Formel 1

Formel 1 Teams in England drohen massive Nachteile

Furcht vor dem Brexit

Archivartikel

London.Die ungebremste Irrfahrt Richtung Brexit treibt die Formel 1 in die Sorgenfalle. Kurz vor dem Saisonstart fürchten viele der in England beheimateten Teams gravierende Nachteile und höhere Kosten, sollte Großbritannien am 29. März die Europäische Union ohne Abkommen verlassen.

„Es ist die Mutter aller Probleme“, warnte Mercedes-Teamchef Toto Wolff am Rande der Testfahrten in Barcelona. Der Boss des Weltmeister-Rennstalls, der seine Rennfabrik nahe London hat, sieht im Falle eines ungeregelten Brexits sogar „massive Vorteile“ für Titelrivale Ferrari um Sebastian Vettel.

Mercedes ist einer von sieben Rennställen, die ihre Basis auf der Insel errichtet haben. In England schlägt das Herz der Formel 1. Die Motorsport-Industrie setzt dort jährlich mehr als zehn Milliarden Euro um, wie ein Branchenverband errechnet hat. Ein abrupter EU-Ausstieg birgt auch für die Formel 1 vor der nächsten Abstimmung im britischen Parlament über die weiteren Schritte im Brexit-Prozess am Mittwoch viele drängende Fragen.

Sorge um die Ingenieure

Zum Beispiel: Was passiert mit den hunderten Ingenieuren und Mechanikern aus EU-Staaten, die plötzlich um Bleiberecht und Arbeitserlaubnis bangen müssen? „Wir sollten eigentlich stolz darauf sein, die besten Formel-1-Teams und Weltmeister hier zu haben. Und wir machen ihnen das Leben schwer“, sagte David Richards, Chef des britischen Motorsportverbands.

Mercedes beschäftigt Personal aus 26 Nationen, bei McLaren arbeiten Menschen aus 23 Ländern. Komplizierte Visa-Bestimmungen und Erschwernisse beim Wechsel von Arbeitsplatz und Wohnort für Motorsport-Fachkräfte aus Festland-Europa könnten sich als Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der englischen Teams erweisen.

Unklar ist auch: Wie wirken sich zusätzliche Bürokratie, Zölle und neue Grenzkontrollen für die auf Effizienz getrimmten Teams aus? „Viele Teile werden erst in letzter Minute fertig, dann sofort verschickt. Was wir dann nicht brauchen, sind große Unterbrechungen dieses Vorgangs an den Grenzen“, erklärte Mercedes-Teamchef Wolff. Funktioniert die Lieferkette mit den Partnerfirmen aus der EU nicht mehr, geraten die betroffenen Teams im beinharten Entwicklungsrennen ins Hintertreffen. dpa

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