Formel 1

Formel 1 Brite lässt sich nicht auf den Motorsport reduzieren

Die vielen Gesichter des Lewis Hamilton

Archivartikel

Istanbul.Natürlich wäre er „unglaublich stolz, mit einer Ikone wie Michael Schumacher gleichzuziehen“, sagt Lewis Hamilton. WM-Titel Nummer sieben in der Formel 1 ist ganz nah. Ein weiterer Sieg am Sonntag (11.10 Uhr/RTL) in Istanbul reicht, um das zu schaffen, was bislang nur Rekordweltmeister Schumacher gelang. Als der Kerpener 2004 im Ferrari die Bestmarke aufstellte, galt sie als uneinholbar. Ein Meilenstein für die Ewigkeit. Doch der unersättliche Hamilton wird Schumacher nicht nur einholen, sondern dürfte ihn in den kommenden Jahren überflügeln. Er ist noch nicht fertig, nach dem Triumph soll die Vertragsverlängerung folgen.

Dabei ist das Rennfahren im Leben des 35 Jahre alten Mercedes-Piloten schon längst nicht mehr alles. „Der Fahrertitel hat nicht unbedingt Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Der Versuch, die Bedingungen für Menschen auf der ganzen Welt zu verbessern – gleiche Menschenrechte zu schaffen – ist für mich das Wichtigste“, sagte Hamilton vor dem Großen Preis der Türkei. Vor allem in diesem Jahr hat er im Kampf gegen Rassismus und Unterdrückung sowie für mehr Diversität Gesicht gezeigt und seine Reichweite in den sozialen Medien – allein 20,5 Millionen Follower bei Instagram – genutzt.

Ablenken ließ sich Hamilton von seinen Aktivitäten abseits der Strecke keineswegs, nebenbei entwirft er auch Kleidung und schreibt eigene Musik. Trotzdem hat er vor dem viertletzten Rennen der durch die Corona-Krise durcheinandergewirbelten Saison 85 Punkte Vorsprung auf seinen Silberpfeil-Teamkollegen Valtteri Bottas, bei 78 nach dem Grand Prix wäre er einmal mehr Champion. „Ich will versuchen, die Titelentscheidung so lange hinauszuzögern wie möglich“, betonte der Finne Bottas, Hamiltons einzig verbliebener Kontrahent.

In einer eigenen Liga

Einzig Nico Rosberg schaffte es 2016 in seiner Zeit bei den Silberpfeilen, seinen Jugendfreund zu bezwingen und sich zum Weltmeister zu krönen. Das Verhältnis der beiden litt unter der Rivalität, Rosberg trat kurz nach seinem Triumph zurück und verwehrte seinem Stallrivalen die Chance zur Revanche. Und so fährt Hamilton seither in seiner eigenen Liga, hält bereits die Rekorde für die meisten Pole Positionen (97) und Grand-Prix-Siege (93).

An das alles war nicht zu denken, als er – der Junge aus Stevenage – in Kindheitstagen in sein Kart stieg und einfach fahren wollte. „Wir haben mit nichts angefangen“, schrieb Hamilton bei Instagram unter ein Foto mit seinem Vater. Vier Jobs gleichzeitig hatte Anthony Hamilton, um das Hobby seines Sohnes zu finanzieren. Ausgelacht habe man sie für ihren Traum, es in die Formel 1 zu schaffen. Was diese Leute von jetzt wohl über ihn denken, fragte Hamilton rhetorisch.

Den Weg in die Motorsport-Geschichtsbücher hat er bereits geschafft. Wenn seine Leistungen auch nicht immer so anerkannt werden wie die von Schumacher. „90 Prozent der Fahrer würden in diesem Auto gewinnen“, sagte Red-Bull-Fahrer Max Verstappen zuletzt.