Finanztipps

Onlinebanking Was sich für Verbraucher ändert / TAN-Listen aus Papier haben ausgedient

Sicherer, aber auch aufwendiger

Bonn/Halle.Verbraucher müssen sich vom 14. September an auf Änderungen beim Onlinebanking einstellen. Zum einen sollen Überweisungen sicherer werden. Zum anderen bekommen außer Banken künftig andere Dienstleister Zugriff auf Konten – vorausgesetzt, Verbraucher stimmen dem zu. Möglich macht dies die neue Zahlungsrichtlinie PSD2 (Payment Services Directment 2) der Europäischen Union. Wichtige Fragen und Antworten:

Was ist das Ziel der Richtlinie?

Mehr Sicherheit, mehr Verbraucherschutz, mehr Wettbewerb zwischen Banken und anderen Zahlungsdienstleistern, sagt die Bundesbank. Außerdem wird der Markt für Kontoinformationsdienste geöffnet. Über sie bekommen Verbraucher gebündelte Infos über ihre Ein- und Ausgaben geschickt, etwa aufs Handy. Der Service kann auch zur Bonitätsprüfung genutzt werden.

Welche Regeln gelten für die Anbieter?

Die neuen Spieler am Markt brauchen für ihre Arbeit im Rahmen von PSD2 eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) in Bonn. „Bisher sind vier FinTechs zugelassen“, sagt deren Sprecher Oliver Struck. Unter den lizenzierten Zahlungsdienstleistern findet sich neben FinTechs unter anderem ein Softwareanbieter. Die BaFin überwacht das Tun der Firmen. Aus Verbrauchersicht schließt das zwar Probleme nicht aus, dennoch steht das wachsame Auge für mehr Sicherheit.

Was bringen die neuen Dienste?

Wer online einkauft, kennt Zahlungsauslösedienste bereits. Sie lösen Überweisungen sofort aus, damit der Kauf zügig bestätigt wird. Künftig müssen „Banken über eine technische Schnittstelle registrieren, welcher Dienst auf das Girokonto zugreift“, sagt Yvonne Röhling, von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Missbräuchliche Zugriffe sollen so besser aufgeklärt werden.

Kontoinformationsdienste wollen Verbrauchern helfen, den Überblick über ihre Finanzen zu behalten. Nach Freigabe durch den Kunden greifen die Dienste auf die Konten zu. „Die Daten werden gebündelt und aufbereitet“, erläutert Malte Fritsche, vom Bundesverband Deutsche Startups. Der Mehrwert bestehe in der Analyse der Daten, in Angeboten zu anderen Finanzdienstleistungen oder Versicherungen.

Auch Dritte könnten darüber Hinweise zur Finanzlage des Kunden bekommen, so Fritsche. Etwa Immobilienmakler oder Kreditvermittler, die die Bonität prüfen wollen. Der Dienstleister werde in dem Fall „nur für die bestimmte Anwendung freigegebene Daten bereitstellen“. Verbrauchern bleibe das Zusammentragen von Unterlagen erspart. Verbraucherschützerin Röhling gibt zu bedenken: „Will ich, dass jeder sieht, wie viel Gehalt, Rente, Kindergeld ich bekomme?“ Außerdem bereitet ihr Bauchschmerzen, dass Dienste aus ihrem Wissen Kapital schlagen, indem sie Verbrauchern unter anderem Vorschläge zum Wechsel von Versicherungen oder Stromanbietern offerieren.

Was ändert sich beim Onlinebanking?

Das Log-in wird umständlicher. Denn Nutzer müssen vor Öffnung des Zugangs mehr Sicherheitsverfahren durchlaufen. Das bedeutet: PIN und Kontonummer allein genügen nicht mehr zur Identifikation, ein zusätzliches Element ist erforderlich. Das können eine TAN (Transaktionsnummer) sein, ein Passwort, ein per Smartphone übermittelter Fingerabdruck, Gesichtserkennung, das Einstecken der Geldkarte in einen TAN-Generator, ein sogenanntes Kartenlesegerät, zählt eine Sprecherin des Deutschen Bankenverbands auf. Wissensfragen wie „Wie heißt mein Hund?“ sind genauso denkbar wie auf der SIM-Karte hinterlegte Handy-Gerätenummern. Die Optionen hängen vom Geldinstitut ab. Meistens stellen sie zwei Verfahren zur Wahl.

Was passiert mit der vertrauten iTAN-Liste?

TAN-Listen auf Papier (iTAN) verschwinden. Die PSD2-Richtlinie verbietet ihren Einsatz. Stattdessen soll die TAN aus Sicherheitsgründen erst in dem Augenblick entstehen, in dem die Zahlung ausgelöst wird. Dazu dienen unter anderem Generator und Mobiltelefon. Der Generator sendet die TAN verschlüsselt an die Bank, die Telefon-TAN wird entweder per Hand in eine Maske eingegeben oder automatisch in die App eingetragen. Einige Geldhäuser arbeiten bereits seit längerem mit diesen Verfahren. Einfacher werde es mit Stichtag 14. September nicht, eher unbequemer.

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