Formel 1

Formel 1 Der 21-Jährige gewinnt Heimrennen der Scuderia in Monza und überholt seinen Teamkollegen Vettel in der Gesamtwertung

Leclerc erlöst Ferrari-Fans

Monza.Sebastian Vettel versuchte voller Frust und Enttäuschung, sein Fiasko beim Ferrari-Heimspiel zu erklären, während die Tifosi im roten Tollhaus von Monza den neuen König der Scuderia am liebsten auf Händen über die gesamte Strecke getragen hätten. „Es geht über alles hinaus, was ich mir als Kind erträumt habe. Diese vielen Menschen, die singen und jubeln“, schwärmte Charles Leclerc nach seiner Triumphfahrt zum ersten Formel-1-Sieg von Ferrari beim Großen Preis von Italien seit neun Jahren vor Valtteri Bottas und Lewis Hamilton von Mercedes.

In der Box der Roten küssten und herzten sich alle. Die Fans stürmten nach dem zweiten Leclerc-Sieg nacheinander zum Podium und verwandelten die Start- und Zielgerade auf dem Autodromo Nazionale in ein rotes Menschenmeer. Von Vettel war nichts zu sehen. Der viermalige Weltmeister lieferte ein Rennen zum Vergessen ab und wurde nach einem Dreher und einer Zeitstrafe 13. „Ich bin nicht zufrieden mit meiner Leistung“, sagte Vettel kurz angebunden. „Was die andere Seite des Teams angeht, ist dann eigentlich egal.“

Vettel muss trotz aller Beteuerungen gehörig um seinen Status im Team bangen. Zu viele Fehler, keine Siege. „Nein, das wird nichts ändern“, versicherte zwar Ferrari-Teamchef Mattia Binotto mit Blick auf eine möglicherweise veränderte Hackordnung nach der nächsten persönlichen Monza-Pleite von Vettel. Der Rennstallboss hielt die denkwürdigen Momente nach dem Sieg von Vettels Teamkollege selbst mit dem Smartphone vom Zaun aus fest.

In den Herzen der Fans hat sich Leclerc mit seiner ebenso rasanten wie auch diskussionswürdigen Fahrt zum Triumph in der Ferrari-Heimat bereits in seinem ersten Jahr verewigt. Vettel gelang auch im fünften Anlauf kein Sieg in Monza mit der Scuderia. Und er wird die Bilder der Tifosi, die Leclerc und nicht ihn auf dem Podium zelebrierten, nicht ignorieren können. Ebenso wie die Art und Weise, wie Leclerc eine Woche nach seinem ersten Formel-1-Sieg (Belgien) seinen zweiten Sieg im 35. Grand Prix seiner jungen Karriere perfekt machte. Beim Start verteidigte der Monegasse seine vierte Pole gegen den Zweitplatzierten Hamilton. Der mögliche Champion der Zukunft gegen den fünfmaligen Weltmeister, so wie schon in Spa-Francorchamps.

Nach der Peinlich-Qualifikation am Samstag in Italien mit einer unfassbaren Bummelrunde, die die finale Bestzeitenjagd verhindert hatte, bekamen die Fans diesmal reichlich Action geboten. Als Hamilton nach dem Reifenwechsel einen vielversprechenden Angriff auf Leclerc startete, wurde es eng auf dem Hochgeschwindigkeitskurs. Der Brite musste durch das Kiesbett ausweichen. „Er hat mir keinen Platz gelassen, er hat mich abgedrängt“, wetterte der Champion. Die Rennkommissare verwarnten Leclerc, sahen aber von einer Strafe ab.

Dreher, Strafe und Flüche

Mit seinen beiden Grand-Prix-Erfolgen von der Pole aus binnen acht Tagen hat Leclerc Vettel in der Gesamtwertung überholt, er ist auf Platz vier vorgerückt, hat nun 182 Punkte. Vettel – seit mehr als über einem Jahr schon ohne Sieg – bleibt als Fünfter bei 169 Zählern. Für den Heppenheimer nahm das Unheil in Monza nach der verkorksten Qualifikation mit Platz vier schnell seinen Lauf. Zunächst wurde er vom später starken Italien-Fünften Nico Hülkenberg im Renault überholt, konnte aber kontern. Wenig später leistete sich Vettel den folgenschweren Fehler: In der Ascari-Kurve drehte er sich und rutschte ins Gras.

Quer zur Fahrbahn rollte er auf den Asphalt zurück, Lance Stroll im Racing Point konnte nicht mehr ausweichen und rumpelte über den Frontflügel von Vettels Ferrari. „Er kam auf die Strecke zurück wie ein Idiot“, schimpfte der Kanadier am Funk. Umgehend verdonnerten die Rennkommissare Vettel zu einer Zehn-Sekunden-Strafe, die er vor der Garage abbrummen musste. Das war’s. dpa