Feudenheim

Feudenheim Aufwühlendes Requiem von Guiseppe Verdi in der St. Peter und Paul-Kirche

Vom Schrecken des Jüngsten Gerichts

Archivartikel

Der Tag wird kommen und niemand kann ihm ausweichen. Für den gläubigen Christen ist es der Tag, an dem er sein Handeln und Denken vor dem Jüngsten Gericht rechtfertigen muss. Der jahrhundertealte Text der Totenmesse spricht von einem Tag der Rache und der Sünden, vor dem der Mensch Angst und Schrecken empfindet. Um die Sequenz „Dies irae, dies illa“ rankt sich die „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi. Der Kirchen- und Oratorienchor St. Peter und Paul führte nun dieses sakrale Meisterwerk mit dem „Concerto Vocale Bietigheim“ und professionellen Gesangssolisten, begleitet vom Heidelberger Kantatenorchester, unter Gesamtleitung von Alexander Letters in Feudenheim auf und bereitete den Besuchern in der restlos ausverkauften Pfarrkirche 80 zutiefst aufwühlende Minuten.

Tiefe Gläubigkeit

Trotz der Anlehnung des Textes an die Liturgie hat sich Verdis Requiem schon bald nach der Uraufführung vom Gottesdienst gelöst und rein konzertant behauptet. Es ging daher als „Oper in liturgischem Gewand“ in die Musikgeschichte ein. Bei aller kirchenkritischer Haltung des Komponisten spricht aus vielen seiner Werke eine tiefe Gläubigkeit.

So gelingt es ihm in seinem Requiem, das er zum Tode des von ihm verehrten Dichters Alessandro Manzoni schrieb, mit großer Eindringlichkeit von Glaube, Liebe, Hoffnung zu reden. Den aussagekräftigen Text seines Librettisten Francesco Maria Piave vertonte er so ausdruckstark, dass die Todesvision, die gnadenlose Bilanz des Lebens vor dem Jüngsten Gericht und das Flehen um Errettung vor dem ewigen Tod bildhaft vor Augen erscheinen. Unweigerlich wird der Zuhörer mitgerissen, zum Nachdenken über den Sinn und Wert seines Daseins aufgefordert.

Ganz sanft beginnt das Werk, wie ein Gebet an den Herrn um Erbarmen für den Verstorbenen. Doch dann quält die Gewissheit um das Jüngste Gericht: Wie ein Blitzeinschlag wird es eröffnet durch die rasselnden Streicher, kündigt sich an mit den bedrohlichen Schlägen der Trommel, wird erschüttert von den unerbittlichen Fanfaren der Trompeter und den lähmenden Pausen des Chores. „Tag der Rache, Tag der Sünden“ – Verdi hat ihn in Töne gefasst, die die Seele erzittern lassen.

Mehrfach tritt diese bildmächtige Sequenz im Requiem wieder auf, mahnt zur Demut, fordert auf zum flehentlichen Bitten um Erlösung: „Libera me“ – „errette mich Herr vom ewigen Tode an jenem Schreckenstage“, so heißt es im abschließenden Satz, in dem der Chor gemeinsam mit der Sopranistin zunächst verzweifelt nach Befreiung ruft und im stillen Gebet endet.

Messe „erstrahlt“

Es war dieser Schlusssatz, den Verdi für ein ehemals geplantes Gemeinschaftsrequiem der damals größten italienischen Komponisten zum Tode von Rossini 1869 verfasste. Doch dieses Werk fand nie statt, so dass es Verdi in seiner Messa da Requiem erneut aufnahm.

In Feudenheim erstrahlte die Messe nun unter dem jungen dynamischen Dirigenten Alexander Letters, der seine Chöre zu einer herausragenden Leistung anspornte. Rund 120 Sängerinnen und Sänger (genau so viele, wie Verdi zur Uraufführung in Mailand einsetzte), meisterten die enorme Herausforderung, die dieses emotionsgeladene Werk in sich birgt. Mit Eva-Maria Hofheinz (Sopran), Georg Gädker (Bariton), Thomas Nauwartat-Schultze (Altus) und Octavio Yang (Tenor) traten hier exzellente Gesangssolisten auf, die die ganze Wucht der schaudernden, klagenden und flehenden Stimmung hervorhoben. Dazu trug das brillante Heidelberger Kantatenorchester zum großen Klangerlebnis bei. Das Publikum erhob sich und dankte für diese bewegende Aufführung mit langem Applaus.