Feudenheim

Ost Hohe Wahlbeteiligung in den bürgerlichen Stadtteilen Wallstadt und Feudenheim / Vogelstang mit dem stadtweit höchsten Anteil an AfD-Wählern

Rechtsruck bereitet Sorgen

Archivartikel

Die Bilanz der Bundestagswahl fällt in den Stadtteilen gemischt aus. Während Vertreter von CDU und SPD die hohen Verluste beklagen, dürfen sich Grüne, Linke, FDP und AfD als Gewinner fühlen. Der CDU bleibt immerhin der Triumph, mit ihrem Kandidaten Nikolas Löbel den Wahlkreis 275 für sich entschieden zu haben. Besorgt äußern sich die Vertreter der Parteien über das starke Abschneiden der Rechtspopulisten. Hier sehen sich besonders CDU und SPD in der Verantwortung.

Analog zur Wahlbeteiligung lässt sich in den östlichen Stadtteilen auch das Ergebnis der Erststimmen für CDU-Kandidat Nikolas Löbel ablesen. Dort, wo die Wahlbeteiligung am höchsten war, erzielte auch er den größten Stimmenanteil. In Wallstadt erhielt der 31-Jährige mit 35,1 Prozent die meisten Erststimmen, gefolgt von Feudenheim (34,0 Prozent), Käfertal (29,2 Prozent) und Vogelstang (28,7 Prozent). Bei den Zweitstimmen vereinte die CDU ebenfalls in Wallstadt am meisten Stimmen auf sich (33,4 Prozent). Höher war der Stimmenanteil nur in Neuostheim/Neuhermsheim und in Seckenheim.

SPD-Kandidat Stefan Rebmann unterlag Herausforderer Löbel im Mannheimer Wahlkreis 275 denkbar knapp, konnte im Osten der Stadt aber nur Käfertal gewinnen. Hier vereinte er 29,6 Prozent der Erststimmen auf sich, gegenüber Löbel mit 29,2 Prozent. Noch enger war der Abstand auf der Vogelstang. Hier trennten nur 0,2 Prozentpunkte die beiden Kontrahenten - mit leichtem Vorsprung für Löbel. "Wir haben einen intensiven Wahlkampf in Wallstadt, Feudenheim und auf der Vogelstang geführt", sagt Löbel. "Dort sind wir von Tür zu Tür gelaufen, und ich bin schon seit Jahren viel in diesen Stadtteilen unterwegs. Meine starke persönliche Präsenz hat am Ende sicherlich den Ausschlag gegeben. Gleiches gilt für Käfertal, aber da hat uns ebenso wie in vielen anderen Stadtteilen eine starke AfD das Leben schwer gemacht."

Die Grünen als drittstärkste Partei in Mannheim erzielten mit 15,8 Prozent in Feudenheim ihr stärkstes Ergebnis im Osten Mannheims. Gegenüber 2013 hat die Partei hier 3,5 Prozent zugelegt und liegt auch in Käfertal mit einem Plus von 1 Prozent immer noch über dem Zugewinn im Bundesschnitt. Grünen-Stadträtin Gabriele Baier sieht darin eine Bestätigung, "dass die Menschen einen Politikwechsel hin zu einer ökologischen, zukunftsfähigen Politik in Berlin erwarten." Einziger Wermutstropfen: Auf der Vogelstang erreichten die Grünen mit 6,2 Prozent den schlechtesten Wert in allen Stadtteilen. Die Vogelstang sei seit jeher ein schwieriges Pflaster für klassischen Wahlkampf, sucht Stadtratskollege Raymond Fojkar nach einem Erklärungsansatz.

FDP in Wallstadt vor den Grünen

Die FDP lag in Wallstadt mit 13,2 Prozent der Zweitstimmen sogar noch vor den Grünen (11,9 Prozent). "Die haben mit ihrer inhaltlichen Plakataktion auch einen ziemlich guten Wahlkampf gemacht", findet die für Wallstadt und Vogelstang zuständige SPD-Stadträtin Claudia Schöning-Kalender. Die Feudenheimer FDP-Stadträtin Birgit Reinemund zeigt sich über das gute Abschneiden ihrer Partei bei den Bundestagswahlen erfreut. "Ich freue mich wahnsinnig, dass es wieder geklappt hat, in den Bundestag einzuziehen." Das Ergebnis in Mannheim bilde den Bundestrend weitgehend ab - für Reinemund eine Bestätigung der guten Arbeit vor Ort. Insbesondere in Feudenheim sei es gelungen, die AfD klein zu halten. Hier blieben die Rechtspopulisten mit 9,5 Prozent gerade noch im einstelligen Bereich, gefolgt von Wallstadt mit 12,7 und Käfertal mit 16,6 Prozent. Auf der Vogelstang (21,4 Prozent) hat jeder Fünfte, der zur Wahl gegangen ist, AfD gewählt. Das ist mit Schönau stadtweit der höchste Stimmenanteil - eine Entwicklung, die sich bereits bei der Landtagswahl abzeichnete. Tröstend ist für den Vogel-stängler SPD-Bezirksbeirat Uwe Sievers allenfalls die Tatsache, dass die AfD in seinem Stadtteil gegenüber der Landtagswahl deutlich Stimmenanteile verloren hat.

"Auf der Vogelstang lebt eine der größten Kommunen an Spätaussiedlern und Russlanddeutschen - die haben offenbar andere Kommunikationskanäle", macht Raymond Fojkar einen Grund für das hohe AfD-Wahlergebnis aus. Er ist im bei den Grünen für Vogelstang und Wallstadt zuständig."Für die Vogel-stang tut es mir besonders leid", so Fojkar. Der Bezirksbeirat sei sehr rege und kümmere sich kleinteilig um Probleme der Menschen. "Man sieht, dass das redliche Bemühen um die Dinge vor Ort sich nicht im Wahlergebnis niederschlägt."

Die Wählerwanderung insbesondere zur AfD bereitet auch dem Feudenheimer CDU-Stadtrat Bernd Kupfer Kopfzerbrechen. "Darüber sind wir sehr unglücklich, gerade weil sich dahinter auch viele ehemalige und unzufriedene CDU-Wähler verbergen." Es müsse für die Zukunft gelingen, diese Wählerschaft wieder zurückzugewinnen und die eigenen Stammwählerschaft zu stabilisieren.

SPD will ihr Profil stärken

"Damit werden wir uns auseinandersetzen müssen", kündigt auch die Claudia Schöning-Kalender für die Sozialdemokraten an. Die Tatsache, dass die AfD vom Ergebnis her in Wallstadt ziemlich auf dem Bundesergebnis liege, zeige, dass diese Partei in der Mitte der Gesellschaft wählbar sei und gewählt werde. Für die SPD im Bund könne es aus ihrer Sicht nichts anderes geben als starke Opposition: "Nur so können wir unser Profil wieder sichtbar machen, dass soziale Gerechtigkeit drin ist, wo SPD draufsteht." Uwe Sievers sieht das genauso: "In der Opposition sind wir diesmal auf jeden Fall besser aufgehoben." Jetzt gelte es, für die Versprechen und Ziele, die Martin Schulz propagiert habe, zu kämpfen und diese so weit wie möglich umzusetzen. "Die Leute müssen wieder glauben können, dass die SPD es ernst meint." Auf der Vogel-stang wolle man versuchen, wieder deutlich mehr präsent zu sein.

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