Finanztipps

Die Zinsentwicklung: Berg- und Talfahrt für das liebe Geld

Seit Jahren sind die Zinsen für Geldeinlagen bei Banken und Kreditinstituten im Abwärtstrend. Für Sparer bedeutet das niedrige Zinsniveau einen schmerzhaften Verlust ihrer Kaufkraft, denn ihre Ersparnisse werfen auch auf lange Sicht kaum noch etwas ab. Häuslebauer und Kreditnehmer hingegen freuen sich über die Zinsentwicklung der letzten Jahre. Selten war es so einfach, einen günstigen Baukredit zu bekommen und damit den Traum vom Eigenheim doch noch auf eine solide Finanzierungsbasis zu stellen. Des Einen Freud ist des Anderen Leid. Doch wann werden sich die Zinsen auch für Sparer wieder auf einem attraktiven Niveau einpendeln? Die Zinsentwicklung unter der Lupe. 

Mit viel Schwung zum Rekordtief

Das Zinsniveau in Deutschland hat eine abenteuerliche Reise hinter sich – leider immer weiter bergab. Oder Gott sei Dank, betrachtet man die Zinsentwicklung aus der Perspektive von Kreditnehmern, die von den günstigen Zinsen auf Darlehen natürlich deutlich profitieren. Bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2016 befindet sich das Zinsniveau auf Talfahrt und sind sogar deutlich unter die Inflationsrate gefallen. 2018 lag die Inflationsrate bei 1,9 Prozent. Wird dagegen eine Kapitalverzinsung beim Tagesgeld von 0,4 bis 0,7 Prozent veranschlagt, ergibt sich auch ohne komplizierte Rechenbeispiele ein handfester und nicht zu verleugnender Verlust der Kaufkraft. Für Verbraucher, die ihr Geld gewinnbringend anlegen möchten, stellt dies ein echtes Problem dar, denn ihre Barschaft verliert nicht nur ganz konkret an Wert, es wird auch immer schwieriger, Finanzprodukte zu finden, in die es sich noch zu investieren lohnt.

Das Vergleichsportal Verivox beziffert die besten Angebote für Tagesgeldkonten derzeit auf 0,7 Prozent Zinsen, bei Festgeldanlagen ab zwei Jahren Laufzeit springen bei den besten Anbietern immerhin 1,4 Prozent heraus. Im Vergleich zum Finanzmarkt vor 10 oder 15 Jahren sind diese Zulagen verschwindend gering. Wer mehr aus seinem Geld machen möchte, muss riskantere Wege einschlagen und in Fondsprodukte investieren oder sich am Aktienmarkt tummeln. Dort steht die Rendite aber immer in Relation zum Risiko. Wer auf hohen Zuwachs hofft, muss auch riskieren, finanzielle Einbußen zu machen, wenn sich die Märkte nicht so entwickeln, wie erhofft.

Der Grund für die vielfach für Frust sorgende Situation am Zinsmarkt ist die Entwicklung des Leitzinses der Europäischen Zentralbank. Mit ihm steht und fällt alles, auch das Niveau der Spar- und Kreditzinsen. Auslöser dieser historischen Talfahrt war die Krise, die den Finanzmarkt im Jahr 2011 grundlegend erschüttert hat. Von den finanziellen Einbrüchen dieser Zeit hat sich der Finanzmarkt bis heute nicht vollständig. Um die Verluste bestmöglich einzugrenzen, senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins seit der Finanzkrise nach und nach ab, bis er in der zweiten Jahreshälfte 2016 schließlich die 0,00 Prozent erreichte und damit einen historischen Tiefstand. Für Privatanleger verharrt der Leitzins seither an dieser Stelle. Dass es sogar noch schlimmer kommen kann, mussten allerdings verschiedene Finanzinstitute feststellen, die Teile ihrer Geldeinlagen bei der Europäischen Zentralbank angelegt hatten. Für sie verwandelte sich der Leitzins nämlich sogar in einen Strafzins, der 2014 erstmal mit -0,1 Prozent zu Buche schlug. Betroffen waren und sind Kapitaleinlagen von Geldinstituten, die nur sehr kurzfristig bei der Europäischen Zentralbank gelagert wurden. Bis ins Jahr 2016 ist der Strafzins sogar auf -0,4 Prozent gestiegen und hat sich seither nicht mehr verändert. Damit bringt das angelegte Kapital nicht nur keinen Gewinn mehr, es schrumpft sogar nach und nach zusammen. Ob sich der Strafzins in den kommenden Jahren weiter nach unten bewegen wird, bleibt abzuwarten. Bis in den Herbst 2019 hinein soll sich daran allerdings nichts ändern. Dies hat die Europäische Zentralbank bei ihrer Ratssitzung im Dezember 2018 beschlossen. Auch der grundsätzliche Leitzins von 0,00 Prozent bleibt Kapitalanlegern noch mindestens bis zum letzten Quartal 2019 erhalten. Mario Draghi, der der EZB vorsteht, verkündete beide Beschlüsse im Anschluss an die Ratssitzung auf einer Pressekonferenz.

 

Besteht Hoffnung für das Zinsniveau der nächsten Jahre?

Vom Strafzins bleiben Verbraucher beim Vermögensaufbau glücklicherweise bislang verschont. Sparen und durch gute Konditionen den Vermögensaufbau voranzutreiben, ist auch trotz der negativen Entwicklungen am Finanzmarkt nach wie vor beliebt. Vor allem das immer kritischere Thema der Altersvorsorge bestärkt den Wunsch vieler Verbraucher, mittel- und langfristig durch Spareinlagen und gute Investitionen ein finanzielles Polster aufzubauen. Umso mehr Frustration schafft das stetig sinkende Zinsniveau, das Sparen beinahe zu einem überflüssigen Finanzkonzept verkommen lässt. Aber bleibt es denn wirklich dauerhaft so finster am Zinshimmel, oder zeigt sich vielleicht doch nach der langen Durststrecke endlich Licht am Ende des Tunnels?

Daniel Franke, Betreiber des Fachportals tagesgeldvergleich.net, hat die Zinsentwicklung gemeinsam mit seiner Redaktion schon seit Jahren im Blick. Dabei hat das Team aus Finanzexperten und Analysten auf der Basis umfangreicher statistischer Auswertungen auch eine Zinsprognose für die Zukunft entwickelt:

 „Wir erwarten daher für 2019 ein gleichbleibendes Zinsniveau beim Tagesgeld für das erste Halbjahr innerhalb eines Bandes von 0,17 und 0,18 Prozent. Für das zweite Halbjahr gehen wir von einem Anstieg der Zinsen auf 0,18 bis 0,20 Prozent aus. Die Top-5-Tagesgeldzinsen für Neukunden sollten sich im Jahresverlauf in einem Band zwischen 0,60 und 1,00 Prozent bewegen.“

(Quelle: https://www.tagesgeldvergleich.net)

 

Für Sparer bedeutet das, dass möglicherweise eine leichte Verbesserung in Aussicht ist. Allzu große Sprünge dürften aber mittelfristig noch nicht zu erwarten sein. Dass eine Tagesgeldeinlage bis zu 1 Prozent Zinsen oder sogar mehr erwirtschaftet, wird voraussichtlich auch in den nächsten Jahren die absolute Ausnahme sein. Glücklicherweise sind Kunden mit einem Tagesgeldkonto in der Regel selten langfristig an einen Anbieter gebunden und können gegebenenfalls sogar tagesaktuell auf neue Entwicklungen reagieren. Zwar sind auch Tagesgeldkonten in der Regel durch eine vereinbarte Zinspreisbindung in einen vertraglichen Rahmen gefasst, allerdings gibt es Möglichkeiten, von besseren Angeboten auch kurzfristig zu profitieren.

 

Hierzu ein Tipp der Finanzexperten von tagesgeldvergleich.net:

„Ein Tagesgeldkonto zu wechseln, ist erheblich einfacher, als der Wechsel etwa eines Girokontos. Von daher können Sparer gerne die zeitlich begrenzten Angebote einiger Banken in Anspruch nehmen, und zum Ende der darin abgegebenen Zinsgarantie ihr Tagesgeldkonto wechseln, indem sie ein Zweites eröffnen und das erste Konto im Anschluss daran kündigen.“

(Quelle: https://www.tagesgeldvergleich.net)

 

Auch Festgeldanlagen wird in den nächsten Jahren den Prognosen zufolge kein großer Zuwachs blühen. Hier hilft nur, möglichst viele Optionen sorgfältig zu prüfen und das eigene Kapital erst dann langfristig zu binden, wenn ein Angebot vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzmarktsituation tatsächlich lukrativ erscheint. Es ist eben leider so, dass Sparpläne mit sicheren Anlageoptionen nur noch dann zumindest kleine Gewinnspannen beinhalten, wenn sie wirklich langfristig angelegt sind. Wer also seinen Kaufkraftverlust durch die Anlage in Festgeldprodukte zumindest begrenzen möchte, sollte sich auf die schwierige Suche nach absoluten Top-Anbietern machen und das Projekt Vermögensaufbau, sofern die private Finanzplanung dies zulässt, mit möglichst langem Atem angehen. Wer die Möglichkeit hat, auch über einen längeren Zeitraum wie zum Beispiel 5, 10 oder sogar 15 Jahre auf sein Kapital zu verzichten, darf auch aktuell durchaus noch auf Renditen hoffen, die die Hürde von 1 oder sogar 1,5 Prozent Zinsen überspringen.

Wer sein Kapital vor der Kulisse des aktuellen Finanzgeschehens gewinnbringend anlegen möchte, sollte sich also fragen, ob er bereit ist, ein höheres Risiko durch spekulative Anlageoptionen in Kauf zu nehmen oder vielleicht auch eine langfristige Kapitalbindung verkraften kann. Für Kunden, die sich für beides nicht erwärmen können, werden wohl auch die nächsten ein bis zwei Jahre beim Blick auf den Kontoauszug wenig Freude bereithalten.