Formel 1

Formel 1 Start der verkürzten Saison am Freitag in Spielberg

Vettel läutet seine Abschiedstour ein

Spielberg.Nicht mal zu seinem alten Erfolgsteam wird Sebastian Vettel gehen können am Freitag in Spielberg. In der Heimat von Red Bull, dem Team, mit dem der Heppenheimer viermal die Formel-1-WM gewann, wird er nur im Kreis seines aktuellen Rennstalls anstoßen dürfen. Mit Abstand. So ist das in Corona-Zeiten. Vielleicht kredenzt ihm ja Teamkollege Charles Leclerc Pasta in Ferrari-Rot, nachdem er in der Zwangspause seine Kochkünste verbesserte. Aber was auch immer passiert: Vettel läutet beim Großen Preis von Österreich seine Abschiedstour von der Scuderia mit seinem 33. Geburtstag am Freitag ein.

Mit 27 Jahren wechselte Vettel von Red Bull zu Ferrari. Dem Team der Formel 1 schlechthin, heißt es gern und oft. Dem Mythos in Rot. Vettel hatte bis dahin 2010, 2011, 2012 und 2013 den Titel geholt und 39 Siege gefeiert, eingerechnet ist der Premierenerfolg fürs Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso (heute Alpha Tauri). 14 Siege feierte Vettel mit Ferrari, WM-Titel Fehlanzeige. Am Ende dieses ohnehin merkwürdigen Jahres mit der Coronavirus-Pandemie und deren weitreichenden Folgen ist Schluss bei Ferrari – und womöglich in der Formel 1. Vettels Zukunftsfrage ist ungeklärt.

Was er in diesem Jahr noch unbedingt erledigen will, dürfte dagegen klar sein. Vettel hat bei Ferrari nichts mehr zu verlieren. Auf die mögliche Pasta von Teamkollege Leclerc wird er auch verzichten können, Vettel wird zum Selbstverpfleger. Es geht auch um seinen Ruf. Als Gescheiterter wird Vettel am Ende nicht dastehen wollen, denn er weiß auch, dass Ruhm und Erfolg vergänglich sind. „In einer Welt, in der alles so schnelllebig ist, vergeht beides auch sehr schnell“, sagte er einmal.

Nun kann er im Schnelldurchlauf der verspäteten und verkürzten Corona-Saison 2020 einiges wieder geraderücken. So wie die Zweifel an seinen Fahrkünsten nach Fehlern in den vergangenen Jahren, auch wenn die zum Teil dem Wagen geschuldet waren. So wie das Duell mit seinem zehn Jahre jüngeren Teamkollegen Leclerc, der von Beginn als Ferraris Zukunft gepriesen wurde und selbst auch mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein auftritt. So wie die Bilanz von Siegen und Titeln.

Krönender Abschluss möglich

Man stelle sich einfach mal Folgendes vor: Vettel gewinnt den Saisonauftakt, er gewinnt unter anderem auch das Heimrennen in Monza, er gewinnt den 1000. Grand Prix für Ferrari, der womöglich in Mugello stattfinden könnte. Und Vettel gewinnt die WM – ein krönender Abschluss. Es wäre der erste Fahrertitel der Scuderia seit 2007. Und dann geht Vettel. Vielleicht ja mit seinem vor allem aus besseren Zeiten bekannten spitzbübischem Grinsen. Zur Schau getragene Genugtuung ist allerdings nicht Vettels Sache.

Nachdrücklich demonstrieren, dass er es noch genauso kann wie zu den Hochzeiten bei Red Bull schon eher. „Er wird beweisen wollen, dass Ferrari auf den falschen Fahrer setzt“, heißt es auf der Formel-1-Homepage, der bevorstehende Vettel-Abschied verleihe der Saison eine delikate Note.