Formel 1

Formel 1 In Istanbul fährt Lewis Hamilton vorzeitig seinen siebten WM-Titel ein und knackt historische Marke / Vettel gratuliert und steigt 2020 das erste Mal aufs Podium

Lewis Hamilton auf einer Stufe mit Michael Schumacher

Istanbul.Übermannt von einer riesigen Gefühlsladung heulte der sonst so coole Lewis Hamilton unter seinem Helm einfach los. „Als ich über die Linie gefahren bin, hat es mich erwischt und ich bin in Tränen ausgebrochen. Ich konnte das einfach nicht begreifen“, sagte der Brite. Mit seinem siebten WM-Triumph stellte er am Sonntag die für ewig gehaltene Rekordmarke von Michael Schumacher ein. Die Konkurrenz hatte der 35 Jahre alte Superstar der Formel 1 auch unter schwersten Bedingungen beim Großen Preis der Türkei im Griff, sich selbst aber nicht mehr. „Ich verliere sehr selten die Kontrolle. In den letzten Runden musste ich mir aber sagen, dass ich durchhalte“, betonte Hamilton nach seinem zehnten Saisonsieg.

Er versteckte seine verheulten Augen in Istanbul auch noch hinter dem verspiegelten Visier, als sich Sebastian Vettel als Erster neben den schwarz lackierten Silberpfeil kniete, ihm voller Respekt die Hand gab und sagte: „Wir schauen dir heute zu, wie Du Geschichte machst. Es ist bewundernswert.“ Er habe nicht gewollt, dass die Leute in aller Welt seine Tränen sehen würden, erklärte Hamilton später.

Uneinholbar vor Valtteri Bottas

Er brauchte ein paar Minuten, ehe die Freude aus ihm heraussprudelte, er den Helm abnahm, aus seinem Wagen stieg und in die Arme seiner Mercedes-Crew rannte. Kurz zuvor hatte er den nächsten Meilenstein seiner außergewöhnlichen Karriere perfekt gemacht. Der Ausnahmekönner verdrängte den Mexikaner Sergio Perez im Racing Point und Ex-Champion Vettel im Ferrari auf die Plätze zwei und drei. „Ich hätte es nicht besser machen können“, funkte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff an seinen Star-Piloten.

Nach dem viertletzten Saisonrennen ist Hamilton nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Er hat 307 WM-Punkte und liegt uneinholbar vor seinem Stallrivalen Valtteri Bottas. Der Finne hatte als 14. nichts mit dem Kampf um die Spitze zu tun und wurde sogar überrundet. Die Autos von Konstrukteursweltmeister Mercedes kamen auf dem neuen Asphalt lange nicht zurecht. Hamilton war nur von Rang sechs gestartet, zeigte auf der besonders rutschigen und zudem noch regennassen Strecke aber einmal mehr seine ganze Klasse.

Hamilton wurde im Kampf um Platz vier lange von Vettel gebremst, übernahm in der 38. Runde aber die Führung und konnte sie halten. Vettel konnte nach einem starken Start ebenfalls überzeugen und belohnte sich mit dem ersten Podestplatz dieser Saison. Erst zwei Kurven vor Rennende nutzte er einen Fehler von Teamkollege Charles Leclerc und feierte sein mit Abstand bestes Resultat des Jahres.

Schnelle Vertragsverhandlungen

Sportlich ist Hamilton jetzt ganz oben angekommen und steht statistisch auf einer Stufe mit dem bislang größten Rennfahrer der Geschichte. Es gibt keinen Zweifel daran, dass er Schumacher noch überholen kann, wenn er seine Karriere wie erwartet fortsetzt. Die Verhandlungen werden nach dem Titelgewinn Fahrt aufnehmen. „Wir wollen ihn im Auto und er will den Mercedes“, sagte Wolff. Titel Nummer acht und vielleicht noch mehr sind möglich. „Er ist mitten in seinem Schaffen und da kommt noch etwas drauf“, sagte Wolff.

„Für alle Kinder da draußen, die vom Unmöglichen träumen – ihr könnt es schaffen!“, sagte Hamilton. Er will ein Vorbild sein, denn als erster schwarzer Champion in der Motorsport-Königsklasse hatte er viele Hürden zu überwinden. „Als ich jünger war, gab es niemanden in diesem Sport, der aussah wie ich. Es war einfach zu denken, dass es für mich unmöglich ist, dort dabei zu sein“, sagte er und ergänzte: „Ich hoffe, dass meine Leistungen zeigen, dass es egal ist, wo man herkommt und man groß träumen sollte.“