sie sich nicht, Hilfe zu holen. „Aber von der Feuerwehr bekommt man keinen Ärger, keine Schimpfe, keine Strafe. Sie kommt zunächst einmal, um zu helfen“, erklärt Thorsten Becker von der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim, der die Übung erläutert und immer wieder allgemeine, leicht verständliche Informationen einflechtet. Und die Feuerwehr sei „nicht nur dazu da, Brände zu löschen“, ermuntert er gerade junge Zuhörer, auch bei anderen großen Schwierigkeiten den Notruf zu wählen.

Derweil ist die Jugendfeuerwehr in dem Keller, dargestellt auf der Theodor-Storm-Straße, angerückt. Gruppenführerin Hannah Gehrke gibt Anweisungen, zwei Jugendfeuerwehrleute legen sich Schutzanzüge an – nun ja, in diesem Fall sind es weiße Maleroveralls. „Die Jugendfeuerwehr wird bei uns, so weit es möglich ist, an die Realität herangeführt, damit ihre Mitglieder mit 18 Jahren auf Wunsch in die Einsatzmannschaft übertreten können“, erklärt Thorsten Becker dazu. Sie lerne dabei auch viel Teamarbeit, aber dürfe natürlich nicht überfordert werden. Daher gehts zur Gefahrgut-Übung, für die ohnehin nur Spülmittel ausgekippt wird, nicht im echten Schutzanzug und ohne Pressluftatmer. „Das wäre noch zu schwer für die Jugendlichen“, so Becker. Aber sonst agieren sie wie die Einsatzkräfte im Ernstfall: Sie prüfen anhand der Ziffernkombination auf dem orangenen Schild, um welchen Schadstoff es sich handelt, streuen die ausgelaufene Flüssigkeit mit Bindemittel ab (Becker: „Das wirkt wie Katzenstreu und saugt alles auf“), kehren das Material zusammen, transportieren alles in einem gesicherten Behälter ab.

Schließlich gilt es, dass die Feuerwehrleute sich nicht selbst gefährden, also keine Schadstoffspuren an der Kleidung zurückbleiben. Dazu muss eine Dekontamination erfolgen, eine Entgiftung. Dafür gibt es Spezialkräfte, doch die können und müssen nicht immer ausrücken. In dem Fall tut es also auch die kleinere Version. Also führen die Jugendlichen vor, wie sie mit einer Steckleiter und einer Plane ein kleines Becken bauen, dort die Säuberung vornehmen und schließlich das verschmutzte Wasser auffangen. „Wir wollen ja nicht, dass etwas davon in die Umwelt geht“, stellt Becker klar.

23 Jugendliche, darunter vier Mädchen, zählen derzeit zum Nachwuchs der von Abteilungskommandant Andreas Spatz und seinem Stellvertreter Michael Epp geführten Feuerwehr Feudenheim, rund 40 Aktive (darunter zwei Frauen) zur Einsatzmannschaft. Für die mündet der Tag der offenen Tür direkt in eine Bereitschaft. Wegen heftigem Sturm müssen sie nicht nur die aufwendige Ausstellung über den in Feudenheim aufgewachsenen Feuerwehr-Pionier Carl Metz schneller als gedacht abbauen, sondern auch den Tag der offenen Tür früher beenden. Nass werden sie aber nur beim Abbau ihrer Zelte, zum Unwetter-Einsatz selbst müssen sie diesmal, im Gegensatz zu mehreren Alarmen im August und Juni, doch nicht.