Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala präsentiert im Stadtteil drei erfolgreiche Projekte aus dem Programm zur energetischen Sanierung

Besseres Klima durch moderne Technik

„Global denken, lokal handeln.“ Der Spruch stammt aus der Frühzeit der Umweltbewegung, wirkt mittlerweile ein wenig altbacken. Richtig ist er dennoch. Wer den Klimawandel aufhalten will, der muss viele kleine Schritte gehen. Drei Beispiele dafür präsentierte Mannheims Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala gestern im Vorort Friedrichsfeld.

Und das ist kein Zufall. Denn der kleine Mannheimer Stadtteil ist Ort eines großen energetischen Sanierungsprogramms. „Vor zwei Jahren haben wir mit einer öffentlichen Präsentation auf dem Kerweplatz begonnen“, erinnert die zuständige Dezernentin. „Inzwischen sind etwa 20 Projekte daraus entstanden“, ergänzt Katarina Ressel von der Klimaschutzagentur, mit der die Stadt in diesem Bereich kooperiert.

Heizen mit Holz

Gemeinsam mit Vertretern des Gemeinderates und des örtlichen Bezirksbeirates sowie der zuständigen Ämter und Gesellschaften stellte Kubala gestern drei der Projekte vor.

Der Rundgang beginnt in der Vogesenstraße 65. Hier liegt eine große städtische Immobilie, die eine Turnhalle, die Bibliothek, das Heimatmuseum und – noch bis zum Umzug in die Volksbank – den Bürgerdienst umfasst. Einst arbeitete hier eine alte Gasheizung mit 220 KW Leistung. Als sie erneuert werden musste, da stellte sich die Frage: Ein neuer Gaskessel oder etwas Anderes? Und wenn etwas Neues: was? Fernwärme ist in diesem Gebiet nicht möglich.

So trat die Pelletsheizung in den Fokus, die seither mit 100 KW arbeitet. „Diese geringere Leistung war möglich dank des hohen Brennwerts der Pellets und der energetischen Sanierung des Gebäudes“, erläutert Armin Thasler vom Immobilienmanagement der Stadt Mannheim. „Selbst im Winter werden in der Spitze nur 70 KW gebraucht“, ergänzt Holger Berg von der MVV, die die Anlage betreibt: „Im Sommer sind es 20.“ Die Steuerung erfolgt automatisch, unter anderem anhand der gemessenen Außentemperatur.

25 Tonnen Pellets werden pro Jahr benötigt – aus regionaler Herkunft, wie Berg erläutert. Und die Emissionen sowohl bei CO2 wie bei Stickoxiden liegen unter allen gültigen Grenzwerten, wie er auf Frage von Kubala versichert. 50 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr werden durch diese Anlage vermieden.

Nachtspeicheröfen modernisiert

Zweite Station: Das Haus der Familie Nachtigal in der Zabener Straße 14 – charakteristisch für viele Gebäude mit Nachtspeicherheizung, wie Doris Wittneben von der MVV erläutert. 4000 gibt es davon noch in Mannheim – die älteste von 1955, die jüngsten aus den 1990er Jahren. „Als sie installiert wurden, da lag der Strompreis bei drei Pfennigen, heute sind es 20 Cent“, erinnert Wittneben: „Die ganze Sache hat also auch eine soziale Dimension.“

Ziel der MVV ist es daher, die Nachteile der Nachtspeicherheizung zu beseitigen, nämlich die Ineffizienz: „Viel wird abgestrahlt, wenn man es nicht braucht.“ In einem von der EU geförderten Pilotprojekt wurde daher Speicherung auch tagsüber entwickelt, wenn der Strompreis günstiger ist. „Da alternativer Strom eher tagsüber als nachts eingespeist wird, hat das auch eine ökologische Komponente“, so Wittneben.

Der Bürgermeisterin reicht das nicht: „An der Strombörse in Leipzig ist der Preis niedrig, wenn viel Atomstrom reinkommt.“ Sie wünscht sich stärkere Konzentration auf „atomfreien“ Strom. „An dieser technischen Möglichkeit wird gearbeitet“, so Wittneben. Und noch an vielem mehr, das sie Effizienz erhöhen soll. So die Anbindung ans Internet, etwa an die Wettervorhersage: „Wenn bekannt ist, dass es morgen warm wird, wird nicht so viel gespeichert.“

Photovoltaik auf dem Dach

Die letzte Station führt die Teilnehmer zu einem Zweifamilienhaus in der Schlettstadter Straße 7. „Das ist mein Elternhaus“, erzählt Clemens Kney. Im Rahmen der Dachsanierung hat er eine Photovoltaikanlage installiert – mit finanzieller Förderung der Klimaagentur. „Seit zwei Wochen ist sie in Betrieb.“ Den gewonnenen Strom speist er nicht ins Netz, nutzt ihn aber für sich.

„Jetzt brauchen Sie nur noch Dach- oder Fassadenbegrüung“, ermuntert Kubala. Angesichts der Anstrengungen der zurückliegenden Wochen zeigt sich der Mann eher zurückhaltend: „Für die nächsten 20 Jahre mache ich erst mal nichts“, lacht er und verweist auf sein kleines Töchterchen: „Das überlasse ich dann ihr.“ Kubala greift den Ball gerne auf: „Damit deren Generation auch noch gesund leben kann – dafür machen wir das alles ja.“