Feudenheim

Feudenheim Vorstand des Kleingärtnervereins übt bei der Jahreshauptversammlung Kritik am geplanten Radschnellweg

„Wir sind kein gallisches Dorf“

Archivartikel

Volles Haus bei der Jahreshauptversammlung des Kleingärtnervereins Feudenheim: Von 200 Mitgliedern waren mehr als 60 in die Vereinsgaststätte Sellweiden gekommen. In seinem Geschäftsbericht blickte der Vorsitzende Bernd Schuler auf das vergangene Jahr zurück. Ein Ärgernis waren die wiederholten Einbrüche und Diebstähle. Was die Kleingärtner freilich ärgert, ist die Trassenführung des geplanten Radschnellwegs – durch ihr Gelände.

Zunächst herrschte freilich Harmonie, als es im Bericht des Vorsitzenden um das Geleistete ging: Erneuert wurden die undichten Ventile der Wasserzufuhr. Die

Tanzfläche erhielt einen neuen Belag und auch der Boden am Grillstand wurde frisch betoniert. Alle Veranstaltungen, vom Kaffeeklatsch der Frauengruppe, über das Sommerfest zum 110-jährigen Bestehen des Vereins bis zur stimmungsvollen Weihnachtsfeier, waren gut besucht.

Sommerfest im August

Schuler dankte allen, die den Vorstand bei seiner Arbeit unterstützt haben. Auch in diesem Jahr wird es wieder ein Sommerfest geben und zwar vom 3. bis zum 5. August. Nach dem Kassenbericht von Gabi Gärtner wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Anschließend wurden verdiente Mitglieder geehrt: Regina Calmbach für 25 Jahre, Manuela Auer für 35 Jahre sowie Brigitte Schwinger und Gerda Wingert für 45 Jahre Mitgliedschaft.

Soweit so harmonisch. Doch bei den Kleingärtnern herrscht viel Unmut über die Trassenführung des geplanten Radschnellwegs im Zuge der Gestaltung des Grünzugs Nordost. Über den neuesten Stand berichtete Rechtsanwalt Rolf Dieter. Durch den von Landschaftsarchitekt Stephan Lenzen geplante Radschnellweg würde die Anlage des Kleingärtnervereins geteilt. Zwar habe die Stadt bereits neun Gärtnern gekündigt. Doch die Kündigung sei unwirksam. „Es fehlt ein verbindlicher Plan, es gibt nur einen Planungsauftrag“, so Dieter.

Dem Regierungspräsidium liege auch kein Antrag auf Aufhebung des Naturschutzgebietes vor, damit fristgerecht gekündigt werden könne. Die Kleingärtner haben ein Gespräch mit der Stadt im April vereinbart. Sie wehren sich gegen eine Expressroute durch ihre Gartenanlage. Als Kompromiss schlagen sie vor, den Radschnellweg auf dem Weg zwischen Kleingärten und Schützenverein anzulegen. Das wäre lediglich ein Eingriff in drei bis vier Gärten, für die Ersatz in der Anlage geschaffen werden könnte.

„Wir wollen den Radschnellweg nicht verhindern, aber eine Trassenführung, die die Kleingärten erhält und die Anlage nicht spaltet“, betonte Schuler. Nach der ursprünglichen Idee eines Radschnellweges quer durch die Anlage würden 40 Gärten abgetrennt und von der Versorgung abgeschnitten. Der Vorstand habe bisher keine Antwort erhalten auf die Frage, wo dann Eingänge und Wasserversorgung hinkämen. Es sei nur gesagt worden, dass diese Gärten ohnehin über kurz oder lang abgegeben und entschädigt worden wären. „Doch es gibt genügend Interessenten“, versicherte Schuler. „Wenn der Radweg so gebaut wird, wie ursprünglich geplant, dann sind wir dagegen.“

Pflege als Gemeinschaftsarbeit

Die Kleingärtner ließen sich auch nicht vorwerfen, wortbrüchig zu sein. „Wir sind kein kleines gallisches Dorf, das rebelliert oder trotzige Kleingärtner, die Angst haben ihr Spielzeug zu verlieren, sondern wir wollen unsere Anlage erhalten“, so Schuler. Ein weiteres Thema war die Pflege der Gärten und Wege. Diese lasse immer mehr zu wünschen übrig, erklärte der frühere Vorsitzende Lothar Hieckmann. Die Mitglieder beschlossen eine Satzungsänderung. Die Pflege soll zukünftig in Gemeinschaftsarbeit erledigt und den betreffenden Gärtnern in Rechnung gestellt werden.

Was den Kleingärtner Roland Bossmann stört, sind die großen Blechhütten und Treibhäuser auf den Gartenparzellen. Bei der nächsten Begehung will man dem nachgehen, die Pächter zur Beseitigung auffordern und bei Weigerung eine Kündigung aussprechen, erklärte der Vorsitzende. Als die Diskussion über Kindergeschrei, Hundegebell und andere Lärmquellen auszuufern drohte, brach er die Sitzung ab.