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Finanzen Pensionsfonds der Skandinavier taugt als Modell für Anleger / Regierung legt diszipliniert und breit gestreut an

Sparen wie die Norweger

Oslo/Berlin.Norwegen ist ein glückliches Land. Zwar landete es im World Happiness Report 2018 nach Finnland nur auf Platz zwei. Doch das kann den Norwegern eigentlich auch egal sein. Denn finanziell haben die rund 5,1 Millionen Einwohner ausgesorgt. Dank des Ölreichtums ist jeder Norweger rein rechnerisch Kronen-Millionär. Denn das Geld, das durch den Verkauf von Öl und Gas hereinkommt, investiert Norwegen seit 1996 in einen Staatsfonds, den sogenannten Pensionsfonds. Dessen Vermögen liegt mittlerweile bei rund 8,3 Billionen Kronen (rund 860 Milliarden Euro). Umgerechnet auf jeden Einwohner ergibt das in etwa ein Vermögen von über 160 000 Euro oder etwas mehr als 1,5 Millionen Kronen.

„Die meisten Sparer machen einen Fehler“, sagt Clemens Bomsdorf. „Sie legen das Geld einfach nur beiseite, statt es zu investieren.“ Und damit verschenken sie Rendite.

Bomsdorf arbeitet als Korrespondent in Skandinavien und hat dabei auch viel über den norwegischen Pensionsfonds berichtet. Dabei merkte er schnell: „Der Fonds macht es besser.“ Die Anlagekriterien sind transparent, die Strategie und die Investments werden offengelegt. „Der Fonds macht keine Geschäfte im Verborgenen.“ Und so entstand die Idee, die norwegische Anlagestrategie in einem Buch zu erklären.

Der Fonds taugt durchaus als Modell für Anleger, findet Annabel Oelmann. „Hierzulande sind die meisten Anleger risikoavers“, hat die Chefin der Verbraucherzentrale Bremen in ihrer langjährigen Praxis beobachtet. Will heißen: Kursschwankungen bei Aktien oder Fonds werden als gefährlich wahrgenommen, Zinszahlungen von Banken – und seien sie noch so gering – als sicher. Aber Oelmann betont: „Ohne Risiko mache ich Verlust.“

Der Grund: Auf einem Tagesgeld- oder Girokonto gibt es kaum bis gar keine Zinsen. Da die Inflation derzeit in jedem Fall höher ist als diese Rendite, verliert das Geld kontinuierlich an Wert. Was können Anleger vom Pensionsfonds also lernen? Fünf Punkte:

Anlagehorizont: „Ziel des Fonds ist es, das Geld aus dem Ölgeschäft so anzulegen, dass der Staat langfristig etwas davon hat“, erklärt Bomsdorf. Anders gesagt: Der Pensionsfonds investiert das Geld, ohne dabei auf kurzfristige Kursschwankungen zu achten.

Und das macht sich bezahlt: Zwar gibt es bei Aktien das Risiko der Kursschwankungen. Dieses wird aber in der Regel mit höheren Renditen belohnt. Mit dieser Strategie konnte der norwegische Pensionsfonds seit 1998 eine jährliche Rendite von sechs Prozent erwirtschaften.

„Für private Kleinanleger sind Investitionen in einzelne Aktientitel aber zu riskant“, sagt Oelmann. Sie rät, stattdessen eher breitgestreute Investmentfonds oder Indexfonds (ETFs) zu kaufen. „Je nach Risikoneigung kann in reine Aktienfonds oder auch Mischfonds, die sowohl Aktien als auch Anleihen enthalten, investiert werden.“

Streuung: Ein weiterer wichtiger Punkt, den sich Anleger abschauen können: nicht alles auf eine Karte setzen. Laut Bomsdorf hält der norwegische Fonds derzeit Aktien von 9000 Unternehmen. Dabei setzen die Anlageexperten aus Skandinavien nicht nur auf Größen wie Apple oder Daimler, sondern auch auf kleinere Unternehmen. Small Caps machten 2016 einen Anteil von zehn Prozent des Aktienvermögens aus.

Außerdem ist das Geld des Pensionsfonds rund um die Welt angelegt. Die Unternehmen, von denen der Fonds Anteile hält, kommen aus 72 Ländern. Der Fonds kauft zudem Anleihen von Unternehmen und Staaten. Diese Zinspapiere machen derzeit einen Anteil von rund 31 Prozent aus. Ergänzt wird das Portfolio durch Investitionen in Immobilien.

Disziplin: Keine Frage, das Volumen des Pensionsfonds ist gewaltig. „Die Hälfte davon besteht aber aus den Einzahlungen“, erklärt Bomsdorf. Die andere Hälfte sind die Gewinne. Anders gesagt: Die norwegische Regierung spart diszipliniert und konsequent.

Wer diesem Beispiel folgt und jeden Tag einen Euro spart, hat nach 20 Jahren 7200 Euro angesammelt. Unterstellt man die Wertentwicklung des Fonds, also sechs Prozent jährlich, ergibt das ein Vermögen von 16 000 Euro. Aber: Sparen allein macht nicht reich, erklärt Annabel Oelmann. „Sie müssen erstmal eventuelle Schulden abbauen“, betont die Bremer Verbraucherschützerin.

Fehler machen: Nicht alle Investments des Pensionsfonds haben sich so entwickelt wie gehofft. Manche Papiere machten sogar Verlust. Denn auch Profis gelingt keine perfekte Auswahl. „Fehler gehören dazu“, sagt Annabel Oelmann. „Nur so kann ich auch lernen.“

Wer sein Geld gut verteilt hat, wird aller Voraussicht nach keinen Totalverlust machen. Der Grund: Da nie alle Anlageklassen gleichzeitig ins Minus geraten, ist das Risiko entsprechend begrenzt.

Nachhaltigkeit: Der norwegische Pensionsfonds kauft nicht einfach irgendwelche Papiere. „Der Fonds ist sehr nachhaltig“, sagt Thomas Küchenmeister von Facing Finance. Die Anlagekriterien verbieten es den Fondsmanagern zum Beispiel, in Rüstungsunternehmen oder Firmen, die Menschenrechte verletzen, zu investieren. „Damit lenkt der Fonds auch immer wieder ein Augenmerk auf diese sensiblen Themen.“

Anleger können sich das zum Vorbild nehmen, findet Thomas Küchenmeister. Denn so können sie mit ihrem Geld auch noch Gutes tun. Sorgen um eine geringere Rendite müssen sie sich dabei nicht machen. „Das ist ein Mythos, der sich lange gehalten hat.“ Die Rendite des norwegischen Pensionsfonds ist ein gutes Gegenbeispiel.