Formel 1

Formel 1 Ferrari sucht nach Wegen, gegen Mercedes wieder erfolgreich zu sein / Motoren-Power fehlt

Es hapert in der Qualifikation

Silverstone.Nach dem Frust-Reifenplatzer von Silverstone schaltete Sebastian Vettel umgehend in den Zuversichtsmodus. Dass der viermalige Formel-1-Weltmeister nach dem Großen Preis von Ungarn in nicht mal zwei Wochen erstmals in diesem Jahr nicht die WM anführen könnte - Vettel verschwendete daran keine Gedanken. "Wir sind auf dem richtigen Weg, unser Auto ist gut, unser Auto ist stark", betonte der 30-Jährige, während er einen eigentlich recht entspannten Eindruck im Motorhome seines Arbeitgebers Ferrari hinterließ. Trotz Platz sieben nach dem kaputten Reifen gegen Rennenende beim Großen Preis von Großbritannien und der auf einen Punkt geschmolzenen Führung im Klassement vor Silverstone-Seriensieger Lewis Hamilton.

Vettel konnte sogar schon wieder lachen und scherzen. Als Eddie Jordan, Ex-Teamchef und Fahrerlager-Kultfigur live in die Medienrunde platzte für einen britischen Sender und sich dicht neben Vettel postierte, scherzte der Deutsche: So nah seien sie sich sonst noch nie gekommen.

Hamilton wirkt beseelt

Nah an Hamilton war Vettel diesmal nicht. Der Brite fuhr bei seinem Heim-Grand-Prix mal wieder in einer eigenen Liga, schaffte den Grand Slam: Sieg, Pole, schnellste Rennrunde. "Wenn Du dir ein Ziel setzt und diesen Glauben in dich hast: Es ist so ein großartiges Gefühl. Es ist ein Segen so fahren zu können", sagte Hamilton und wirkte auch Stunden danach regelrecht beseelt. Als Erleichterung empfand er den 57. Sieg seiner Laufbahn nach zwei schweren Grand-Prix-Wochenenden in Baku (5.) und Spielberg (4.) aber ausdrücklich nicht.

Es scheint, dass Hamilton und Mercedes den Wagen für diese Saison immer besser beherrschen und verstehen. "Als die Saison angefangen hat, war es ein bisschen komplizierter, mit diesem Auto richtig umzugehen", meinte Hamilton. Teamchef Toto Wolff hatte den Silberpfeil sogar als Diva bezeichnet. Vettels Rote Göttin gab sich hingegen von Beginn an umgänglicher: Drei Siege in den ersten sechs Rennen. Seit Monaco wartet der Heppenheimer aber auf den vierten Saisonerfolg. "Es ist wahrscheinlich wahr, dass Mercedes in den vergangenen Rennen ein bisschen stärker war", sagte Vettel.

Trend, Tendenz oder nur Momentaufnahme? Ist der Mercedes mittlerweile wieder das schnellste Auto im Feld? Drei Siege feierte das deutsche Werksteam gegen den italienischen Traditionsrennstall in den vergangenen vier Rennen.

Für den Mercedes spricht die Power des Motors. Auf der Geraden nimmt er Ferrari drei bis sechs Zehntelsekunden in der Qualifikation ab. Für Ferrari spricht vor allem der Speed in schnellen Kurven, in der berühmten Copse in Silverstone sei man 10 Stundenkilometer schneller gewesen als der Mercedes, rechnete Vettel vor. Allerdings nahm die rasante Fahrweise auch die Reifen richtig ran, Vettel und der drittplatzierte Teamkollege Kimi Räikkönen wurden durch einen zerstörten linken Vorderreifen gebremst. Noch sind die Gründe allerdings nicht geklärt. Bisher war es eher der Mercedes, der Schwierigkeiten mit den Gummis hatte.

Der Knackpunkt im Titelkampf bleibt für Vettel die Qualifikation. Nur einmal fuhr Vettel in dieser Saison auf Pole, einmal schaffte es Räikkönen, der Rest war silbern. Zweimal Bottas, sechsmal Hamilton. "Wenn du deine Autos in der ersten Kurve vorne hast, sieht das Rennen anders aus. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen, es ist aber nicht einfach", beteuerte Vettel vor dem nächsten Versuch in Ungarn - in den vergangenen vier Jahren stand dort ein Mercedes auf Pole, und mit fünf Siegen ist Hamilton dort Rekordsieger.