Formel 1

Formel 1 Jahrhunderttalent Verstappen vor 100. Rennen

Gegen das Rüpel-Image

Archivartikel

Austin.Ein Jahr bleibt Max Verstappen noch. Ein Jahr, um doch noch der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte zu werden. Ein Jahr, um allen das zu beweisen, wovon der Niederländer überzeugt ist: „Ich kann den Titel holen.“ Als Jahrhunderttalent gefeiert, kam er mit nur 17 Jahren in die Königsklasse des Motorsports, gewann mit 18 sensationell seinen ersten Grand Prix und steht nun mit gerade 22 vor einem besonderen Jubiläum: Am Sonntag (20.10 Uhr/RTL) bestreitet der Red-Bull-Fahrer in den USA schon sein 100. Rennen.

Siebenmal konnte Verstappen gewinnen – einen möglichen achten Erfolg verschenkte der Heißsporn am vergangenen Wochenende in Mexiko durch einen Rückfall in längst überwunden geglaubte Rüpel-Zeiten. „Ziemlich schade“ sei sein sechster Platz, sagte er. In der Qualifikation holte sich Verstappen zwar die Pole Position, ging dann nach dem Crash von Valtteri Bottas im Mercedes aber nicht wie gefordert vom Gas. Es folgten eine Strafe – und keinerlei Einsicht.

„Ich erkenne bei ihm keine Absicht. Es ist einfach so, als ob er solche Situationen magnetisch anzieht“, sagte Weltmeister Lewis Hamilton. Verstappen ist für seine kompromisslose Fahrweise gefürchtet, die brachialen Rad-an-Rad-Duelle schien er zuletzt aber besser im Griff zu haben. Erwachsener sei er geworden, hieß es. Aber Hamilton betonte auch: „Bei ihm ist es einfach so, dass eine Kollision sehr wahrscheinlich ist, wenn du ihm keinen zusätzlichen Raum schenkst. Also machst du das dann die meiste Zeit.“ Ferrari-Star Sebastian Vettel saß direkt neben Hamilton, als er diese Worte sprach und stimmte zu: „Kopieren und einsetzen.“

Natürlich weiß Verstappen um sein teilweise recht negatives Image. Aber es stört ihn nicht. „Wenn ich am Ende meiner Karriere fünf WM-Titel gewonnen habe, aber vielleicht nicht die Person bin, die am meisten gemocht wird, dann ist mir das egal“, sagte er der BBC: „Denn am Ende des Tages geht es nur um das Gewinnen.“ Und dafür seien manchmal auch harte Manöver notwendig. „Wenn es eine Berührung braucht, dann braucht es sie. Es muss nicht immer der sauberste Weg sein.“

Keine Kompromisse

Trotz solcher Aussagen zweifelt kaum jemand seinem Talent. „Ich glaube, er ist der schnellste Fahrer, der jemals ein Auto in der Formel 1 gefahren hat“, sagte Ex-Weltmeister Jenson Button. Auch deswegen dürften Verstappen alle Türen offen stehen. Nach der kommenden Saison läuft sein Vertrag bei Red Bull aus. Ab 2021 gibt es wohl freie Cockpits bei Mercedes und auch bei Ferrari.

Eindringlich macht der Youngster klar, dass er auf dem Weg zum Gewinn der WM keine Kompromisse eingehen wird. „Vielleicht klingt das arrogant, auch wenn das nicht so klingen soll: Ich würde alles tun, um zu gewinnen. Wenn es nicht dreckig, aber ein bisschen härter sein muss, dann werde ich das machen.“