Formel 1

Formel 1 Traditionsstrecke fehlt wie erwartet im vorläufigen Rennkalender für 2020 / Minimale Hoffnung, als Ersatzausrichter nachzurücken / Vettel verärgert

Hockenheimring lässt sich Hintertür offen

Archivartikel

Spa-Francorchamps.Das Formel-1-Aus 2020 für den Hockenheimring hat den Totalschaden für Deutschland im Rekordjahr der Motorsport-Königsklasse besiegelt – zum großen Unverständnis von Sebastian Vettel. „Es ist Schwachsinn eigentlich, Deutschland da abzuwinken“, betonte der viermalige Weltmeister ein paar Stunden nach Veröffentlichung des Rennkalenders.

22 Grand Prix sind geplant, so viele wie noch nie. Vietnam ist neu dabei, die Niederlande kehren zurück. Deutschland ist raus, wie zuletzt 2017. „Ich denke, dass die Formel 1 Deutschland braucht“, meinte Vettel, der 2020 in seinem letzten Vertragsjahr für Ferrari fahren wird.

Vettel will die Hoffnung nicht aufgeben, „dass wir bald wieder dabei sind“, wie er im Fahrerlager von Spa-Francorchamps sagte. Alles, was ihm und vor allem den Betreibern der Strecke in Nordbaden bleibt, ist die auch nur noch minimale Hoffnung, vielleicht als Ersatzausrichter nachzurücken. „Sollte es bei anderen Rennstrecken Schwierigkeiten geben, wären wir für 2020 gesprächsbereit“, sagte Jochen Nerpel, der neben Jorn Teske die Geschäfte auf dem Traditionskurs führen wird.

Bis zuletzt gab es Gespräche zwischen den Hockenheim-Verantwortlichen und den Formel-1-Bossen, den Zuschlag erhielten aber andere. Schon Ende Juli hatte der scheidende Geschäftsführer Georg Seiler befürchtet, dass Deutschland einer der Streichkandidaten im Mammut-Kalender sei. Offene Fragen für das nächste Jahr gibt es aber weiter: Der Vertrag für den Grand Prix von Italien in Monza ist noch nicht unterschrieben, auf den Strecken für die neuen Rennen in Hanoi und dem niederländischen Zandvoort laufen noch die Arbeiten.

Der Hockenheimring kann sich aufgrund gesunkenen Zuschauerinteresses die Antrittsgebühr nicht mehr leisten. In den vergangenen Jahren richteten die Betreiber bereits nur noch alle zwei Jahre den Großen Preis aus. Der Nürburgring steht bereits seit einiger Zeit aus finanziellen Gründen nicht mehr als Alternative zur Verfügung.

„Für uns war die Konstellation 2020 nicht darstellbar“, sagte Nerpel und verwies auf die hohen Zuschüsse anderer Kurse durch Sponsoren oder den Staat. „In diesen Dimensionen können wir nicht mitspielen. Wir können uns als Hockenheimring kein Defizit leisten.“ Das spektakuläre Rennen in diesem Jahr konnte erst durch eine Sponsorschaft von Mercedes gerettet werden. „Da haben wir gesehen, wie schnelllebig das Geschäft sein kann“, sagte Nerpel. Gespräche mit potenziellen Partnern für die Zukunft laufen bereits. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, versicherte Nerpel.