Feudenheim

Feudenheim Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine im Gedenken an die Geschwister Bertha und Gustav Kahn

Zeichen der Erinnerung an jüdische Bürger

Gleich 19 Stolpersteine wurden an einem Tag verlegt, Künstler Gunter Demnig, der die Aktion vor über 20 Jahren ins Leben gerufen hatte, eilte von einem Termin zum nächsten und machte somit eine Gedenk-reise durch ganz Mannheim. Die kleinen Mahnmale galten in diesem Fall Mannheimer Juden, Menschen mit Behinderung sowie Widerstandskämpfern.

Eine der Stationen war die Hauptstraße 66 in Feudenheim, wo das Geschwisterpaar Bertha und Gustav Kahn, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, lebten. Am 22. Oktober 1940 wurden sie mit weiteren zwölf Feudenheimer Juden nach Gurs deportiert. Gustav Kahn konnte aus dem Lager fliehen und sich mit Hilfe des französischen Widerstandes verstecken, Bertha Kahn wurde in Le Douadic interniert, bis sie befreit wurde. Sie kehrte 1945 nach Feudenheim zurück und lebte hier, bis sie 1957 im Alter von 89 Jahren verstarb.

Ihr Bruder starb noch in Frankreich. "Gerade in Zeiten, in denen wieder vermehrt rassistische und rechtsradikale Strömungen aufkommen, ist es wichtig, die Erinnerungen an die Nazi-Herrschaft wachzuhalten und rechtzeitig ein Zeichen zu setzen", sagte Alois Putzer vom Verein für Ortsgeschichte Feudenheim. "Ich kann mich noch an Bertha Kahn erinnern, aber leider nicht gut genug, um etwas über sie sagen zu können, dazu war ich zu jung", so Putzer.

Er habe viele Juden getroffen - auch Nobelpreisträger. "Viele haben die Verbundenheit zu ihrer Heimat nie verloren." Ernst Gramberg vom Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus hatte an diesem Tag viel vor. "Ich fahre quasi Demnig hinterher und war heute schon bei drei Stolperstein-Verlegungen mit dabei", erzählte er. Der AK Justiz befasst sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Damals wurde mit allen Mitteln versucht, die Arier nach vorn zu bringen. "Das soll nie wieder passieren", so Gramberg.

Gravierte Messingplättchen

"Die Stolpersteine sind eine gute Gelegenheit, um im Alltag an die deportierten Menschen zu erinnern", sagte Boris Weirauch, Landtagsabgeordneter der SPD und wohnhaft in Feudenheim. "Die Stolpersteine sind eine Alternative zu Geschichtsbüchern und Dokumentationen, da sie zeigen, dass die Leute direkt aus unserer Mitte gerissen wurden." Routiniert entfernte Künstler Demnig einen Pflasterstein und fügte die beiden Denkmäler, zwei Betonklötze mit gravierten Messingplättchen, in den Boden ein. "Im Jahre 1991 wurde die Idee geboren", blickte Demnig zurück. Einige Zeit habe er die Steine illegal verlegt. "Inzwischen kommen die Initiativen aus den Orten selbst, auch im Ausland gibt es inzwischen Stolpersteine." Das Interesse von Schülern sei ebenfalls gestiegen: "Für sie ist es handfester Geschichtsunterricht", weiß Demnig,

Was den Künstler besonders rührt, ist, wenn Leute von weither anreisen, um die Verlegung mitzuerleben, weil es sich um einen Angehörigen handelt. In Mannheim gibt es die Aktion seit 2007. Sie wird durchgeführt vom Arbeitskreis Stolpersteine für Mannheim.