Formel 1

Formel 1 Der Grand Prix von Deutschland am Wochenende auf dem Hockenheimring könnte vorerst der letzte sein / Künftig im Wechsel mit Barcelona?

Da waren es nur noch zwei

Archivartikel

Hockenheim.Vor einigen Wochen war Georg Seiler noch vorsichtig optimistisch. Fünf Rennstrecken standen noch ohne Vertrag für 2020 da, und sollte der Rennkalender wie bisher 21 Grand Prix umfassen, hätten zwei Kanidaten weichen müssen: Aus dem Kreis Silverstone, Monza, Mexiko, Barcelona und Hockenheim haben inzwischen aber drei einen neuen Kontrakt erhalten oder zumindest fest in Aussicht: Silverstone und Monza sowie angeblich per Handschlag Mexiko.

Bleiben die Spanier und die Deutschen somit auf der Strecke? Findet im kommenden Jahr tatsächlich kein Formel-1-Rennen im Land der Autobauer statt? Im Moment sieht es ganz danach aus, denn: „Von allen Kandidaten haben wir wirtschaftlich die schlechtesten Karten“ sagt Seiler pessimistisch, denn ohne Unterstützung durch einen Sponsor oder des Landes Baden-Württemberg kann der Hockenheimring nicht mithalten, was die immensen Antrittsgebühren für die Königsklasse angeht. Über genaue Zahlen redet Seiler wie immer nicht – Gerüchte aber besagen, dass zwischen 12 und 25 Millionen Euro fällig werden, um den PS-Zirkus nach Hockenheim zu holen. Das aber wollen weder die Ring-GmbH noch die Stadt, mit 91 Prozent Hauptgesellschafter der Strecke, investieren: Denn die Zuschauerzahlen und damit die Einnahmen stagnieren und es würden sonst – wie in früheren Jahren – erhebliche Verluste drohen.

„Gespräche sind kompliziert“

„Wir sind nicht bereit, ins finanzielle Risiko zu gehen“, sagt Seiler immer wieder und betont, in ständigem Kontakt mit Formel-1-Eigner Liberty Media und Geschäftsführer Chase Carey zu stehen. Der US-Amerikaner wiederum meint dazu: „Die Gespräche sind kompliziert.“ Wenngleich auch für Carey wichtig scheint, dass die Traditionsstrecken erhalten bleiben. Und er denkt an die Bedeutung Deutschlands für die Formel 1 – mit Mercedes, seinen Fans, seiner Automobil-Tradition.

Dennoch will Liberty Media natürlich Geld mit der Formel 1 verdienen. Deswegen kommen Hanoi in Vietnam und Zandvoort in den Niederlanden im kommenden Jahr als neue Grand-Prix-Strecken hinzu, hier scheinen offenbar ausreichend Mittel für die Antrittsgebühren vorhanden zu sein. „Wir sind in der glücklichen Position, dass wir mehr Nachfrage als Angebot haben“, sagte Carey der „Sport-Bild“.

Seiler bringt deswegen eine mögliche Alternativlösung ins Spiel: Eine Rotation zwischen europäischen Strecken. So könnte zum Beispiel abwechselnd in Spanien und in Deutschland gefahren werden. Das gab es schließlich schon einmal zwischen dem Hockenheimring und dem Nürburgring. In der Eifel sind die Formel-1-Lichter aber inzwischen komplett aus.