Feudenheim

Ost/Feudenheim Konzert der Extraklasse in der Kulturkirche Epiphanias

Wo Flöten wie Vögel zwitschern

Archivartikel

Normalerweise weist Vogelgezwitscher in einem Gotteshaus ja auf eine undichte Stelle im Gebälk hin. Für die erst 2018 sanierte Kulturkirche Epiphanias wäre das besonders bedauerlich. Aber in diesem Fall waren die Klänge der Hinweis auf große Kunst: Mit Bird’s Paradise servierten die Ausnahmekünstler Andrea Ritter und Daniel Koschitzki ein Konzert unter dem Titel „Vogelstimmen und Flötengezwitscher durch die Jahrhunderte“. Es war hinreißend, Ritter an diversen Blockflöten und Koschitzki am Klavier zu erleben.

Begeisterte Zuhörer

Wer nach dem Konzert die Kulturkirche Epiphanias verließ, war einfach nur begeistert. Ritter gilt als eine der weltbesten Blockflötistinnen, was sie eindrucksvoll und gleichzeitig einfühlsam unter Beweis stellte. Koschitzki wiederum gibt am Piano den Takt und die Musik vor.

Dass er ebenso kunstvoll die Blockflöte beherrscht, zeigte er beim Solo-Intermezzo, in dem er den Klang eines Kanarienvogels imitierte. „Wir lechzen geradezu nach Kunst und Kultur“, hatte der Vorsitzende des Epiphanias-Fördervereins, Werner Bessier, begründet, warum diese Veranstaltungsreihe aufgelegt wurde.

Aber auch dieses Konzert unterlag corona-bedingten Auflagen. So mussten die Besucher zum Beispiel Mund-Nasenschutz tragen, bis sie ihre Plätze eingenommen hatten, und beim Verlassen der Kirche durfte kein Stau entstehen. Jedenfalls hatten sich die Veranstalter viel Mühe gegeben, alle Regeln einzuhalten und dieses Konzert überhaupt möglich zu machen. In jedem Fall war dies ein Klangerlebnis der besonderen Klasse. Eine die es wissen muss, Ellen Weinel vom Blockflötenquartett Flaute cantabile, war denn auch begeistert: „Es war wunderschön“, meinte sie fachkundig.

Die dunkeln Töne, die „Gathering of the Birds“ einläuteten, wichen recht bald hellen freundlichen Klängen. Das Lied haben Andrea Ritter und Daniel Koschitzki gemeinsam komponiert. William Crofts Sonata in G hat das Duo ihren beiden Instrumenten angepasst. Stücke von Meredith Monk mit etwas schräg klingenden zeitgenössischen Tönen („Windows in 7’s“) und von Hans Wessely („Feu Follet“) folgten, ehe Johann Sebastian Bachs Sonate in g-moll durch den Kirchenraum tönte. Die von Fulvio Caldini, einem Freund des Musikerduos, komponierte „Noveletta“ versetzte dann die Zuhörer in eine melancholische Stimmung.

Auch Jazz im Programm

Das änderte sich gleich wieder mit den Paraphrasen auf Kanarienvögel und Distelfinken. Mit „Lullaby of Birdlands“ von George Shearing, in dem sich die Vögel langsam zur Ruhe begeben, wagten die Beiden einen gelungenen Ausflug in die Welt des Jazz – wohlgemerkt mit der Instrumentierung Blockflöte und Klavier. Der Beifall der Zuhörer verlangte eindringlich nach einer Zugabe, die von den Musikern mit Vivaldis Flötenkonzert „Der Distelfink“ gerne gewährt wurde. „Das klingt so, als ob die Vögel direkt vom Himmel herab gepfiffen werden“, merkte Daniel Koschitzki. lachend an