Feudenheim

Feudenheim Bachs Weihnachtsoratorium in der Epiphaniaskirche in ungewöhnlicher Aufführung

Publikum spielt eine Hauptrolle

Auch wenn Weihnachten bereits vorbei war, war dies kein Grund, das beliebte Weihnachtsoratorium von Bach, das mit dem markanten Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ beginnt, nicht zu singen. In der Epiphaniaskirche trafen sich hierzu Sänger und Instrumentalisten, die das Oratorium aufführten. Aufführen? Falsch, geanau genommen handelte es sich nicht etwa um ein Konzert, denn es gab – zumindest offiziell – eigentlich kein Publikum.

Eigene Notenblätter dabei

Die Menschen, die die Epiphaniaskirche mit den eigenen Notenblättern betraten, waren als Sänger gekommen, Frauen und Männer also, die Freude am Chorgesang haben. Seit einigen Jahren findet diese Veranstaltung statt und erfreut sich großer Beliebtheit. Über 50 Sänger wurden von Chorleiterin Christiane Michel-Ostertun begrüßt und großzügig in zwei Stimmlagen unterteilt: „Auf dieser Seite ist der Sopran, der Bass sitzt dort drüben.“ Eine Probe gab es nicht. Michel-Ostertun ist Professorin für Liturgisches Orgelspiel, Organistin und Komponistin, außerdem leitet sie den Chor für Geistliche Musik Ludwigshafen und den Kammerchor Cantabile, der sich mit anspruchsvoller a-cappella-Musik befasst.

„Ich komme aus Ludwigshafen-Friesenheim und singe im festen Chor von Frau Michel-Ostertun mit. Für dieses Oratorium gab es einen Aufruf an verschiedene Chöre. Es macht großen Spaß, denn heute darf jeder singen, was er möchte, auch die Arien“, sagte Sängerin Monica Herrmann, der man die Begeisterung fürs Singen anmerkte. „Das Weihnachtsoratorium ist ein echter Gassenhauer, jeder kennt es: Jauchzet, frohlocket. Oft liegen die schönen Stücke lange im Schrank, da man sie nicht jedes Jahr aufführen kann. Doch hier ist das egal, wie oft man es wiederholt, es gibt ja kein Publikum.“ Am Klavier wurden die Sänger begleitet von Claudia Schwabe, auch drei freiwillige Cellisten waren gekommen.

„Wir machen ein kleines Einsingen, bitte alle aufstehen. Danach schauen wir, ob jeder bei seiner richtigen Stimmlage sitzt“, sagte die Chorleiterin. Was sich im ersten Moment sehr improvisiert und kunterbunt anhörte, lief schließlich sehr geordnet ab, was daran lag, dass die Teilnehmer alte Chor-Hasen waren, die das Oratorium gut kannten. Die Arien und Rezitative überließen die Sänger schließlich doch den Solisten, schiefe Töne waren kaum zu hören. Tipps von der Expertin gab es am Anfang trotzdem: „Wir singen nicht Jauchzet, wir singen Jaaachzet – das klingt besser.“

Ein Publikum war dann doch vorhanden, denn ein paar Besucher, die nicht mitsangen, hatten sich in der Kirche eingefunden. Und so war denn das Mitmach-Oratorium zwar kein Konzert im üblichen Sinne – es klang aber in jeden Fall wie eines.