Feudenheim

Feudenheim Syrische Folklore-Ensemble spielt mit dem Collegium Musicum Bergstraße grenzübergreifendes Konzert

Neue Orte für neue Erfahrungen

Archivartikel

Seine leidenschaftliche Spielfreude ist eng verbunden mit der orientalischen Kastenzither namens Kanun. Umso mehr muss das Herz des 35-Jährigen geblutet haben, als 2014 islamistische Soldaten die Wohnung seiner Familie in der nordsyrischen Stadt Idlib verwüsteten und dabei eines seiner Instrumente zerstörten. Auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg hat Musiker Ibrahim Bajo deshalb seinen Lebensmittelpunkt ins deutsche Bundesland Thüringen verlegt. Als Mitglied des syrischen Folklore-Septetts Syriab Band gab Kanun-Spieler und Moderator Bajo gemeinsam mit dem Orchester Collegium Musicum Bergstraße unter der Überschrift „Begegnungen“ ein umjubeltes Konzert in der Kulturkirche Epiphanias.

Instrumente erklärt

„Es gibt zwei Arten des Kanuns, ein arabisches und ein türkisches“, klärte Moderator Ibrahim Bajo das Publikum auf. „Ich spiele ein türkisches Kanun mit 76 Saiten“, erläuterte der syrische Musiker. Zur Eröffnung stimmten das klassische Orchester und das Ensemble Syriab Band den ersten zehnminütigen Satz aus dem Werk „Tausend und eine Nacht“ an, was in arabischer Sprache „Alf Layla wa Layla“ heißt.

Zwischen den Darbietungen führte Moderator Ibrahim Bajo nicht nur in die klassische Musikwelt der orientalischen Welt ein, sondern vermittelte ebenso Hintergründe zu den Stücken. Anschließend brachten die beiden miteinander „vermählten“ Ensembles das Stück „Tabouleh“ zu Gehör, das sich vom Titel her auf eine Speise auf Salat-Basis beziehe.

Mit spitzen Fingern zupfte Ibrahim Bajo an den Saiten seines Instruments, das auf seinem Schoß ruhte. Vor Spielfreude hielt es Oboistin Friedrike Kayser kaum auf ihrem Stuhl. Neben dem aktiven Musizieren engagiert sich Friedrike Kayser für Nichtregierungsorganisationen (NGOs), zum Beispiel unterstützt sie Organisationen wie Musicians Without Borders (Musiker ohne Grenzen), um weltweit notleidende Jugendliche, etwa in Argentinien, mit der Schönheit der Musik zu inspirieren.

„Wir freuen uns über die Einladung, hier in Mannheim und in Bensheim“, bedankte sich Ibrahim Bajo, der zudem von seinen musikalischen Ritualen nach dem morgendlichen Aufstehen und dem abendlichen Zubettgehen berichtete. Tags darauf brachten die Künstler dasselbe Konzert in der südhessischen Stadt Bensheim zur Aufführung. „Zwei neue Orte mit neuen Erfahrungen“, freute sich der 35-Jährige, der mit Arrangeurin und Oboistin Friedrike Kayser, neben vielen weiteren Musikjobs, am Staatstheater der thüringischen Kreisstadt Meiningen arbeitet.

Außerdem intonierte das siebenköpfige Gastensemble noch diverse Volksmusik-Medleys aus Palästina, Jordanien und dem Libanon. Für das Orchester Collegium Musicum aus dem südhessischen Bensheim sei dieser Auftritt sowohl eine Premiere als auch eine Herausforderung gewesen. „Der Abend war für uns ein Experiment, weil wir solche Musik noch nie gemacht haben“, verriet Kontrabassist Kai Spengler nach einem Konzert, das zum Träumen inspirierte.