Formel 1

Formel 1 Sebastian Vettel und Ferrari suchen in Barcelona Lösungen für Probleme

„Riesiger roter Zauberwürfel“

Archivartikel

Barcelona.Auf der Suche nach der verlorenen Stärke kehrt Sebastian Vettel an den Ort der Hoffnung zurück. Nicht einmal 70 Tage ist es her, als der Hesse im Ferrari die Test-Bestzeit in Barcelona fuhr und als Favorit in die Formel-1-Saison startete. Vier Rennen und vier Mercedes-Doppelerfolge später steht Vettel noch sieglos und in der WM bereits ziemlich abgehängt da. Der Europa-Auftakt auf dem Circuit de Catalunya am Wochenende (Rennen Sonntag, 15.10 Uhr/live bei RTL) wirkt schon wie der Grand Prix der letzten Chance für seine Titelträume in Rot. „Ich bin sicher, dass wir die Wende schaffen“, sagt der 31-Jährige beschwörend.

Helfen soll Vettel eine neue Motoren-Ausbaustufe, die zwei Rennen früher als geplant von Ferrari eingesetzt wird. Zudem greift das Team auch auf eine neue Benzinmischung zurück und bringt weitere Aerodynamik-Updates mit, die den SF90 schneller machen sollen.

So richtig fassen können Vettel und die Scuderia wohl immer noch nicht, wie sich aus dem vermeintlichen Vorteil der Winter-Tests ein solch frustrierender Saisonstart entwickeln konnte. Gilt Barcelona doch eigentlich als Maßstab für das Kräfteverhältnis auf den meisten Strecken: Wer in Katalonien schnell ist, liegt für gewöhnlich überall weit vorn. „Ich glaube wirklich, dass unser Auto gut ist, wir bekommen es nur nicht ins Arbeitsfenster. Unser Auto ist sicher nicht langsam“, sagt Vettel. Das Gefühl für seinen Dienstwagen sei ihm etwas abhanden gekommen, räumt der Heppenheimer ein. „Ich fahre nicht so gut wie ich könnte, weil das Auto nicht so antwortet und so reagiert, wie ich es will“, erklärt Vettel.

Neidvolle Blicke zu Mercedes

Stück für Stück hat er so das Vertrauen in sein Gefährt verloren. Dass sein neuer Teamkollege Charles Leclerc offenbar mit dem zickigen Ferrari besser zurechtkommt und Vettel damit zusätzlich unter Druck setzt, hilft dem viermaligen Weltmeisters auch nicht unbedingt. Neidisch geht der Blick einmal mehr in die Nachbar-Garage zu Mercedes. WM-Spitzenreiter Valtteri Bottas und Titelverteidiger Lewis Hamilton haben je zwei Rennen gewonnen. Viermal Platz eins und zwei in Serie für die Silberpfeile – so einen Saisonauftakt hat es in der Formel-1-Geschichte noch nie gegeben. „Sie haben das beste Auto und setzen diese Überlegenheit meisterhaft um“, sagte Vettel dem „Spiegel“.

Die Reifen auf die nötige Temperatur zu bringen gelinge bisher zu selten. „Das ist wie mit einem Zauberwürfel“, sagt Vettel in Anspielung auf das seit den 80-er Jahren berühmte Drehpuzzle „Wir haben bestimmt viele Leute im Team, die den Zauberwürfel in wenigen Minuten schaffen“, versichert Vettel. „Aber dieser Zauberwürfel ist wirklich riesig.“ dpa