Formel 1

Interview Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH, deutet Interesse von Rechteinhaber Liberty Media über eine Vertragsverlängerung an

„Für 2019 müsste es schnell gehen“

Archivartikel

Hockenheim.Der Deutschland-Grand-Prix ist mit dem überraschenden Aus für Favorit Sebastian Vettel, mit Donnerschlägen und Sturzfluten spektakulär zu Ende gegangen. Im Interview blickt Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH, auf das packende Rennen zurück und schaut in die Zukunft. Der Vertrag mit Rechteinhaber Liberty Media endete mit der Siegerehrung.

Herr Seiler, wie fällt Ihre Bilanz des Hockenheim-Rennens aus?

Georg Seiler: Der Regen zum Schluss war natürlich sehr schade, nicht nur für die Fans von Sebastian Vettel. Aber immerhin stand mit Mercedes ein deutscher Hersteller ganz oben auf dem Siegerpodest – und das vor ausverkauftem Haus.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer war vor Ort. Konnten Sie ihn für die Formel 1 gewinnen?

Seiler: Herr Scheuer ist ein begeisterter Motorsport-Fan. Insofern hat ihm das Rennen bestimmt gefallen. Er ist mit den deutschen Herstellern ja derzeit in verschiedenen Gesprächen.

Sie sprechen Verhandlungen an, gab es welche mit Liberty Media? Können Sie schon etwas zur Zukunft der Formel 1 auf dem Hockenheimring sagen?

Seiler: Natürlich sieht man sich bei einem solchen Grand Prix und es hat auch ein weiteres Gespräch stattgefunden. Wir arbeiten gemeinsam an einer Lösung. Ich habe den Eindruck, dass Liberty Media den deutschen Grand Prix nicht aus dem Kalender streichen will.

Der Weltverband FIA sieht für 2019 ein deutsches Rennen vor, ohne Namensnennung.

Seiler: Das ist richtig. Der Deutschland-Grand-Prix wurde noch nicht aus dem Kalender genommen.

Vorgesehen war, dass sich der Nürburgring und der Hockenheimring mit dem deutschen Rennen abwechseln. Nach dem Aus in der Eifel 2013 hat dieses Modell nicht mehr funktioniert.

Seiler: Wenn man die Alternierung fortführen würde, hätten wir noch etwas länger Zeit für die Verhandlungen. Aber ich habe den Eindruck, dass Liberty Media schon für das kommende Jahr nach einer Lösung sucht.

Dann würde die Zeit bei den Verhandlungen allerdings knapper.

Seiler: Wenn darum geht, den Hockenheimring für 2019 in den Kalender zu nehmen, müssen bereits in Kürze Entscheidungen fallen.

Wie schnell müsste es gehen?

Seiler: Es müsste in den nächsten Wochen eine Entscheidung fallen. Aber jetzt bemühen sich viele um ein Rennen. Man sieht das an den verschiedenen Gesprächspartnern, dass das Interesse da ist. Aber alle Gespräche reichen nicht aus, um einen Vertrag zu schließen. Entscheidungen und Risikoabdeckungen müssen her.

Dafür zeichnen sich drei Lösungen ab: Erstens, Liberty Media tritt als Veranstalter auf und mietet die Strecke. Zweitens, die Antrittsgebühr, geschätzt werden über 15 Millionen Euro, wird gesenkt oder drittens, es finden sich Partner zur Finanzierung.

Seiler: Ich habe nicht das Gefühl, dass Liberty Media ein Interesse daran hat, die Strecke zu mieten. Insofern geht es entweder darum, mit der Antrittsgebühr so weit runter zu gehen, dass es bezahlbar ist oder es sind Partner bereit, uns so zu unterstützen, dass die Formel 1 möglich ist. Wir arbeiten an einer Lösung. Unsere Prämisse bleibt auf jeden Fall bestehen, dass wir kein finanzielles Risiko eingehen werden. Wenn die Politik daran interessiert ist, die Formel 1 in Deutschland zu halten, ist das ein gutes Zeichen. Aber soweit sind wir noch lange nicht.

War der 2018er Grand Prix ihr letztes Formel-1-Rennen als Geschäftsführer?

Seiler (lächelt verschmitzt): Wenn es im kommenden Jahr ein Rennen gibt, dann nicht.