Formel 1

Formel 1 Seit 2007 hat Lewis Hamilton in der Königsklasse einen bemerkenswerten Reifeprozess hinter sich gebracht / Längst mehr als nur Serien-Weltmeister

Auf der Jagd nach immer neuen Rekorden

Archivartikel

Budapest.Jetzt greift Lewis Hamilton den nächsten Rekord von Michael Schumacher an. Auf dem unbeirrbaren Weg, den bis heute noch erfolgreichsten Piloten der Formel 1 abzulösen, scheint der Brite unaufhaltsam. Gewinnt der Superstar der Szene auch in diesem Jahr den Großen Preis von Ungarn, wäre es am Sonntag (15.10 Uhr/RTL) sein achter Sieg auf dem Hungaroring – acht Erfolge auf derselben Strecke gelangen bisher eben nur jenem Rekordweltmeister Schumacher auf dem Circuit de Nevers Magny-Cours in Frankreich.

2007, 2009, 2012, 2013, 2016, 2018, 2019 – die Liste der Hamilton-Erfolge auf dem kurzen Kurs bei Budapest. 2008, 2014, 2015, 2017, 2018, 2019 – die Liste der Weltmeistertitel des Einwanderersohnes, der seit seinem Einstieg in die Königsklasse des Motorsports 2007 einen bemerkenswerten Reifeprozess hinter sich hat – Ende offen.

„Still I rise“ – zu deutsch etwa: „Ich wachse noch“ ist Hamiltons Motto. Dauer-Kampfansage in drei Worten. Von Müdigkeit mit 35 Jahren und rund sieben Monaten keine Spur. Einen Vertrag will Hamilton noch unterschreiben. Bei Mercedes, daran bestehen eigentlich kaum Zweifel. Mercedes hat Hamilton zur Entfaltung gebracht, Hamilton hat Mercedes zum unumstrittenen Branchenführer und Serien-Weltmeister gemacht. „Ich glaube, dass wir in den nächsten Wochen da zu Potte kommen“, erklärte jüngst Teamchef Toto Wolff mit Blick auf den neuen Kontrakt mit Hamilton.

Noch weitere drei Jahre? Wer weiß. Er wird sich vermutlich genug Zeit verschaffen, die sieben WM-Titel von Schumacher noch zu überbieten. Die 91 Rennsiege des mittlerweile 51-Jährigen, der seit seinem schweren Skiunfall Ende 2013 in den französischen Alpen komplett abgeschirmt von der Öffentlichkeit lebt, kann Hamilton schon in diesem Jahr einstellen und überbieten.

Vorkämpfer gegen Rassismus

Längst ist Hamilton aber nicht nur Formel-1-Pilot. Er hat auch seine Rolle als Vorkämpfer gegen Rassismus, für Gleichberechtigung und ein bunteres Miteinander gefunden – sein Vater stammt aus Trinidad/Tobago. Hamilton ist der erste schwarze Formel-1-Pilot – und noch immer der einzige.

Das will er ändern. Und er nimmt dabei den direkten Weg mit dem symbolhaften Hinknien, der Faust in den Himmel gereckt und klaren Botschaften. „Für mich persönlich ist das eine lebenslange Aufgabe“, sagt er und nimmt alle anderen in der Formel 1 in die Pflicht. Vor allem die mit großer Reichweite: „Man schaue sich mal Ferrari an, für das Tausende Menschen arbeiten, aber ich habe kein Wort gehört, wie sie selbst damit umgehen und was sie ihn Zukunft vorhaben.“

Hamilton wird seinen Kampf fortsetzen. Auf der Strecke im Wagen. Neben der Strecke im realen Leben, das er trotz reger Botschaften in den sozialen Netzwerken ganz geschickt aus der Öffentlichkeit heraushält. Früher durften – oder mussten – seine Fans bei den Emotionskollisionen während der damaligen Beziehung mit Popsternchen Nicole Scherzinger mit Hamilton leiden, seine Kritiker sich über ihn aufregen, wenn er mit seinem Privatjet durch die Welt düste. Heute zeigt Hamilton immer noch voller Stolz und mit Regelmäßigkeit seinen durchtrainierten Körper, Eskapaden gehören aber der lange zurückliegenden Vergangenheit an. Lieber greift er schon an diesem Wochenende den nächsten Rekord an. dpa