Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Bahn lässt Überführungen am Eisenbahnknoten erneuern / Anwohner bekommen Bauarbeiten zu spüren

500 Lkw-Ladungen in vier Tagen

Es geht „nur“ um zwei eher unauffällige Eisenbahnbrücken. Doch die beiden Bauwerke in Friedrichsfeld zu erneuern, ist ein aufwendiges Projekt. Seit 2016 laufen die Arbeiten – und in diesen Tagen bekommen Anwohner die Großbaustelle ganz besonders zu spüren. Mitte Mai hat die Deutsche Bahn angekündigt, dass zwischen 13. und 16. Juni – also noch bis zum Sonntag – insgesamt 3500 Kubikmeter Beton angeliefert werden sollen. Das entspricht der Bahn zufolge 500 Lkw-Ladungen. Und auch danach soll es weitergehen: Bis Anfang August müssen 4500 Kubikmeter Abbruchmaterial weggeschafft werden.

Auf den beiden Brücken, um die es geht, werden Bahnschienen über Bahnschienen geleitet: Sie führen die Gleise der Trassen Friedrichsfeld-Schwetzingen und Frankfurt-Heidelberg über die Ein- und Ausfahrt zum Mannheimer Hauptbahnhof. Das Problem: Die beiden Bauwerke sind inzwischen mehr als 100 Jahre alt und müssen deswegen dringend erneuert werden. Sonst sei die zu erwartende Zunahme des Bahnverkehrs nicht zu bewältigen, so die Bahn.

Ketten rasseln

Beide Bauwerke bestehen aus sogenannten Vollrahmen aus Stahlbeton, die komplett abgebrochen und erneuert werden. Der nötige Liefer- und Abholverkehr läuft über die Zaberner und die Lauterburger Straße – und sorgt dort durchaus für Ärger. Am Mittwoch zum Beispiel sei ein „Riesenbagger mit Stahlketten“ durch die Straße gefahren, erzählt Marc Rude. „Dass die Baustelle gemacht wird, ist an sich kein Problem“, sagt der Friedrichsfelder. „Aber die Kommunikation ist schlecht gelaufen. Die Infos kamen nur nach und nach und haben sich zum Teil noch als falsch erwiesen.“ Insgesamt sei die Planung sehr fragwürdig, findet Rude. Über Pfingsten sei zudem auf der Baustelle praktisch durchgängig gearbeitet worden. Seit Ende Mai gilt in der Lauterburger und der Zaberner Straße tagsüber ab 7 Uhr ein Halteverbot. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass Lkw-Fahrer noch früher kamen und solange hupten, bis die Bewohner ihre Autos wegfuhren. „Wenn man sich nicht an das Verbot hält, werden die Autos der Anwohner kostenpflichtig abgeschleppt. Aber um die Ecke stehen Baufahrzeuge oder Autos der Mitarbeiter reihenweise im Parkverbot“, klagt Marc Rude. Bei der Mannheimer Stadtverwaltung habe er sich bereits beschwert – allerdings keine Rückmeldung bekommen.

Andere Friedrichsfelder sehen die Sache etwas gelassener. Ein Anwohner, der seinen Namen lieber nicht nennen will, verfolgt am Mittag von weitem, wie der neue Betonrahmen auf der Baustelle eingehoben wird: „Es gab im Vorfeld Versammlungen, und wir bekommen immer Karten mit den nächsten Schritten in den Briefkasten geworfen.“ Die Brücken hätten nun einmal erneuert werden müssen, meint der Friedrichsfelder: „Es gibt bestimmt Leute, die mit schlimmeren Baustellen zurechtkommen müssen.“

CDU-Bezirksbeirat Reinhold Wolpert hat dagegen schon von einigem Ärger der Anwohner gehört. Offenbar war man auch von anderen Bedingungen ausgegangen: „Es hieß am Anfang von der Bahn, dass ein Großteil der Bauarbeiten von den Schienen aus gemacht werden würde“, sagt Wolpert. In der Tat verspricht die Bahn auf ihrer Internetseite eine „umweltschonende Baulogistik“: „Der An- und Abtransport von Abbruchmassen, Baumaterial und Maschinen ist zum überwiegenden Teil über die Schiene vorgesehen“, heißt es dort. Offenbar wird ein beträchtlicher Teil aber eben doch durch den Ort abtransportiert.

Bahn bietet Ersatzwohnraum

Auch die Bahn bestreitet nicht, dass die Arbeiten Zumutungen mit sich bringen. Im Juni und Juli dieses Jahres gehe es demnach besonders lärmintensiv zu, heißt es im Internet. Das Unternehmen hat Anwohnern deswegen angeboten, ihnen für diese Zeit Ersatzwohnraum zur Verfügung zu stellen. Ob das Angebot auch genutzt wurde, war von der Bahn am Freitag nicht zu erfahren: Wegen der Ferienzeit seien die für das Projekt zuständigen Mitarbeiter im Urlaub, hieß es von der regionalen Pressestelle in Stuttgart.