Formel 1

Formel 1 Nach 41 Jahren in Hockenheim verabschiedet sich der Geschäftsführer im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand

Georg Seiler – der Herr des Rings geht

Archivartikel

Hockenheim.Georg Seiler weiß noch ganz genau wie es war, als er 1978 bei der Hockenheimring GmbH anfing. Der heute 67-Jährige hatte eine Bewerbung geschrieben – und wurde gleich genommen. „Als ich damals anfing, waren dort vier Leute“, erzählt er schmunzelnd. Mit 13 Helfern an der Strecke und ihm als fünftem Mann in der Verwaltung – gleich als stellvertretender Leiter – habe man damals Rennen veranstaltet. „Aber natürlich war alles mit viel weniger Aufwand und Ansprüchen verbunden als heute“, sagt Seiler – der Herr des Rings.

Das kann man wohl sagen: Im Jahr 2019 steht die Hockenheimring GmbH als kleines mittelständisches Unternehmen da, das Rennen, Konzerte und viele andere Events mit jährlich 700 000 Besuchern veranstaltet, 35 Millionen Euro Jahresumsatz (2018) verzeichnet – und inzwischen insgesamt rund 80 Angestellte plus viele Aushilfen hat. Dazu steht die GmbH, die zu 94 Prozent der Stadt Hockenheim und zu 6 Prozent dem Badischen Motorsport-Club gehört, finanziell wieder auf stabilen Beinen.

Das war vor einigen Jahren noch ganz anders: Zwischen 1999 und 2003 wurde die Strecke umfangreich umgebaut und modernisiert, 62 Millionen Euro flossen in eine Streckenverkürzung und -verbreiterung sowie in den Ausbau der Zuschauerkapazität von 83 000 auf 120 000. Aber damit begannen gleichzeitig die finanziellen Probleme.

„Meine schwierigste Zeit“

Denn nach dem Ende der Ära Michael Schumacher begann in der Formel 1 in Deutschland ein massiver Zuschauerrückgang. Weil die Einnahmen für Hockenheim immer geringer ausfielen und gleichzeitig die Formel 1 weiter steigende Antrittsgebühren verlangte, war die Kommune gezwungen, immer mehr Geld zuzuschießen, zum Teil über zehn Millionen Euro pro Grand Prix. Viel zu viel für eine kleine Stadt mit knapp über 20 000 Einwohnern. Ein Schlussstrich musste her, die Formel 1 stand in der Rennstadt auf dem Prüfstand.

„Das waren schwierige Jahre“ blickt Seiler zurück: „Wir mussten überlegen, wie wir mit unserem Liquiditätsproblem umgehen sollten, gerade in der Zeit nach dem Umbau.“ Massive Umschuldungen, ein alternierender Vertrag mit dem Nürburgring – ehe dieser in die Insolvenz rutschte – und ein finanzielles Entgegenkommen von Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone halfen der Rennstrecke schließlich aus der Existenzkrise.

Gerade die Zusammenarbeit mit Ecclestone schätzte Seiler sehr. Wenn Vertragsverlängerungen zu verhandeln waren, ging es manchmal einfach zum Steakessen und einem Glas Wein – und danach war die Vereinbarung in ihren Grundzügen geschlossen. „Manchmal aßen wir auch zwei Steaks und es gab ein Dessert dazu“, sagt Seiler. „Er war immer ein fairer und vertrauensvoller Partner. Wenn man 40 Jahre mit jemandem zusammenarbeitet, wirkt sich das aus.“

Die schönsten Erlebnisse an der Rennstrecke hat der 67-Jährige übrigens „immer wenn das Haus voll und dadurch die Stimmung fantastisch war. Dann stimmt auch die Kasse“, blickt er gerne auf viele, viele Rennen oder Großkonzerte zurück. Und auch wenn er in Rente geht – seinen Rennstrecke behält Georg Seiler als echter Hockenheimer weiter im Blick. Schließlich war er der Herr des Rings.

Zum Thema